Reisebericht Andalusien – Teil 2

16. September 2009 3 Kommentare

Weiter geht es mit dem zweiten Teil des kleinen Reiseberichtes. Nach dem Tag im Landesinneren führte uns unser zweiter Ausflug Richtung Osten. Der am Nationalpark gelegene Wallfahrtsort El Rocío scheint eine Art verkappte Westernstadt zu sein: Sand, Pferde und Kutschen überall. Flamingos waren genauso wenig zu sehen, wie Schildkröten und Wildkatzen. Letztere hätte man aber auch nur auf einer geführten Safari zu Gesicht bekommen, die sich in Anbetracht der bereits drei Monate anhaltenden Trockenheit nicht gelohnt hätte – der Nationalpark erschien eher wüstig, als grünlich.

Viel schöner war da der nächste Marco Polo-Insider-Tipp: Der Strand von Mazagón. Wenn die Sevillaner an den Strand fahren, steuern sie angeblich dieses Ziel an und das zu Recht. Zu Füßen der bis zu 100 Meter hohen Klippen liegt ein 23 Kilometer langer sandiger Streifen, den man idealerweise über einen 1.200 Meter langen Steg durch eine Düne (am Kilometer 39 der Landstraße A 494) erreicht. Nach dem Sonnen und Relaxen rafften wir uns wieder auf, ein weiteres Kulturgut des spanischen Stolzes in Augenschein zu nehmen: Die Entdeckung Amerikas. Santa Maria, Pinta und Niña, die drei Schiffe, mit denen Kolumbus 1492 in See stach, sind bei Huelva originalgetreu aufgebaut und ausgestellt.

Während wir bisher immer so gegen neun Uhr ausgeschlafen aufgestanden sind, ging es am Freitag mal etwas früher aus den Federn, um möglichst viel vom Tag in Sevilla zu haben. Die Hauptstadt Andalusiens (und nach Madrid, Barcelona und Valencia viert größte Spaniens) ist nach etwa 1,5 Autostunden erreicht und nach den Tagen in kleineren Orten und an ruhigen Stränden ein echter Kulturschock. Obwohl laut, stickig und ein einziger Verkehrs-GAU, bietet sie wunderschöne Ecken. Viele von ihnen konnten wir uns während einer gemütlichen und romantischen Kutschfahrt anschauen. Das Rathaus (Ayuntamiento), den Plaza de España, die Stierkampfarena und natürlich die Kathedrale muss man als guter Tourist einfach gesehen haben. Vom knapp hundert Meter hohen Giralda lässt sich die Stadt herrlich von oben betrachten. Hatten wir bisher immer so gut 30 Grad und eine leichte Atlantik-Briese, stand die Luft in der Großstadt bei exakt 41 Grad und die Suppe lief. Dennoch ging es etwas Shoppen und leckere Tappas, sowie das beste Dessert der Welt essen, bevor wir gegen halb eins wieder im Oasis Hotel angekommen sind.

Es dauert keine viertel Stunde, und von Isla Cristina aus ist man auf portugiesischem Boden. Klar, das wir auch dort mal vorbei schauen wollten. Nach einem Zwischenstopp in Ayamonte (immer Samstags Markt – nur nicht, wenn wir da sind), überquerte wir den Grenzfluss über jene Brücke, die wir bereits halb-schlafenderweise am ersten Tag passierten. Ein Übersetzen mittels Fähre wäre auch möglich gewesen. Die dritte Burg unserer Reise wurde in Castro Marim besucht und dann eine weitere halbe Stunde nach Tavira gefahren. Die Strände in diesem Abschnitt der Algarve kann man nicht zu Fuß, sondern nur mit dem Boot erreichen, so dass wir uns via Wassertaxi haben übersetzen lassen. Die Fahrt war spaßig, der Strand perfekt: heller, feiner Sand, türkises und flaches Wasser.

