Film: Inglourious Basterds
Als historische Dokumentation kann man Tarantinos Werk sicher nicht verstehen, denn leichte Änderungen an der Weltgeschichte zugunsten eines Drehbuches sind hier doch auffallend. Die Kriegssatire erzählt in fünf Kapitel von einer erbarmungslosen Guerilla-Einheit unter Führung von Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt), deren Ziel es schlicht ist, Nazis zu Töten und die deutsche Wehrmacht dadurch zu demoralisieren. Erstaunlich ist, dass dabei für Tarantino-Verhältnisse gar nicht sooo viel Blut über die Leinwand fließt. Klar, Mord und Totschlag kommen vor, sind aber nicht arg so handlungsbestimmend.
Die Besetzung von Inglourious Basterds ist zweifelsohne der Wahnsinn und erweckt den Eindruck, als haben alle nur darauf gewartet endlich für diesen Film gecastet zu werden. Tiefe Verbeugung gebührt allen voran der schauspielerische Leistung von Christoph Waltz (Herr Lehmann). Perfekt spielt er die Rolle des zynisch-charmanten und skrupellos-soziopatischen Judenjägers Hans Landa, und zu Recht wurde ihm dafür erst der Darstellerpreis in Cannes verliehen und dann eine große Chance auf den nächsten Oskar zugesprochen. Ein Platz in der Ahnengalerie der größten Kinoschurken ist ihm zumindest gewiss.
Wie nicht anders zu erwarten überzeugt auch Brad Pitt (Sieben) als Lieutenant Aldo Raine in seinem Tun. Ursprünglich war für diese Rolle angeblich Leonardo DiCaprio vorgesehen – wäre sicher auch nicht schlecht geworden. Die weitere Besetzung liest sich wie die Gästeliste einer deutschen Filmpreis-Veranstaltung:
- Til Schweiger (Far Cry, Keinohrhasen)
- Diane Kruger (Troja)
- Daniel Brühl (Die fetten Jahre sind vorbei, Good Bye, Lenin!)
- August Diehl (23, Buddenbrooks, Anatomie 2)
- Gedeon Burkhard (Alarm für Cobra 11, Kommissar Rex)
- Christian Berkel (Operation Walküre)
- Ludger Pistor (Casino Royale, Balko)
- Martin Wuttke (Tatort)
- Sönke Möhring (Schillerstraße)
- der kleine Volker Michalowski (Zack!)
- und einige mehr
Die Auswahl erfolgte hier, von Diane Kruger und August Diehl einmal abgesehen, sicherlich eher der Authentizität wegen und nicht aufgrund überragender schauspielerischer Leistungen. Irgendwie schade, dass man so viele deutsche Darsteller auf einmal nur in amerikanischen Produktionen sieht, wenn man ihnen SS-Uniformne anzieht. Auch noch erwähnenswert ist die französische Nachwuchsschauspielerin Mélanie Laurent. Hab ich noch nie gesehen, das ändert sich aber sicher in Zukunft.
Es ist erstaunlich, mit welchem Aufwand einzelne Charaktere – sowohl in den Neben- wie auch in den Hauptrollen – erst aufgebaut und emotionalisiert werden, um sie kurz darauf mit einem großen Knall in die Luft zu jagen.
Tarantino lebt für das Kino, möchte es scheinbar immer um sich haben, sieht es als Allheilmittel gegen kleine Übel und große Verschwörungen: Filmkritiker und Filmrollen gibt es überall, ein Kino ist Hauptschauplatz und allein ein Projektor und etwas Filmmaterial dienen letztendlich als Waffe gegen Hitler und Konsorten.
Inglourious Basterds ist ein weiteres Meisterwerk des Kultregisseurs und gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Kinofans.
Bewertung: 5 von 5 Sternchen
Gesehen am 24. August um 19:30
im Cinemaxx Hannover am Raschplatz · Saal 1, Platz J20
Kostenfaktor: 8,50 Euro