Buch: Tannöd

1. Oktober 2009 1 Kommentar

Gleich das Erstlingswerk als Stürmer der Verkaufs-Charts und Liebling der Kritiker zu erleben, muss phantastisch sein. Mit Tannöd sackte Andrea Marie Schenkel auch gleich den Deutschen und Schwedischen Krimipreis, sowie den Friedrich-Glauser-Preis ein, und hat somit das erreicht, was vielen etablierten Autoren lange verwehrt bleibt. Wie gerechtfertigt ist dieser Hype? Ausreichend, denke ich.

Auf nur rund 150 Seiten erzählt die Autorin ihre Kriminalgeschichte, die trotz der nicht weltbewegenden Handlung doch so ganz anders ist, als der gewöhnliche Krimi. Eine ganze Reihe von einzelnen Monologen erweckt den Eindruck einer Dokumentation und wechselt sich mit Einschüben aus der Perspektive des Täters ab. In die Nachkriegszeit verlegt und mit fiktiven Elementen umschmückt basiert die Geschichte auf einem realen Vorfall der oberbayerischen Einöde aus dem Jahr 1922 – einen sechsfachen Mord. Durch die Verwendung der ungeschönten, einfachen Sprache der Bewohner wird der Leser unmittelbar in die damalige Zeit, ein abgeschiedenes Dorf und eine Atmosphäre, in der niemand dem anderen traut, versetzt. Gerüchte, Tratsch und Ängste prägen die Berichte der Interviewpartner und lassen somit anfänglich mehrere Verdächtige und tiefe Einblicke in das Landleben unserer Großeltern zu.

Tannöd ist mal etwas neues und hat mir wohl auch deshalb viel Spaß gemacht. Auf die zwischendurch eingestreuten Gebet-Texte könnte man gut und gerne verzichten – deren Sinn hat sich mir nicht erschlossen. Obwohl, oder gerade weil der eigentliche Roman nicht gerade umfangreich und somit die Phantasie des Lesers mehr als bei 400-Seiten-Werken gefragt ist, kommen weder Handlung noch Atmosphäre zu kurz.

Bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt, als Grundlage für Theaterinszenierungen verwendet und mit der Aussicht auf eine Kinoverfilmung, wäre das doch mal die ideale Alternative für zeitgenössische Literatur im Schulunterricht.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Tannöd” von Andrea Marie Schenkel
Gelesen im September 2009 · Lesezeit: zwei Stunden
Quelle: geliehen

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Ein Kommentar

  1. Kalle plappert:
    6. April 2010 um 14:48

    Cooles Buch…

    Antworten

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