Wenn die Spanier einen Wochenmarkt besuchen, scheinen sie nur eines zu kaufen: Kleidung. Zumindest in Isla Cristina gab es kaum etwas anderes – von zwei Oliven- und ein paar Taschen-Ständen einmal abgesehen. Nach diesem Erlebnis ging es, erneut mit Kurs auf Sevilla, wieder auf die Piste. Etwa zehn Kilometer von dort entfernt, liegt mit Itálica die atemberaubende Ausgrabungsstätte einer 206 v. Chr. gegründeten römischen Siedlung samt Amphitheater für 25.000 Zuschauer. Anschließend stürzten wir uns – so langsam fuhr ich bereits leicht spanisch – erneut in den Verkehr der Expo-Stadt von 1992, um uns das anzusehen, was wir bei unserem ersten Besuch nicht geschafft hatten. Wir hatten irgendwo gelesen, dass es in der Umgebung von Sevilla 24-Stunden-Supermärkte geben soll, an denen wir am Sonntag auch noch etwas einkaufen konnten – schließlich war es der letzte Tag mit dem Auto und etwas Getränke wollten wir im Zimmer noch deponieren. Wir haben also einen vor seinem Haus stehenden Spanier nach dem Weg gefragt, den dieser nur grob beschreiben konnte, da es etwas komplex wäre. Naja, versucht haben wir es, sind aber irgendwann wieder in der gleichen Ecke gewesen, als an einer roten Ampel ein Auto hinter uns hupte, jemand heraussprang und ans Fenster klopfte. Da ist der Spanier doch tatsächlich sein Auto holen und uns suchen gegangen, um uns zu sagen, dass wir ihm doch bitte folgen sollen. Nach gut zehn Minuten Fahrzeit kreuz und quer durch die Stadt und gefühlten 23 Kreiseln waren wir da uns konnten uns nur kurz bedanken. Nett!

Nach fünf Tagen, 1.400 Kilometern und 2,5 Tankfüllungen haben wir unseren mittlerweile ins Herz geschlossenen Yaris wieder abgeben müssen.

Für den Montag hatten wir uns eine geführte Tour an die portugiesische Fels-Algarve ausgesucht. Leider ist man bei einer solchen Bus-Tour nicht so frei, wie mit dem eigenen Auto, muss manche Sachen anschauen, die man ansonsten gar nicht besucht hätte und bleibt an anderen Orten nicht so lange, wie man es beim individuellen Besuch gemacht hätte, aber dennoch hat die Reise an den süd-westlichsten Zipfel Europas Spaß gemacht. Wir besuchten Silves, Tavira und bei Sagres gab es die “letzte Bratwurst vor Amerika” sowie einen tollen Blick auf den Atlantik.

Die restlichen Tage lagen wir wahlweise am Strand oder am Pool, haben gegen die Wellen und beim Wasserball gekämpft und mästeten uns mit Pfannekuchen zum Frühstück und Kuchen zum abendlichen Dessert. Meine sprachlichen Fähigkeiten nahmen nicht sonderlich zu. Der einzige Satz, den ich mir zusammengereimt habe, war “Una Cerveza y un agua mineral con gas, por favor”. Ob das grammatisch richtig ist, weiß ich nicht, aber wir haben immer das bekommen, was wir wollten… Ein weiteres Highlight war noch der Ausflug mit einem schicken Zweimaster aus dem Jahr 1930. Zusammen mit zwei weiteren Gästen und einem lustigen Kapitän mit seinen Freunden sind wir auf dem Holzschiff von El Rompido aus an einem Vogelschutzgebiet vorbei und in den Sonnenuntergang gesegelt. Es gab leckere Snacks an Bord und Bademöglichkeit.

Am Freitag ging es dann leider schon wieder zurück. Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen, es hat aber alles prima geklappt und super viel Spaß gemacht. Andalusien können wir jedem empfehlen, der nicht nur Badeurlaub machen, sondern auch etwas sehen möchte und unser Hotel fanden wir spitze.

Hier geht’s zum ersten Teil des Reiseberichts.

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3 Kommentare

  1. Mel plappert:
    18. September 2009 um 20:28

    Hach, da bekommt man gleich wieder Fernweh. Ich war im Juli in Ägypten <3 Aber wollte wohl gern wieder weg :)

    Antworten

  2. Nikki und Michi plappert:
    21. Dezember 2009 um 14:12

    Schöner Bericht. Wir sind gerade auf der Suche nach Erfahrungsberichten aus Spanien. Denn Europa steht bei uns nächstes Jahr auf dem Plan, in Andalusien waren wir noch gar nicht. Wichtig ist, dass man schön zwischen Natur, Spannung, Kultur, Sonne und Party wechseln kann. Und das ist ja ganz offensichtlich gegeben… ;-)

    Antworten

  3. derhenry plappert:
    23. Dezember 2009 um 23:02

    Hey Nikki, hey Michi,
    Ihr seit ja viel unterwegs. Interessante Erlebnisberichte!

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