Um das schweizerische Bern herum sprechen die Eingeborenen ja schon etwas gewöhnungsbedürftig. Lustig finde ich aber, dass auch das Schriftdeutsch dort ein etwas anderes ist, als im hohen Norden Deutschlands gewöhnt. Das fällt ja schon bei der Tageszeitung auf und macht sich somit auch bei Romanen aus der Region bemerkbar.
Mein Testobjekt war der Kriminalroman Samenspende von Peter Hänni, der einen zweifachen Giftmord thematisiert. Souverän wird die Geschichte erzählt und immer mal wieder Bezug auf Bern, sowie schweizer Begrifflichkeiten und Sitten genommen. Somit eine klasse, kurzweilige Urlaubslektüre, wenn man schon mal da ist.
In diesem Zusammenhang ist mir übrigens aufgefallen, wie günstig Bücher hier im direkten Vergleich zur Schweiz sind!
Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Samenspende” von Peter Hänni · Gelesen im August 2010 · Lesezeit: eine knappe Woche · Quelle: geliehen
Wenn man Sylvester Stallone, Jason Statham, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Jet Li und Mickey Rourke gleichzeitig auf der Leinwand sehen kann, dann muss man das Angebot natürlich annehmen, denn einfacher kann man die Idole seiner Jugend nicht gemeinsam treffen.
Nach einem Blick auf das Kinoplakat erwartet man bereits Aktion in Reinkultur – und wird nicht enttäuscht. Wolken von Testosteron, Adrenalin und Endorphinen wabern erst über die Leinwand und dann durch den ganzen Saal und machen zusammen mit Unmengen von Chrom, Schwarzpulver und coolen Sprüchen aus The Expendables den wohl männlichsten Film des Jahres. Oder des Jahrzehnts, mal schaun.
Gucken!
Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 27. August um 20:00 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz K15 · Kostenfaktor: 8,50 Euro
So, nachdem Leichenblässe jetzt auch als Taschenbuch erschienen ist, hab’ ich nun alle Bücher von Simon Beckett durch.
Thema ist der dritte Fall des forensischen Anthropologen David Hunter, der erstmalig nicht in Großbritannien, sondern in Tennessee spielt. Hinsichtlich Stil und Ablauf bleibt hingegen vieles beim Alten, denn erneut ist Hunter nicht nur beratend unterwegs, sondern ehe er es sich versieht mitten in das Geschehen involviert und wiedereinmal ist nicht alles so, wie es scheint.
Nicht ganz mit den Vorgängern mithalten kann jedoch das “Buch nicht weglegen wollen”-Gefühl. Gerade zu Anfang zieht sich die Story ein wenig und steht bei den Punkten Spannung und Komplexität verglichen mit der Chemie des Todes hinten an. Zahlreiche Figuren bleiben verhältnismäßig farblos und entziehen sich somit Interesse und Mitgefühl und die Beschreibung der instabilen psychischen Situation, in der sich der Protagonist infolge seines letzten Einsatzes befindet, ist mir schon etwas zu viel des Guten. Auf der anderen Seite hätte ich mir eine stärkere Verknüpfung zur Handlung des Vorgänger-Buches gewünscht.
Wie nicht anders zu erwarten, ist Leichenbläse natürlich ein handwerklich überzeugender Thriller, den zu lesen es durchaus lohnt. Dem Autor wird leider sein eigenes hohes Niveau zum Verhängnis. Denn dem starken Anspruch an alles weitere aus seiner Feder wird er meiner Meinung nach dieses Mal nicht ganz gerecht.
Das Bild zum Artikel sieht etwas morbide aus, ich weiß. Ist aber das Cover.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Leichenblässe”, orig. “Whispers of the Dead” von Simon Beckett · Gelesen im August 2010 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: neu aus dem Buchladen
Eigentlich ist Applaus im Kino ja ähnlich albern wie im Flugzeug. Der Pilot muss schon einen tollen Salto hinlegen oder der Film wirklich überzeugen, damit ich das angebracht finde. Letzteres war gestern aber nach langer Zeit wieder mal der Fall.
Mit The Dark Knight und Memento tragen bereits zwei meiner absoluten Lieblingsfilme das Label powered by Christopher Nolan und nun ist mit Inception ein weiterer hinzugekommen. Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Teams aus Gangstern, dessen Beute und Ware die Gedanken einflussreicher Menschen sind. Sie haben sich darauf spezialisiert, Geheimnisse ihrer Opfer zu stehlen, die ihrer Kunden zu bewachen oder neue in das Unterbewusstsein anderer Personen einzupflanzen und verdienen ihr Geld hierdurch quasi schlafwandelnd.
