Zack: Vorhin noch in Schweden, geht es nun nach Norwegen. Dort geht es auch gleich etwas spannender zu: Ein Serienkiller arbeitet erst an Schneemännern und danach an jungen Müttern. Wo das eine noch zum Winterspaß dazugehört, ist das andere für die Damen dummerweise tödlich und somit wird Kommissar Harry Hole mit der Lösung des Falles betraut.

Schön an dem Buch finde ich schon mal, dass es mich trotz seinem etwas klischeemäßigen Ablauf (Täter geltungssüchtig, Taten medienwirksam, Ermittler Alki) an der einen oder anderen Stelle überrascht und gefesselt hat. Das regelmäßige Auf und Ab zwischen “Täter überführt” und “Ach ne, doch nicht” macht reichlich Spaß, wobei manche Zusammenhänge so banal erscheinen, dass man als Leser weiter sein kann, als der Kommissar.

Auch um Harry Hole gibt es seit 1997 bereits eine ganze Serie, wobei der Schneemann chronologisch ziemlich am Ende der Liste zu finden ist.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Schneemann”, orig. “Snømannen” von Jo Nesbø · Gelesen im März 2010 · Quelle: geliehen

Schweden-Krimis sind ja wohl anscheinend ein Genre für sich. Sind sie mir früher nie aufgefallen, überfluten sie plötzlich Buchhandlungen und Fernsehzeitschriften. Es war also mal an der Zeit ein skandinavisches Produkt auf die Probe zu stellen – immerhin pappt auf dem Buch ein “Spiegel-Bestseller”-Klebchen.

Bei Mensch ohne Hund stellt Håkan Nesser seinen Inspektor Barbarotti erstmalig vor. Mittlerweile sind zwei weitere Bücher der Serie um den Ermittler einer schwedischen Kleinstadt erschienen.

Die Geschichte beginnt schleppend und mit dem Portrait einer sehr heterogenen Familie. Diese kommt nach langer Zeit zu einer Familienfeier zusammen, bei der dann nacheinander zwei Mitglieder von jetzt auf gleich und spurlos verschwinden.

Der Inspektor – den der Leser immerhin ein Jahr lang bei den Ermittlungen und im Privatleben begleitet – bleibt etwas kontrastarm und uninteressant. Langweilig wurde die Geschichte nicht, aber wirklich spannend ist sie auch nicht, zumal das Ende nicht wirklich überraschend und dann auf einmal etwas plötzlich daher kommt.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen · “Mensch ohne Hund”, orig. “Människa utan hund” von Håkan Nesser · Gelesen im Februar 2010 · Quelle: geliehen

Noch immer gibt es Leichenblässe, den dritten Teil der David Hunter-Reihe, nicht als Taschenbuch und daher wurde jetzt erst mal dieses Werk verinnerlicht. ;)

Wieder einmal geht es um die Tiefen menschlicher Abgründe, eine sehr überschaubare Gruppe an Charakteren und eine Beziehung der besonderen Art. Anders als bei Obsession (später erschienen) gibt es aber mehr Action und Nervenkitzel.

In der ersten Hälfte des Buches lernen wir Kate kennen. Ihr Berufs- und Privatleben ist zwar nicht gerade gewöhnlich, aber auch nicht sonderlich schockierend. Das Erzählte ist keineswegs langweilig, klasse geschrieben und interessant, aber der Thriller befindet sich eindeutig im zweiten Abschnitt – das kennt man von vielen Stephen King-Beispielen. Leider nimmt das Vorwort für meinen Geschmack etwas zu viel vorweg.

