Film: The International
Das nenne ich mal Timing: Gerade zu einer Zeit, in der international agierende Banken Schiffbruch erleiden, sie sich gegenseitig ebenso misstrauen wie den Kunden und ihr einst so strahlendes Image mehr als angekratzt ist, zeigt Tom Tykwer (Lola rennt, Das Parfum) auf, welch verschwörerische Machenschaften über Subprime-Deals hinaus noch möglich sind.
Im Mittelpunkt der packenden – jedoch nicht durch und durch plausiblen – Geschichte steht ein luxemburgischer Bankenkonzern, der weder vor dubiosen (aber profitablen) Waffengeschäften mit Schurkenstaaten zurückschreckt, noch Skrupel hat, Gegenspieler kaltblütig ermorden zu lassen. Ein solcher Widersacher ist Interpol-Agent Salinger (Clive Owen: Children of Men, Sin City), der dem Finanzriesen das Handwerk legen möchte und hierfür in astreiner Bond-Manier quer durch die Welt reist. Erst hierdurch wird Stück für Stück deutlich, welches Ausmaß das global operierende Netzwerk tatsächlich aufweist. Geheimdienste und europäische Regierungen sind in ihm ebenso verwoben, wie die Mafia und verschiedene Terrororganisationen.
Eine tolle Besetzung bis in die Nebenrollen, schöne Bilder und Kulissen (ob man hier schon von einem Glasfassaden-Fetisch sprechen kann?), sowie die raren, dann aber heftigen Aktionsequenzen machen den auf der diesjährigen Berlinale erstmalig aufgeführten Streifen zu einem ernstzunehmenden Genrevertreter. Aufgrund der Komplexität des Stoffes sei es verziehen, dass die Hauptdarsteller dabei etwas schwach gezeichnet wirken. Gedreht wurde übrigens unter anderem in Berlin, der Wolfsburger Autostadt, sowie den Studios in Babelsberg, in denen das New Yorker Guggenheim-Museum erst aufgebaut und dann zu Schutt geschossen wurde.
Bewertung: 3 von 5 Sternchen
Gesehen am 24. Februar um 20:15
im Cinemaxx Hannover am Raschplatz · Saal 4, Platz C5
Kostenfaktor: 5,50 Euro