Wenn man mit Vollidiot, Millionär und Resturlaub die ersten drei Bücher von Tommy Jaud gelesen hat, dann kann man nach der Lektüre von Hummeldumm zweifelsohne sagen, dass der Autor sein Thema gefunden hat. Dennoch ist auch das neue Buch keineswegs langweilig und hat mir wieder viel Spaß gemacht. Falsch ist freilich jeder, der auf der Suche nach der großen literarischen Unterhaltung ist – richtig all diejenigen, die gerne mit einem Grinsen im Gesicht lesen und vielleicht noch nach einem Reisebegleiter im Taschenformat für den nächsten Sommerurlaub Ausschau halten.

Während die eine Gruppe Leser sicher etwas traurig ist, dass die bekannten Protagonisten keine Rolle mehr spielen, freuen sich die anderen über die neu eingeführten Figuren. Ob nun Simon, Pitschi oder Matze – ein Kerl zwischen Wahnsinn, Loosertum und Genialität bestimmt mal wieder die Geschichte.

Wir begleiten Matze auf eine Gruppenreise nach Namibia und somit während der schlimmsten zwei Wochen seines Lebens. Denn leider besteht die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe aus sehr extravaganten Charakteren, viel zu wenig Reiseadaptern und einem Haufen Fremdschäm-Potential.

Ich drücke meine Nase ans Busfenster und blicke hinaus ins weite Land. Die Namibier winken uns und lachen. Klar lachen sie, sie sind ja frei. Wir nicht. Wir sind die in Blech gepackte Rache für die deutsche Kolonialzeit.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Hummeldumm” von Tommy Jaud · Gelesen im März 2010 · Quelle: neu aus dem Buchladen

Wir schreiben das Jahr 1954 und befinden uns auf Shutter Island, einer weit abgelegenen und nicht gerade einladenden Insel, die duzende geisteskranke Kriminelle, ihre Ärzte und Wärter beheimatet. US-Marschal Edward “Teddy” Daniels hat den Auftrag, gemeinsam mit seinem Partner das Verschwinden einer Patientin zu untersuchen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem regieführenden Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio (Der Mann, der niemals lebte, Blood Diamond) scheint gut zu laufen, denn nach bereits drei gemeinsamen Werken (Gangs of New York, Aviator, Departed), bringen die beiden nun diese Geschichte auf die Leinwand, die auf einem Roman von Dennis Lehane basiert.

Sein überragendes Talent und die Entwicklung vom Teeny-Schwarm zum erstklassigen Schauspieler zeigt DiCaprio dabei erneut und spielt seine Rolle, als wäre sie nur für ihn erschaffen. Mit dem oskar-erfahrenden Ben Kingsley (Schindlers Liste) wird weiteres Gewicht in die Waagschale der Darsteller geworfen und auch die eigentlich ziemlich kleine Rolle des Junior-Ermittlers Chuck wird durch einen gut spielenden Mark Buffalo (Zodiac) stark aufgewertet.

Durchgehend wirkt eine bedrückende, düstere und auch beängstigende Atmosphäre auf den Zuschauer ein, die schon alleine durch den Ort des Geschehens erzeugt, aber durch Wetter, Musik und natürlich die Entwicklung der Geschichte weiter getragen wird. Die Bilder sind durchgehend rau, dreckig – überzeugend.

Statt einer seichten Aufklärung der Ungereimtheiten, sieht sich der Kinobesucher einem zunehmenden Gewirr an Andeutungen und Rätseln gegenüber. Gleich mehrere Dimensionen der Rückblenden machen es ihm dabei nicht gerade leicht, aus Shutter Island jedoch einen meiner Meinung nach grandiosen Film, den man so schnell nicht los wird.

Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 16. März um 19:50 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz D16 · Kostenfaktor: 6,00 Euro

Sobald Autoren mehr als ein Buch veröffentlichen, sind deutsche Verlage anscheinend besonders scharf darauf, die Werke hinsichtlich Optik und Namensgebung auffallend gleich zu gestalten. Das kennt man beispielsweise von Stephen King, dessen Titel oft absolut nichts mit der Geschichte oder der Originalfassung zu tun haben und das ist auch bei Peter James so.