Mit jedem weiteren Satz über den Inhalt des Films, würde man wahrscheinlich seinen großartigen Spannungsbogen ein wenig mehr beschneiden. Daher werde ich hier lieber weitere Gründe anführen, warum man den Film sehen sollte. Und das müsst Ihr – auch ohne dass Euch der Gedanke mit Hilfe von Betäubungsmitteln und seltsamen Gerätschaften eingetrichtert wird – gefälligst tun. Da wäre zum einen die Besetzung: Allen voran der von mir hier schon mittlerweile regelmäßig gelobte und wieder einmal großartig spielende Leonardo DiCaprio (Shutter Island, Departed) sowie die niedliche Ellen Page (Hard Candy) und die geheimnisvolle Marion Cotillard (Public Enemies). Ein weiteres optisches Highlight sind die Bilder, die Effekte. Aber auch weitere Sinne werden gekitzelt. Das Hören durch eine wirklich überzeugende Filmmusik und das Gleichgewichtsorgan durch spektakuläre Spielerein mit der Schwerkraft.
Sicher ist Inception keine ganz leichte Kost und verlangt dem Zuschauer über etwa 140 Minuten viel Aufmerksamkeit und Offenheit ab. Zur Entschädigung gibt es einen prickelnden Cocktail aus einer ordentlichen Portion Matrix, reichlich James Bond sowie zahlreicher weiterer Einflüsse.
Nach dem Film fühlt man sich wie nach dem Aufwachen aus einem seltsamen Traum. Irgendwie verwirrt, gedankenverloren und ein klein wenig hilflos. Mir fallen nur zwei Orte ein, wo ich mich so fallen lassen möchte: Mein Bett und das Kino.
Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 28. Juli um 20:00 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz M27 · Kostenfaktor: 10 Euro
Im freien Fall kommen die teilweise schwer bewaffneten Elitekämpfer der unterschiedlichsten Herkunft erst zu sich und kurz darauf – nur unsanft durch einen Fallschirm gebremst – im fremden Dschungel zusammen. Waren sie vor kurzem noch Soldaten, Einzelkämpfer oder Söldner und somit im Kampf für Land, Ehre oder kriminelle Machenschaften unterwegs, so stehen sie nun gemeinsam einem überlegenen und Feind gegenüber.
Nachdem sich Aliens und Predatoren über zwei Runden auf der Leinwand gemeinsam amüsiert haben, beschäftigen sich letztere nun wieder nur mit ihrem Lieblingsspielzeug – dem Menschen. Das Acht-Personen-Gespann wird also unter der Führung von Kriegsmaschine Royce durch die Gegend gejagt und, da verrät man sicher nicht zu viel, fleißig dezimiert.
Der Streifen bietet ansehnliche Effekte und nette Aktion. Mitgefühl oder auch nur Interesse an den Darstellern kann man jedoch schwer aufbauen, denn dafür sind die Charaktere schlicht zu flach beschrieben. Überhaupt geht alles immer ziemlich hektisch und lässt stellenweise eine gewisse Kontinuität vermissen. Spaß macht der von Robert Rodriguez produzierte und kaum von den Genre-Erwartungen abweichende Film aber auf jeden Fall.
Bewertung: 3 von 5 Sternchen · Gesehen am 13. Juli um 20:10 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 4, Platz E12 · Kostenfaktor: 7,50 Euro

Eine Reihe von befremdlichen Ereignissen sucht die beschauliche amerikanische Kleinstadt Ogden Marsh heim: Die Einwohner scheinen nicht mehr sich selbst und von einer sonderbaren Aggressivität besessen zu sein und – wie sollte es anders sein – durch den Eingriff des Militärs wird aus der Situation ein reines Chaos.
An was erinnert uns ein solcher Plott? Richtig: Zombies. In diesem Fall zwar nicht ganz korrekt, aber vom Stil her ein Volltreffer. Wer jetzt aber mit einem “Langweilig, alles schon 1000x gesehen”-Gesicht abwinkt, tut The Crazies durchaus Unrecht, denn Regisseur Breck Eisner vermochte aus der in der Tat nicht sonderlich originellen Grundidee, einen spannenden, atmosphärisch dichten und gut gespielten Streifen zu basteln, bei dem es sich im übrigen um ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1973 handelt.