Wie man es vom Autor gewohnt ist, legt er auch in Flammenbrut sehr viel Recherche-Wissen und Ernsthaftigkeit. Die häufig zu findenden Kritiken an den Erstlingswerken des späteren Hunter-Autors kann ich nicht nachvollziehen – Entwicklung und Vielseitigkeit von Simon Beckett finde ich vielmehr sehr interessant.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Flammenbrut”, orig. “Where There’s Smoke” von Simon Beckett · Gelesen im Februar 2010 · Quelle: geliehen

Nicht erst nach der Lektüre dieser Memoiren ist das Leben als Hells Angel nicht mein erklärtes Ziel. Aber dennoch strahlt diese geheimnisvolle Parallelgesellschaft etwas Spannendes aus, in das sich einzublicken durchaus lohnt.

Mehr als einen Blick riskierte der Undercover-Polizist Jay Dobyns, der sich in die südwestamerikanische Rocker-Gemeinschaft eingeschlichen hat und nun von seinen Erlebnissen berichtet. Knapp zwei Jahre kämpft er um die Anerkennung der Angels, die Beweissicherung für seine Mission und vor allem um sich selbst: Den guten Familienvater, der sich in einer Welt voller Gewalt, Verachtung, Drogen und Waffen zu verlieren drohte.

Auf sehr spannende und unterhaltsame Weise liest sich das Werk nicht wie eine Akte der Staatsanwaltschaft, sondern durchgehend persönlich. Die teils schroffe Ausdrucksweise bringt den Staub von der Straße sehr gut rüber. Stellenweise gibt es jedoch Längen, die zu kürzen es sich gelohnt hätte und die Unmenge der bürgerlichen, künstlichen und Undercover-Namen lassen einen manchmal ins Straucheln geraten.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Falscher Engel”, orig. “No Angel” von Jay Dobyns · Gelesen von Dezember bis Februar · Quelle: Geburtstagsgeschenk

Man stelle sich vor, dass niemand mehr in natura am öffentlichen Leben teilnimmt, sondern diese Aufgabe einem ferngesteuerten Roboter überlässt. Die Straßen sind menschenleer und nur noch von makellosen und faltenfreien Ersatzkörpern bevölkert. Ihre Besitzer und Lenker liegen derweil auf einer kuscheligen Ganzkörperfernbedieung in den sicheren eigenen vier Wänden – zu grenzenlosen, virtuellen und folgenlosen Risiken bereit und fern jeder Verantwortungspflicht.
Klingt nach einem spannenden Filmstoff? Richtig. Im Kino thematisiert diese Zukunftsvision gerade der aktuelle Streifen mit Bruce Willis.

Technisch ist Surrogates – Mein zweites Ich ziemlich beeindruckend, denn das Roboter-Feeling wird den Darstellern durch leichte Modifikationen an Bewegungs- und Gangart, sowie großzügiges Pickelausdrücken gegeben. Die Gesichter sind glatt wie ein Babypopo.
Auch Aktionszenen sind gut gelungen, jedoch leider nicht sonderlich häufig anzutreffen. Das mag schon alleine an der Laufzeit liegen, denn nach keinen eineinhalb Stunden ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Die Konsequenz sind kaum vorhandener Tiefgang von Geschichte und Charakteren und das Gefühl, alles schon mal irgendwo gesehen zu haben, denn das durch die Rahmenhandlung gegebene Potential schöpft der Film leider nicht aus. Ohne aus der Masse der Genre-Filme hervorzustechen ist er, nicht zuletzt durch Willis (Stirb langsam eins bis vier, The Sixth Sense) und Rosamund Pike (Miranda Frost in Stirb an einem anderen Tag), durchaus sehenswert.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 26. Januar um 20:15 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 3, Platz A14 · Kostenfaktor: 6,50 Euro

Mit seinem neusten Streich 2012 tobt sich Roland Emmerich mal wieder so richtig aus. Wie ein Kind, dem man Bauklötze in die Hand gibt, lässt er Türme einstürzen, Autos durch die Gegend fliegen und ganze Städte von der Bildfläche verschwinden. Dabei sind die Bilder stärker, die Effekte überzeugender, als alles was man bisher in diesem Genre vor die Augen bekam.