Nach Stirb ewig, wird nun schön gestorben.
Dieses mal geht es um einen Shuff-Video-Ring, dem Roy Grace das Handwerk zu legen versucht.

Das Buch ist ein solider Krimi, der das vorhandene Potential leider nicht wirklich auszunutzen vermag. Obwohl gut geschrieben, nehmen die häufigen Sprünge zwischen Ermittlungsarbeit und Privatleben des Detectivs unnütz die Spannung aus dem Lesefluss.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Stirb schön”, orig. “Looking good dead” von Peter James · Gelesen im März 2010 · Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

Zack: Vorhin noch in Schweden, geht es nun nach Norwegen. Dort geht es auch gleich etwas spannender zu: Ein Serienkiller arbeitet erst an Schneemännern und danach an jungen Müttern. Wo das eine noch zum Winterspaß dazugehört, ist das andere für die Damen dummerweise tödlich und somit wird Kommissar Harry Hole mit der Lösung des Falles betraut.

Schön an dem Buch finde ich schon mal, dass es mich trotz seinem etwas klischeemäßigen Ablauf (Täter geltungssüchtig, Taten medienwirksam, Ermittler Alki) an der einen oder anderen Stelle überrascht und gefesselt hat. Das regelmäßige Auf und Ab zwischen “Täter überführt” und “Ach ne, doch nicht” macht reichlich Spaß, wobei manche Zusammenhänge so banal erscheinen, dass man als Leser weiter sein kann, als der Kommissar.

Auch um Harry Hole gibt es seit 1997 bereits eine ganze Serie, wobei der Schneemann chronologisch ziemlich am Ende der Liste zu finden ist.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Schneemann”, orig. “Snømannen” von Jo Nesbø · Gelesen im März 2010 · Quelle: geliehen

Schweden-Krimis sind ja wohl anscheinend ein Genre für sich. Sind sie mir früher nie aufgefallen, überfluten sie plötzlich Buchhandlungen und Fernsehzeitschriften. Es war also mal an der Zeit ein skandinavisches Produkt auf die Probe zu stellen – immerhin pappt auf dem Buch ein “Spiegel-Bestseller”-Klebchen.

Bei Mensch ohne Hund stellt Håkan Nesser seinen Inspektor Barbarotti erstmalig vor. Mittlerweile sind zwei weitere Bücher der Serie um den Ermittler einer schwedischen Kleinstadt erschienen.

Die Geschichte beginnt schleppend und mit dem Portrait einer sehr heterogenen Familie. Diese kommt nach langer Zeit zu einer Familienfeier zusammen, bei der dann nacheinander zwei Mitglieder von jetzt auf gleich und spurlos verschwinden.

Der Inspektor – den der Leser immerhin ein Jahr lang bei den Ermittlungen und im Privatleben begleitet – bleibt etwas kontrastarm und uninteressant. Langweilig wurde die Geschichte nicht, aber wirklich spannend ist sie auch nicht, zumal das Ende nicht wirklich überraschend und dann auf einmal etwas plötzlich daher kommt.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen · “Mensch ohne Hund”, orig. “Människa utan hund” von Håkan Nesser · Gelesen im Februar 2010 · Quelle: geliehen

Noch immer gibt es Leichenblässe, den dritten Teil der David Hunter-Reihe, nicht als Taschenbuch und daher wurde jetzt erst mal dieses Werk verinnerlicht. ;)

Wieder einmal geht es um die Tiefen menschlicher Abgründe, eine sehr überschaubare Gruppe an Charakteren und eine Beziehung der besonderen Art. Anders als bei Obsession (später erschienen) gibt es aber mehr Action und Nervenkitzel.

