26 Apr

Mit Hanteln durch den Wald

fiDeisterKarfreitag

Warum laufen zwei Leute mit großen Trekkingrucksäcken voller Kissen, Hanteln und Wasserflaschen durch das lokale Bergland? Weil sie sich im Trainingslager befinden!

Bereits im letzten Jahr habe ich meinen Sommerurlaub nördlich des Polarkreises geplant und fünf Wochen – ich kann das gar nicht oft genug schreiben: fünf Wochen! – Urlaub angemeldet. Was ursprünglich als Solotour angedacht war, machen wir jetzt zu zweit und ich freu mich schon seit Jahresanfang auf den August. Wir werden erst den schwedischen Padjelanta-Nationalpark erkunden (mit 1984 km² einer der größten Europas) und anschließend wahrscheinlich Stockholm und Malmö besuchen. Das bebilderte Reisetagebuch werdet Ihr hier natürlich zu sehen bekommen.

Jetzt sind aber erst noch ein paar Vorbereitungen zu treffen und solange stehen immer mal wieder Probetouren mit steigendem Anspruch an, denn gut zwanzig Kilo tragen sich leider nicht von alleine.

20 Apr

Buch: Die Handschrift des Todes

Stichworte: , , 5 Kommentare

Wie mittlerweile üblich lassen sich aufkommende Autoren auf dem Cover Ihrer neuen Werke immer gerne von etablierten und angesehenen Kollegen in den höchsten Tönen loben und preisen, und diese Kollegen machen da gerne mit – wahrscheinlich kennt man sich oder schreibt für den gleichen Verlag. Anders kann ich mir nicht erklären, warum Die Handschrift des Todes mit solchen Lorbeeren versehen und weiterhin in der Bestsellerliste ist.

Gut, den Erwartungen entsprechend ist es ein handwerklich ansprechend aufgebauter und gut geschriebener, relativ blutarmer Krimi. Das Cover ist verkaufswirksam hochwertig und der Titel reißerisch (hat aber wenig mit dem Inhalt zu tun).
Leider vergibt der Autor John Verdon das Potential der Geschichte sehr fahrlässig. Der große Aufhänger und das scheinbar Mysteriöse des Buchs ist eine ziemliche Luftnummer und wird in einer gefühlten halben Seite lieblos aufgelöst, bevor dann trotz offensichtlicher Täterenttarnung fleißig weiter ermittelt wird.

Die Geschichte hätte ohne größere Verluste auf bedeutend weniger Papier gepasst, ließt sich an vielen Stellen dann aber so, dass der Ermittler als Serienheld eingeführt werden soll. Müsste ich dann aber nicht weiter verfolgen.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
“Die Handschrift des Todes”, orig “Think of a Number” von John Verdon
Gelesen im April 2011 · Lesezeit: vier Wochen
Quelle: Geburtstagsgeschenk

19 Apr

Film: World Invasion – Battle L. A.

“Ich will lieber nach Afghanistan!”, meint der schwarze Marine, als er im Truppen-Helikopter an eine Front und zu einem Gegner geflogen wird, den zu bekämpfen er nie gelernt hat. Es sind weder Taliban noch Al-Qaida, denen er sich in den Weg stellen soll, sondern Wesen aus dem All, die in den Straßenzügen von Los Angeles wüten und Stadt und Bewohner in Schutt und Asche legen.

Wie jeder ordentliche Alien-Kriegsfilm, startet auch Battle L. A. erst einmal mit viel Frieden – hier sind es Bilder vom Strand, die Vorbereitungen einer Hochzeit. Auch das obligatorische, vereinsamte und eigenbrödlerische Urgestein ist vorhanden: Ein Sergeant (Aaron Eckhart, The Dark Knight), der den großen Kampf dann doch seiner Pensionierung vorzieht und mit einer kleinen Einheit alles zum Guten wenden will.

Die Bilder sind dokumentatorisch gedreht, wackeln wie wild und machen einen zu Beginn etwas kirre. Markige Sprüche dürfen natürlich nicht fehlen, sind aber arg dick aufgetragen und wollen so cool sein, dass sie schon wieder nicht cool sind. Ansonsten hat man mit Battle L. A. einen Army-Werbefilm gesehen, den man nach ein paar Tagen schon gar nicht mehr richtig von Independence Day, Skyline, Monsters & Co. wird abgrenzen können, denn die Handlung ist universell wie vorhersehbar und die Darsteller (mit dabei ist auch die kleine Kampfamazone, die immer eine kleine Kampfamazone in solchen Filmen spielt) muss man nicht unbedingt erwähnen.

