Die Post – jetzt auch ditschital
Klasse, die Post hat die eMail für sich entdeckt. Wahnsinn. Totlach.
In etwa so war meine erste Reaktion, als ich auf der CeBIT erstmalig vom E-Post-Brief gehört habe. Nun setzt sich ja langsam die große Werbemaschinerie in Gang. Grund genug, sich mit dem Thema mal kurz zu beschäftigen.
Nachdem es nun schon Jahrzehnte den Informationsaustausch per eMail gibt und bereits mehrere Anläufe – auch von der Post – fehlgeschlagen sind, diesen sicher und verbindlich zu gestalten, folgt nun ein weiterer Versuch. Die Vorteile liegen natürlich auf der Hand, denn warum soll ich meinen am Computer geschriebenen Brief erst ausdrucken, eintüten, frankieren und zum Briefkasten bringen, um sichergehen zu können, dass er den Empfänger auch erreicht? Durch das Signieren der Nachricht und aufgrund der Tatsache, dass die Post eine gemeinsame Infrastruktur für Sender und Empfänger bereitstellt, ergibt sich ein beträchtlicher Sicherheits-Vorteil.
Als einst staatliches und nach wie vor nahezu konkurrenzloses Unternehmen, genießt die Post ja irgendwie einen Vertrauensvorsprung. Das erklärt, warum ich mich da ziemlich spontan anmelden und meine Adresse sichern wollte, auch wenn ich das Konto durch den Schnapper-Preis von 55 Cent pro “Brief” (egal ob nun durch die Post ausgedruckt und konventionell zugestellt oder nicht) nur als reinen Ersatz der bisherigen Briefpost nutzen würde. Richtige eMails kann man damit übrigens auch gar nicht ermpfangen.
Das langatmige und komplizierte Anmeldeverfahren (Onlienformular + Code per Briefpost + Handy-TAN + Postident) hat mir allerdings genügend Zeit gegeben, die AGBs mal eben quer zu lesen. Kurzum: Erschreckend. Der Kunde sichert zu, seine Posteingang jeden Tag, also auch bei Krankheit und im Urlaub, zu checken, gestattet das Verkaufen seiner Daten durch die Post (gut, das macht die eh schon) und lässt Staatsanwaltschaft und Polizei mitlesen. Aber meine Lieblingsklausel nennt sich IV.2.5 und besagt, dass ein Druck auf die Löschtaste neben einer Nachricht eben diesen Vorgang nicht unmittelbar zur Folge hat. Erst wenn die Post Lust hat, meine Daten zu vernichten, werden die das ggf. irgendwann tun. Oder eben nicht. Ich glaub mein Schwein pfeift.
IV.2.5: Es wird darauf hingewiesen, dass Daten, die in dem Nutzerkonto gelöscht wurden, ggf. zunächst nur gesperrt und dann erst mit zeitlicher Verzögerung endgültig gelöscht werden, um versehentlichen Löschungen oder evtl. vorsätzlichen Schädigungen vorzubeugen. Aus technischen und rechtlichen Gründen (vgl. gesetzliche Datenspeicherungspflichten) werden Daten ggf. in Datensicherungsdateien und Spiegelungen von Services dupliziert. Solche Kopien werden ggf. erst mit einer zeitlichen Verzögerung gelöscht.
Sehr schön zusammengefasst hat diesen fragwürdigen Sachverhalt der gutjahr’s-Blog, auf dem Ihr auch ein Interview mit dem Betreiber des lawblogs findet. Interessantes hierzu gibt es zudem bei der Stiftung Warentest und bei Heise.
Meine Anmeldung ist anscheinend noch in der Schwebe, da ich noch nicht mit Perso zur Filiale gelaufen und identifiziert bin – da wird sie auch erst einmal bleiben.
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10 Kommentare
Ein Trackback
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[...] Henry – Diesen Blog beobachte ich auch schon länger. Henry hat mir freundlicherweise mal an einem “Trnd Projekt” teilnehmen lassen. Nur leider ging meine Mikrowelle kaputt und ich konnte darüber nicht berichten. Henry bloggt ähnlich wie ich über dies und das [...]
Felix plappert:
26. Juli 2010 um 18:28
Danke für diese kurze Zusammenfassung, damit ist für mich klar, der ePost-Brief ist in seiner jetzigen Form nix für mich
zoellner plappert:
26. Juli 2010 um 22:44
Oh da schau an. Danke fürs Aufklären. Hab mich da auch mal spontan angemeldet. Zur Filiale werd ich aber wohl nicht gleich laufen.
Damian plappert:
27. Juli 2010 um 08:21
Uh, das ist ziemlich doof. Sieht mir nach einem letzten Aufbäumen vor dem Untergang aus. Die Post in ihrer ursprünglichen Form wird es sehr wahrscheinlich nicht mehr all zu lange geben.
CONeal plappert:
27. Juli 2010 um 09:03
Damit hätte ich jetzt echt nicht gerechnet. Für mich ist das nun irgendwie ein Grund da auf keinen Fall eBriefe zu verschicken
Windowsbunny plappert:
28. Juli 2010 um 09:43
… nicht wahr! … Danke für diese Info!
Bruder Grimm plappert:
28. Juli 2010 um 10:29
Nicht gewußt – halte das sowieso für ne Totgeburt und nach deinem Einblick in die AGB´s sollte man die Finger davon lassen.
Serviceteam E-POSTBRIEF plappert:
28. Juli 2010 um 20:13
Hallo,
wir haben festgestellt, dass zu einigen Punkten in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zum E-POSTBRIEF zusätzlicher Informationsbedarf besteht. Die identifizierten Punkte haben wir in einer eigenen FAQ erläutert, diese finden Sie hier: http://go.post.de/w4hao
Mit freundlichen Grüßen
Philipp Schwertner vom Serviceteam E-POSTBRIEF
derhenry plappert:
29. Juli 2010 um 15:16
Taritara, die Post war da.
Vielen Dank für die Gegendarstellung und die Anmerkungen zur AGB. Natürlich ist jetzt alles nicht so schlimm gemeint, wie es in den Bedingungen steht. Aber es steht nun mal in Bedingungen und man muss ja sicher kein Jurist sein, um zu wissen, dass im Ernstfall nur zählt, was geschrieben steht.
Wenn der Absatz, der zur tägl. Kontrolle des Postfachs auffordert nun nur als unverbindlicher Hinweis gelten soll, dann müsste man das vielleicht auch so formulieren, oder?
Sorry, aber so richtig dringt der Beschwichtigungsversuch bei mir nicht durch.
Karsten plappert:
15. Oktober 2010 um 00:37
Wenn man merkt, dass immer weniger Briefe und Postkarten verschickt werden, dann muss man sich halt so einen Dünnschiß einfallen lassen, um noch Geld zu verdienen. Ich finde es aber auch witzig, dass ein Servicemitarbeiter dieses Dienstes den Weg hierher gefunden hat, um diesen Dünnschiß dann auch noch zu verteidigen.
derhenry plappert:
15. Oktober 2010 um 17:23
Wie Du schon sagst, Karsten: Die Post lässt sich was einfallen.