In der ersten Hälfte des Buches lernen wir Kate kennen. Ihr Berufs- und Privatleben ist zwar nicht gerade gewöhnlich, aber auch nicht sonderlich schockierend. Das Erzählte ist keineswegs langweilig, klasse geschrieben und interessant, aber der Thriller befindet sich eindeutig im zweiten Abschnitt – das kennt man von vielen Stephen King-Beispielen. Leider nimmt das Vorwort für meinen Geschmack etwas zu viel vorweg.

Wie man es vom Autor gewohnt ist, legt er auch in Flammenbrut sehr viel Recherche-Wissen und Ernsthaftigkeit. Die häufig zu findenden Kritiken an den Erstlingswerken des späteren Hunter-Autors kann ich nicht nachvollziehen – Entwicklung und Vielseitigkeit von Simon Beckett finde ich vielmehr sehr interessant.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Flammenbrut”, orig. “Where There’s Smoke” von Simon Beckett · Gelesen im Februar 2010 · Quelle: geliehen

Nicht erst nach der Lektüre dieser Memoiren ist das Leben als Hells Angel nicht mein erklärtes Ziel. Aber dennoch strahlt diese geheimnisvolle Parallelgesellschaft etwas Spannendes aus, in das sich einzublicken durchaus lohnt.

Mehr als einen Blick riskierte der Undercover-Polizist Jay Dobyns, der sich in die südwestamerikanische Rocker-Gemeinschaft eingeschlichen hat und nun von seinen Erlebnissen berichtet. Knapp zwei Jahre kämpft er um die Anerkennung der Angels, die Beweissicherung für seine Mission und vor allem um sich selbst: Den guten Familienvater, der sich in einer Welt voller Gewalt, Verachtung, Drogen und Waffen zu verlieren drohte.

Auf sehr spannende und unterhaltsame Weise liest sich das Werk nicht wie eine Akte der Staatsanwaltschaft, sondern durchgehend persönlich. Die teils schroffe Ausdrucksweise bringt den Staub von der Straße sehr gut rüber. Stellenweise gibt es jedoch Längen, die zu kürzen es sich gelohnt hätte und die Unmenge der bürgerlichen, künstlichen und Undercover-Namen lassen einen manchmal ins Straucheln geraten.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Falscher Engel”, orig. “No Angel” von Jay Dobyns · Gelesen von Dezember bis Februar · Quelle: Geburtstagsgeschenk

Man stelle sich vor, dass niemand mehr in natura am öffentlichen Leben teilnimmt, sondern diese Aufgabe einem ferngesteuerten Roboter überlässt. Die Straßen sind menschenleer und nur noch von makellosen und faltenfreien Ersatzkörpern bevölkert. Ihre Besitzer und Lenker liegen derweil auf einer kuscheligen Ganzkörperfernbedieung in den sicheren eigenen vier Wänden – zu grenzenlosen, virtuellen und folgenlosen Risiken bereit und fern jeder Verantwortungspflicht.
Klingt nach einem spannenden Filmstoff? Richtig. Im Kino thematisiert diese Zukunftsvision gerade der aktuelle Streifen mit Bruce Willis.

Technisch ist Surrogates – Mein zweites Ich ziemlich beeindruckend, denn das Roboter-Feeling wird den Darstellern durch leichte Modifikationen an Bewegungs- und Gangart, sowie großzügiges Pickelausdrücken gegeben. Die Gesichter sind glatt wie ein Babypopo.
Auch Aktionszenen sind gut gelungen, jedoch leider nicht sonderlich häufig anzutreffen. Das mag schon alleine an der Laufzeit liegen, denn nach keinen eineinhalb Stunden ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Die Konsequenz sind kaum vorhandener Tiefgang von Geschichte und Charakteren und das Gefühl, alles schon mal irgendwo gesehen zu haben, denn das durch die Rahmenhandlung gegebene Potential schöpft der Film leider nicht aus. Ohne aus der Masse der Genre-Filme hervorzustechen ist er, nicht zuletzt durch Willis (Stirb langsam eins bis vier, The Sixth Sense) und Rosamund Pike (Miranda Frost in Stirb an einem anderen Tag), durchaus sehenswert.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 26. Januar um 20:15 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 3, Platz A14 · Kostenfaktor: 6,50 Euro