Auf einen langatmigen Prolog wird geschickt verzichtet, so dass sich Zuschauer und Protagonisten ziemlich rasch auf dem Weg in die Apokalypse befinden. Bei letzteren beschränkt sich Eisner auf drei, vier Hauptcharaktere, deren Entwicklung einem erstaunlich nahe geht – anders als bei vielen Splatter- oder Teeniehorrorfilmen. Verkörpert werden die Überlebenskämpfer unter anderen durch Timothy Olyphant (Hitman, Stirb langsam 4.0) und Radha Mitchell (Surrogates, Silent Hill), die ein in ihren Funktionen als Sheriff beziehungsweise Ärztin perfekt in das Kleinstadtleben integriertes Pärchen geben.
Dadurch, dass bei The Crazies nicht der konventionelle geistlose, träge aber schwer kaputtbare Zombie durch die Gegend schlurft, können neue Stränge in das Genre geknüpft und weitere Facetten hinzugefügt werden. Zusammenfassend handelt es sich um eine gelungene Neuauflage und einen gleichzeitig kurzen, wie kurzweiligen Film, bei dem es sich lohnt eine Seh-Empfehlung auszusprechen.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 03. Juni um 20:45 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Alex · Saal 3, Platz C10 · Kostenfaktor: 7,50 Euro
Irgendwann zu Grundschul-Zeiten bin ich als Robin Hood zum Fasching gegangen – das war cool! 
Ganz gut macht das aber auch Russell Crowe (Der Mann, der niemals lebte, A beautiful mind) in der aktuellen Verfilmung der Sage um den bogenschießenden Rächer der enterbten. Mit der ihm eigenen, stets leicht muffigen Miene verkörpert er den englischen Soldaten rau, grob, unangepasst und somit weniger gentlemanlike, als ein Kevin Costner. In die Welt des 13. Jahrhunderts passt diese Variante besser.
Gegenstand der Handlung ist weniger der Teil, der in den Siebzigern durch Walt Disney in die Köpfe der Menschen getragen wurde, als viel mehr die Zeit zuvor: England ist pleite und steht kurz vor einem Bürgerkrieg. Robin kehrt nach Jahren von seinem Kreuzzug-Einsatz in die Heimat zurück und mausert sich zum Anführer der Aufständischen.
Sehr schöne Panorama-Bilder von Landschaften, Burgen und Schlachten lassen – gemeinsam mit einer tollen Filmmusik – schnell in die Zeit des Geschehens reisen. Zwangsweise rufen sie an einigen Stelle die Erinnerung an Gladiator hervor, denn auch hier arbeiteten Hauptdarsteller und Regisseur Ridley Scott (Königreich der Himmel) zusammen.
Leider bleibt ein wenig das Gefühl, dass sich Regisseur und Zuschauer in den 140 Minuten etwas in der Geschichte verlieren. Zahlreiche Konflikt-Parteien buhlen erst um Land, Gold und Aufmerksamkeit und erscheinen in einer finalen Schlacht dann dennoch vereint.
Optisch ist Robin Hood ein voller Erfolg. Aber Robin Begins hätte als Titel besser gepasst. Zum einen bleibt die erwartete Geschichte noch unerzählt und zum anderen hat der Protagonist noch einiges an Entwicklungspotential. Leute tut mir zumindest den Gefallen und nennt den nächsten Teil nicht Robin Hood 2 – das ist stillos!
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 21. Mai um 20:30 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz K20 · Kostenfaktor: 8,50 Euro
Wie schon Obsession und Flammenbrut gehört auch der Voyeur zu einer Gruppe sehr psychologisch ausgerichteten Krimis.
Der Hauptberufliche Einzelgänger und nebenberufliche Galerist Donald begehrt nicht nur erotische Kunst, sondern nach einem zufälligen Schlüsselereignis zusehends auch seine junge Assistentin Anna. Anders als der sprunghafte Frauenheld Zeppo ist er jedoch nicht an kurzfristigen Abenteuern und rein körperliche Nähe interessiert – er möchte die schöne Anna ganz und gar vereinnahmen, sie besitzen. Ein Plan, dem Annas Freund natürlich im Wege steht, so dass sich Donald und Zeppo zusammentun, das glückliche Paar zu trennen.
