Buch: Logoland
Wenn man so durch die Buchhandlung schlendert, greift man nach manchen Büchern aufgrund der guten Platzierung in irgendwelchen Bestellerlisten, manchmal ist man wegen des Autors aufmerksam und ab und zu liegt es schlicht am auffallenen Cover. So war das auch bei Logoland. Und während diese Vorgehensweise sonst nicht immer zu einer guten Geschichte führt, war das hier ausnahmsweise mal nicht so.
Man stelle sich eine Welt vor, die ausschließlich durch Wettbewerb, Marktwirtschaft und Globalisierung definiert ist. Die haben wir doch schon? Denkste! In der von Max Barry geschaffenen satirischen Welt sind Straßen und Schulen ebenso privatisiert wie die Polizei, die Beauftragung eines Krankenwagens kann nur nach Nennung der Kreditkartennummer erfolgen und den eigenen Nachnamen bekommt man von seinem Arbeitgeber. Alle großen Konzerne sind in einem der beiden konkurrierenden großen Bonusprogrammen organisiert – McDonalds, Nike und Appple auf der einen, Burger King, Reebok und IBM auf der anderen Seite. Die Regierung ist – gut, ein weniger utopischer Aspekt – pleite und machtlos.
Wie kurbelt man den Absatz eines für 85 Cent produzierten und für stolze 2.500 Dollar angepriesenden Sportschuhs an? Hier ist neue und bahnbrechende Form des Guerilla-Marketings erforderlich: Man erschieße einige Kunden und lasse es so ausschauen, als würden diese nur für den Besitz der künstlich verknappten Ware töten.
Max Barry beschreibt sein bedrückendes Logoland plastisch und beklemmend, dabei machen die realen Markennamen seine Vision erschreckend realisitisch. Schmunzler und Kopfschüttler wechseln sich beim Lesen ab und machen die Lektüre wertvoll.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Logoland”, orig. “Jennifer Government” von Max Barry
Gelesen im Juni 2009 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: neu aus dem Buchladen