Mit seinem neusten Streich 2012 tobt sich Roland Emmerich mal wieder so richtig aus. Wie ein Kind, dem man Bauklötze in die Hand gibt, lässt er Türme einstürzen, Autos durch die Gegend fliegen und ganze Städte von der Bildfläche verschwinden. Dabei sind die Bilder stärker, die Effekte überzeugender, als alles was man bisher in diesem Genre vor die Augen bekam.

Erdbeben, Vulkane und Tsunamis wirken gemeinsam auf unseren Heimatplaneten ein und drohen ihn ausgerechneten an meinem Geburtstag zu zerstören. In einer geheimen Aktion versuchen Regierungen (selbstverständlich unter Führung der USA) und Wissenschaftler zu retten, was zu retten ist – Tiere, Kunstwerke aber in erster Linie sich selbst. Natürlich braucht eine solche Story ihre Helden: Wichtig sind da immer Wissenschaftler – hier wird ihnen erstaunlicherweise von Anfang an geglaubt – und selbstlose Staatsoberhäupter, die, einem Kapitän gleich, erst alle anderen vom sinkenden Schiff gerettet wissen wollen. Desweiteren geht auch nichts ohne einen Dady, der seine Familie rettet. Diese Rolle übernimmt in 2012 John Cusack (Zimmer 1408, Identität).

Die beste Leistung liefert Woody Harrelson (No country for old men, Sieben Leben), der als leicht verschrobener aber hochtechnisierter Einsiedler im Yellowstone-Nationalpark als erster Zivilist von den Geschehnissen Kenntnis erlangt. Am lustigsten von allen ist ein russischer Ex-Boxer, der gern Bentley fährt, ein Paris Hilton-Double als Freundin und einen tollen Synchronisator hat. Überhaupt zwinkert das 158-Minuten-Werk dem Katastrophen-Genre immer wieder lächelnd zu: Die Sixtinische Kapelle reißt ausgerechnet zwischen den Fingern Gottes und Adams auseinander, Gräben tun sich im übertragenden Sinne in Beziehungen und Supermärkten zur gleichen Zeit auf. Ein schöner, langer Kinoabend.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 25. November um 20:00 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle und Alex · Saal 3, Platz C6 · Kostenfaktor: 8,50 Euro

Schon alleine der Titel lässt eher an eine Folge der Drei ??? oder TKKG als an einen Thriller denken. Entsprechend spannend ist der Krimi dann auch und damit das komplette Gegenteil von Schwesternmord und Scheintot – beides tolle Bücher, die der gleichen Feder entstammen! Aber auch handwerklich wird über einen Groschenroman hinaus nichts geboten und die Handlung ist dermaßen platt und öde, dass man sich freut, wenn nach 200 Seiten Schluss ist. Kitschige Romantikelemente à la “Du musst mich verlassen, das ist sicherer für Dich!” gibt es nach fast jedem Umblättern und ich kann hier getrost verraten, dass es ein Happy-End gibt, denn etwas anderes erwartet nach dem dritten Kapitel eh keiner mehr.

Ich war so enttäuscht, dass ich mir den zweiten Roman, mit dem das Geheimlabor gemeinsam im Band Akte Weiß erschienen ist, schenken und etwas anderes lesen werde. Ein Sternchen gibt es, da es sich um eines der früheren Werke von Tess Gerritsen handelt. Das an dieser Stelle eigentlich obligatorische Buchzitat spar ich mir auch.

Bewertung: 1 von 5 Sternchen · “Das Geheimlabor”, orig. “Whistleblower” von Tess Gerritsen · Gelesen Oktober 2009 · Lesezeit: drei Tage · Quelle: geliehen