Der Voyeur ist das erste von Simon Beckett geschriebene Buch und wurde bereits 1994 unter dem Titel Galerie der Verführung in Deutschland veröffentlicht. Nach dem nun aufgekommenen Hype um den Autor und den Erfolg der beiden Bücher außerhalb der Hunter-Reihe war die Neuauflage unter einheitlicher Flagge sicher schon alleine ein wirtschaftlicher Selbstläufer.
Seine Vielseitigkeit stellt der Autor mit diesem Buch erneut deutlich unter Beweis. Wieder einmal ist ungewöhnliche Besessenheit das bestimmende Thema, aber durch die ganz andere Perspektive – der Voyeur ist selbst der Erzähler – und durch die abweichende Intention des Protagonisten unterscheidet es sich dennoch gleichzeitig stark von Becketts anderen Büchern. Stil und Sprache sind, verglichen mit den späteren Erscheinungen, auf bekannt hohen Niveau.
Die Erinnerung daran, dass Anna noch ein Privatleben hatte, von dem ich nichts wusste, war schmerzhaft. Ich sagte mir, dass es unrealistisch war, etwas anderes zu erwarten, und dass es keine Rolle spielte, solange unsere Beziehung dadurch nicht beeinträchtigt wurde. Trotzdem nagte die Eifersucht an mir. Ich wollte nicht, dass sie andere Menschen als uns traf. Ich wollte sie exklusiv besitzen.
Die spannende und kurzweilige Geschichte macht Spaß und ist schnell gelesen. Auf der Suche nach Kritikpunkten könnte man das schnelle und nicht arg überraschende Ende anführen. Aber meine Güte, nicht immer muss es auf den letzten Seiten eine Hunderachtziggraddrehung geben – das wäre ja auch wieder langweilig.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Voyeur”, orig. “Fine Lines” von Simon Beckett · Gelesen im April 2010 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: neu aus dem Buchladen
“Jetzt in dreideh!”. Kaum ein Trailer der letzten Monate hat auf diesen Satz verzichtet und dennoch hatten mich Avatar & Co. bisher nicht locken können. Jetzt wollt’ ich es aber mal wissen und habe mir den Kampf der Titanen in dieser neuen Form angeschaut.
Als kurzes Urteil: Muss man nicht machen.
Möglicherweise ist die Umsetzung in diesem Streifen ja nur nicht ideal, vielleicht ist er für 3D nicht wirklich gedacht, aber eventuell ist der Hype um dreidimensionales Kino ja auch schlicht übertrieben. Aus welchem Grund auch immer konnte mich die visuelle Leistung nicht überzeugen und wäre auch in zweidimensionalen Maßstäben nicht wirklich klasse gewesen. Zusammen mit der kitschig-albernen Story verkommt das Kinoerlebnis zu einem überteuerten Abenteuer.
Bleibt zu hoffen, dass die 3D-Panik in Hollywood nicht auf Dauer zu Lasten der Qualität geht. Sicher gibt es gut für die neue Technologie geeignete Konzepte und Geschichten, aber auf Teufel komm raus und erst im Rahmen der Postproduktion bitte nicht.
Bewertung: 1 von 5 Sternchen · Gesehen am 19. April um 20:45 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 2, Platz H15 · Kostenfaktor: 11,00 Euro
Am väterlichen Küchentisch bricht die junge Physikerin Emma mit Nasenbluten zusammen. Das Krankenhaus erreichen die zwei nicht mehr, denn noch an der Haustür wird sie zur Zielscheibe einer Shotgun und stirbt in den Armen von Mel Gibson (Signs, Der Patriot, Payback).
Was sich hier nach Spoiler anhört und actionreich daher kommt, verrät nicht viel und ist im Trailer bereits zu erahnen. Leider passiert dann eine ganze Weile auch gar nichts mehr.
Vergleichen lässt sich Auftrag Rache mit einer schlecht belegten, mittelmäßigen Pizza: An manchen Stellen sammeln sich die Leckerlies, während über weite Strecken kaum ein schmackhaftes Stück Salami zu finden ist.
Ebenfalls um Rache und den (drohenden) Verlust der eigenen Tochter geht es im Streifen 96 hours mit Liam Neeson. Wenn man diese Pizza kennt, dann lässt man von der Tiefkühl-Fassung des Casino Royale-Regisseurs Martin Campbell lieber die Finger.
Bewertung: 2 von 5 Sternchen · Gesehen am 23. März um 20:20 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Alex · Saal 3, Platz C9 · Kostenfaktor: 6,50 Euro