Erdbeben, Vulkane und Tsunamis wirken gemeinsam auf unseren Heimatplaneten ein und drohen ihn ausgerechneten an meinem Geburtstag zu zerstören. In einer geheimen Aktion versuchen Regierungen (selbstverständlich unter Führung der USA) und Wissenschaftler zu retten, was zu retten ist – Tiere, Kunstwerke aber in erster Linie sich selbst. Natürlich braucht eine solche Story ihre Helden: Wichtig sind da immer Wissenschaftler – hier wird ihnen erstaunlicherweise von Anfang an geglaubt – und selbstlose Staatsoberhäupter, die, einem Kapitän gleich, erst alle anderen vom sinkenden Schiff gerettet wissen wollen. Desweiteren geht auch nichts ohne einen Dady, der seine Familie rettet. Diese Rolle übernimmt in 2012 John Cusack (Zimmer 1408, Identität).

Die beste Leistung liefert Woody Harrelson (No country for old men, Sieben Leben), der als leicht verschrobener aber hochtechnisierter Einsiedler im Yellowstone-Nationalpark als erster Zivilist von den Geschehnissen Kenntnis erlangt. Am lustigsten von allen ist ein russischer Ex-Boxer, der gern Bentley fährt, ein Paris Hilton-Double als Freundin und einen tollen Synchronisator hat. Überhaupt zwinkert das 158-Minuten-Werk dem Katastrophen-Genre immer wieder lächelnd zu: Die Sixtinische Kapelle reißt ausgerechnet zwischen den Fingern Gottes und Adams auseinander, Gräben tun sich im übertragenden Sinne in Beziehungen und Supermärkten zur gleichen Zeit auf. Ein schöner, langer Kinoabend.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 25. November um 20:00 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle und Alex · Saal 3, Platz C6 · Kostenfaktor: 8,50 Euro

Schon alleine der Titel lässt eher an eine Folge der Drei ??? oder TKKG als an einen Thriller denken. Entsprechend spannend ist der Krimi dann auch und damit das komplette Gegenteil von Schwesternmord und Scheintot – beides tolle Bücher, die der gleichen Feder entstammen! Aber auch handwerklich wird über einen Groschenroman hinaus nichts geboten und die Handlung ist dermaßen platt und öde, dass man sich freut, wenn nach 200 Seiten Schluss ist. Kitschige Romantikelemente à la “Du musst mich verlassen, das ist sicherer für Dich!” gibt es nach fast jedem Umblättern und ich kann hier getrost verraten, dass es ein Happy-End gibt, denn etwas anderes erwartet nach dem dritten Kapitel eh keiner mehr.

Ich war so enttäuscht, dass ich mir den zweiten Roman, mit dem das Geheimlabor gemeinsam im Band Akte Weiß erschienen ist, schenken und etwas anderes lesen werde. Ein Sternchen gibt es, da es sich um eines der früheren Werke von Tess Gerritsen handelt. Das an dieser Stelle eigentlich obligatorische Buchzitat spar ich mir auch.

Bewertung: 1 von 5 Sternchen · “Das Geheimlabor”, orig. “Whistleblower” von Tess Gerritsen · Gelesen Oktober 2009 · Lesezeit: drei Tage · Quelle: geliehen

Die Überzeugung, in einem vorherigen Leben ein Mörder gewesen zu sein, und deswegen nun einen Anwalt zu benötigen, raubt einem sterbenskranken Jungen den Schlaf und stellt von jetzt auf gleich das Leben des Strafverteidigers Robert Stern ordentlich auf den Kopf.

Bereits der Seelenbrecher beinhaltet den typischen Hauch Mystery – und fordert daher vom Leser etwas Gutwill in dieser Hinsicht. Lässt man sich darauf aber ein und übersinnliche Handlungsstränge zu, so hat man mit beiden Werken sehr gute Thriller von einem nicht umsonst gelobten Autor vor sich und die Möglichkeit in eine andere Welt einzutauchen.

