Reisebericht Andalusien – Teil 1

15. September 2009 Keine Kommentare

“Einmal Sonne, Strand und Meer, bitte!” – so klang jedes mal unsere Bestellung in den Reisebüros, die wir nacheinander in Hannover abgeklappert haben. Zahlreiche Beratungen, Kataloge und Internet-Recherchen später, fiel unsere Wahl dann irgendwann auf das spanische Festland, wo wir nun die letzten beiden Wochen verbracht haben. Die Kurzfassung: Es war wirklich spitze! Eine etwas längere Version gibt es jetzt aber auch. Viel Spaß mit diesem kleinen Reisebericht.

Nachdem wir um kurz nach fünf Uhr am Sonntagmorgen – die S-Bahn fuhr noch nicht – in den Flieger gestiegen und knapp drei Stunden in der Luft gewesen sind, landeten wir erst einmal nicht in Spanien, sondern in Portugal. Nein, der Pilot hatte sich nicht verflogen – unser Zielort Isla Cristina ist schlicht so dicht an der portugiesischen Grenze gelegen, dass der Flughafen in Faro einfach näher ist. Dennoch dauerte der Transfer auch von dort noch mal genauso lange wie der Flug, da – wie sollte es anders sein – unser Hotel als letztes angefahren und wir auf beeindruckenden Umwegen zum Ziel gerüttelt wurden. Einmal angefangen, hatte Murphy dann kurzfristig auch Spaß daran uns zu schikanieren: Das Zimmer war noch nicht frei, das Frühstück beendet und abgeräumt. Aber was soll’s, wir hatten ja Urlaub und so immerhin die Möglichkeit, Pool und Pool-Bar schon einmal zu inspizieren. Beides gefiel sehr gut. Nachdem wir unser Zimmer beziehen und dann Abends das Buffet probieren durften, stand fest: Die Hotelwahl war eine hervorragende und das Katalogewälzen nicht umsonst.

Den Montag und Dienstag haben wir die Umgebung erobert. Festzuhalten ist, das Isla Cristina ziemlich hässlich, der Strand aber ziemlich schön ist. Letzterer ist binnen fünf Minuten durch einen kleinen Pinienwald und über eine Düne hinweg zu erreichen, ewig lang, nicht überlaufen und picobello sauber. Andalusien ist die Region, in der auch die Spanier sehr gerne Urlaub machen, wenn sie im Lande bleiben. Und somit war unser Hotel etwa zu 70 Prozent mit Spaniern gefüllt. Den Rest stellten Deutsche Gäste – gut zu erkennen an ihrem frühen Erscheinen zu den Essenszeiten. Die Südeuropäer saßen dafür noch gegen halb elf, elf vor ihren lecker gefüllten Tellerchen.

Am Mittwoch konnten wir unseren bereits in Deutschland für fünf Tage georderten Mietwagen direkt am Hotel in Empfang nehmen. Obwohl die Bundesrepublik und Spanien eigentlich in der gleichen Zeitzone liegen, erschien die Dame von Europcar ganz entspannt um Punkt 10:00 spanische Zeit – in Hannover war es da so etwa 10:46. Die Bestellung bereits aus der Heimat sei übrigens jedem empfohlen, denn so hat man neben der deutschen Rechtsgrundlage auch keine Lauferei und einen super Wagen zum akzeptablen Preis. Als wir dort mit anderen Hotelgästen ins Gespräch gekommen sind, haben wir von teils haarsträubenden Konditionen gehört (und uns gleich nochmals über unser Schnäppchen gefreut). Außerdem bietet es sich an ein tragbares Navigationsgerät samt Saugnapf dabei zu haben, wenn man einige Strecken befahren möchte. Vielen Dank nochmals an die Leihgabe, Alex.

Die Erste Tour mit unserem Toyota Yaris (Diesel, 75 PS) führte uns in den Norden und offenbarte sogleich die Vielseitigkeit der Region. Kaum verliert man das Meer aus den Augen, schlängeln sich spannende und von Korkeichen gesäumten Serpentinen durch die Berge. Unser Ziel hieß Aracena und war ein Rat unseres Marco Polo-Reiseführeres, der uns noch zu so manch netten Örtchen führen sollte. Nachdem wir uns Kirche und Burgruine angesehen und etwas im 7.000-Einwohner Städtchen verlaufen haben, wurden weitere Ziele in der Umgebung angesteuert.

Die nächste (später um eine Moschee samt Minarett sowie um eine Stierkampfarena ergänzte) alte Festung haben wir uns in Almonaster la Real angesehen. Überhaupt gibt es in der Gegend viele Ruinen, aber auch gut erhaltene Burgen und Gemäuer, die stets auf die Vergangenheit Spaniens, die Mauren und die Nähe zu Afrika aufmerksam machen. Fast ausnahmslos kann man diese Sehenswürdigkeiten ohne Eintritt bewundern. Vorbei an Fuenteheridos und Alájar ging es dann Richtung Linares de la Sierra. Laut Reiseführer gibt es dort “einen ordentlich ausgeschilderten Wanderweg” der von Aracena nach Linares führt. Die Straßen wurden plötzlich immer holpriger und enger, Autos seltener und plötzlich fuhr ein Kleinwagen vor uns an, dem ich einfach mal folgen wollte, schließlich kennt der sich ja, anders als unser mitgebrachtes Navigationsgerät, bestimmt aus. Das tat unser spanischer Freund auch, war er doch irgendwann zu Hause und an seinem Ziel angekommen. Die Gassen waren mittlerweile aber so eng, dass ich nur noch langsam vorwärts fahren konnte, zunehmend Angst um die Spiegel hatte und an Wenden nicht zu denken war. Und so rollten wir – vorbei an einem kleinen Schweinestall, einem lauthals schreienden Esel und einem ärgerlich dreinblickenden Einheimischen – auf einen um ein weiteres Stück engeren Weg zu, der einen geschätzten 45-Grad-Winkel aufwies und auf eine Kreuzung zuführte. Dummerweise bin ich auf die Bremse, schließlich hätte ja gut ein LKW von rechts kommen können. Statt eines LKW bekamen wir es jedoch mit der Schwerkraft zu tun, der Wagen drohte zurückzurollen. Also: Vollgas auf rutschige Sandsteinen! Eine echte Bewährungsprobe für den kleinen Flitzer. Als wir dann auf der Ebene zum Stehen kamen, es roch nach Gummi und Schweiß, und uns umsahen, erblickten wir das Wanderweg-Schild. Wir waren wahrscheinlich die ersten Touristen, die diesen mit dem Auto genommen haben und konnten dann auch prompt die Blicke des Einheimischen verstehen…

Auf unserem Rückweg nach Isla Cristina sind wir dann noch an einer über und über mit Menschen besetzten Bretter-Konstruktion vorbei gekommen, die wir bereits am Mittag gesehen und für ein Baugerüst gehalten hatten. Dabei handelte es sich tatsächlich um eine mobile Stierkampfarena! Da meine charmante Begleitung das Rind zu befreien, die Schaulustigen anzuschreien und die europäische Union anzurufen drohte, mussten wir das Stadtfest aber ziemlich bald verlassen.

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes.

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