Es sind die indirekten Signale, die ein Tatort aussendet, die für Außenstehende eine morbide Faszination besitzen. Ein abgesperrter Bereich auf einem U-Bahnhof, der ansonsten voller Menschen ist, entfacht eine solche Wirkung, ebenso wie ein unnatürlich hell erleuchteter Platz, auf dem mehrere Polizeifahrzeuge parken.

Obwohl die Charaktere etwas blas und farblos wirken und hier und da etwas mehr Detailverliebtheit und weniger Tempo gut wären, sind Dramaturgie, Sprache und Handlung sehr gut gelungen und verführen erfolgreich zum Weiterlesen.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Das Kind” von Sebastian Fitzek · Gelesen im Oktober 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

Das neuste Buch von Andreas Franz ist meiner Meinung nach eines seiner Bestes. Zu der Ober-Liga der Thriller-Autoren mag ich ihn zwar noch immer nicht zählen, aber eine Steigerung ist auf jeden Fall zu sehen und zu lesen.

Mal wieder ist das Team um Julia Durant mit den Ermittlungen zu einer Mordserie in Frankfurt befasst. Scheinbar zufällig wählt ein Psychopath seine Opfer aus und ebenso abwechslungsreich zeigt er sich bei der Durchführung seiner Taten.

Er war ein großer Künstler, einer der größten aller Zeiten, nein, der größte. Ein Magier, der nicht mit Taschenspielertricks arbeitete, nein, das hatte er nicht nötig, von ihm konnten Copperfield und Co. noch lernen.

Bei Franz sind immer alle Charaktere besonders intelligent, besonders gutaussehend und besonders jung. Oft alles auf einmal. Klischees an allen Ecken und Enden und manche Dialoge könnten einer Sechsklässler-Theater-AG entsprungen sein. Die Ermittlungen nehmen leider etwas unüberzeugende Wendungen und das Ende – allen voran der finale Tippgeber – sind schon fast albern. Aber dennoch – und wo ich diese Zeilen hier gerade tippe wundert es mich auch -, war es an manchen Stellen so spannend, dass ich es nicht beiseite legen wollte.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Mörderische Tage” von Andreas Franz · Gelesen im Oktober 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: geliehen

In diesem berliner Episodenfilm lassen sich fünf männliche Großstädter mit ganz unterschiedlichsten Lebensmodellen auf der Suche nach der großen Liebe beobachten. Während dabei für den einen bereits ein paar Treueherzen das ganz große Glück bedeuten, weiß der andere seinen beruflichen und privaten Erfolg nicht ansatzweise zu schätzen. Für den einen sind Partys und Frauen der Sinn des Lebens und für den nächsten muss es die Umsetzung des eigenen Businessplanes sein.

Mit Til Schweiger (Inglourious Basterds, Keinohrhasen), Christian Ulmen (Der Fischer und seine Frau) und einigen weiteren bekannten Gesichtern ist der Streifen super besetzt und ein erfolgreicher Angriff auf das Zwerchfell. Auf den größten Gelächter-Fang geht der von Justus von Dohnányi (Das Experiment) gespielte Schlager-Spinner Bruce, der mit seinem naiven Essen-für-alle- und rettet-die-Welt-Liedchen ganz groß raus kommen möchte.

Simon Verhoevens zweite Regiearbeit ist etwas Tatsächlich… Liebe, ein wenig Resturlaub und ganz viel Spaß mit einem Spritzer Tragik. Was Frauen vor dem Kinobesuch nicht konnten, lernen sie auch durch Männerherzen nicht: Das andere Geschlecht verstehen. Aber vielleicht haben sie, sobald der schöne Schweiger ausgeblendet ist, ein wenig mehr Verständnis für uns.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 09. Oktober um 20:20 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle · Saal 7, Platz G18 · Kostenfaktor: 8,00 Euro