Mit den zwei Bierchen des Cinemaxx-Männerabends in der Hand ist das ganze sehrbar, aber nun wirklich kein Meisterwerk.
Übrigens: Klasse, dass das Kino so spendabel ist und zwei Flaschen zum Preis von einer verkauft, der dann aber so hoch ist, dass man eigentlich drei bekommen müsste.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
Gesehen am 13. April um 20:00
im Cinemaxx Hannover Raschplatz · Saal 4, Platz G23
Kostenfaktor: 10,00 Euro

25 Mrz

Zwitscherschwachsinn

Twitter

Vor ein paar Jahren habe ich mich bei twitter angemeldet. Musste ja sein, denn twitter war modern und innovativ und sowieso ein Muss. Nach einer Woche des sporadischen Mitlesens hatte sich mir der Sinn aber noch immer nicht erschlossen und der Account verstaubte. Jetzt hatte ich ihn wiederbelebt, ein paar belanglose Tweets in das Grundrauschen um Erdbeben, Atomkraftwerke und Eisbärenableben geschickt, werde gefollowert und followere selbst.
Totaler Blödsinn. Meine Aktivitäten werde ich wieder einstellen und die völlig verbugte und vermurkste Twitter-App vom iPhone schmeißen.

Mich interessiert nun wirklich nicht, wie sich die Darmwinde fremder Menschen entwickeln, wer wann was zu essen vorgesetzt bekommt, ob bald Wochenende oder schon wieder bald Wochenende ist, ob es in Berlin regnet oder Ihr Euren Zug verpasst habt. Es ist mir egal, ob Euer Chef doof, Euere Freundin müde oder der Hamburger lecker ist. Muss ich wissen, wie der Kerl, der Dir im Bus gegenüber sitzt ausschaut, dass er stinkt und ein Foto von seiner Glatze haben? Relevante Nachrichten müssen für mich in der Regel länger als 140 Zeichen sein, die selbstverliebte Darstellung bekannter Blogger mit Urlauten im Namen waren schon nach zwei Tagen nicht mehr auszuhalten und das volksnahe Getue von B-Prominenten lockt doch den letzten BILD-Leser nicht mehr hinterm Ofen vor.

Nahezu alles, was ich in der Zeit gelesen habe war das Getippe nicht Wert oder das getippe nicht werte Werbung. Leute, nehmt es mir nicht übel, ich schau auf Euren Seiten vorbei, habe zahlreiche von Euch im Feedreader, aber Twitter lege ich wieder zu den Akten.

13 Mrz

Film: Der Plan

Nachdem der Trailer irgendwann mal im Kino lief, hatte der Film Der Plan von George Nolfi mein zwiegespaltenes Interesse geweckt: Einerseits suggeriert er einen spannenden und intelligenten Verschwörungs-Thriller und andererseits klaut er meine Lieblingsfilmmusik aus John Murphys Sunshine, um sie mit sehr billig anmutenden Schriftschnitten zu kombinieren.
Um nun zu wissen, was sich dahinter verbirgt, und weil Matt Damon seit True Grit einen Stein bei mir im Brett hat, haben wir uns das dann mal aus der Nähe angeschaut:

Damon spielt den erfolgreichen Kongressabgeordneten David Norris, der bei einer Wahlkampfveranstaltung die geheimnisvolle Elise (Emily Blunt, Der Teufel trägt Prada) kennen und spontan lieben lernt. Der vorgefertigte und von übermenschlichen Kräften regulierte Plan für Davids Leben sieht diesen Ausreißer jedoch nicht vor, so dass eine Kurskorrektur durch Wesen mit Hut erforderlich wird.

Erwartet habe ich jetzt, wie ja schon geschrieben, so einen Hauch von Matrix oder eine erwachsene Version dieses Kinderfilms, auf dessen Namen ich partout nicht mehr komme (kleines Mädchen, viele gruselige, rauchende und schwarz gekleidete Männer mit Hüten, wer kann helfen?). Bekommen habe ich eine Romanze, deren Spannungsbogen eher durch Beziehungsprobleme, denn durch übersinnliche Kräfte bestimmt ist und bei der Glaubwürdigkeit und Handlungstiefe auf gleich schwachem Niveau hängen. Als lose Grundlage wird die 1954 von Philip K. Dicks veröffentlichte Kurzgeschichte Adjustment Team genannt, das meiste Füllwerk kommt aber wohl aus Nolfis (Ocean’s Twelve) Feder.

Was bleibt? Nun, ein wenig Spekulation über Schicksal, Selbstbestimmung und Zufall, ein neues – und der aktuellen Axe-Kampagne nicht entsprechendes – Bild von engelsgleichen Wesen und der Beweis, dass Matt Damon doch zu keinem Garant für gute Filme geworden ist.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
Gesehen am 09. März um 20:00
im Cinemaxx Hannover Raschplatz · Saal 10, Platz D13
Kostenfaktor: 9,00 Euro

11 Mrz

Logo da, Logo da, trallala!

Yea! Endlich geschafft. Ich präsentiere: derhenry!
Mit der Bitte um Beurteilung.
Verwendung folgt.

02 Mrz

Film: The King’s Speech

Stichworte: , , 9 Kommentare

Albert stottert seit jüngster Kindheit und Reden vor größerem Publikum sind für ihn der blanke Horror. Dumm nur, dass gerade das zu den Hauptaufgaben eines repräsentativen Monarchenhauses gehört und Albert der Zweitgebohrene von Georg V., dem König Großbrittaniens ist. Noch dummer ist es, wenn der als eigentlicher Nachfolger des Vaters vorgesehene Bruder vor seiner Aufgabe wegläuft, der Rundfunk im Lande gerade modern wird und durch Hitlers Aktivitäten erhöhter Redebedarf besteht.
Unterstützung findet der leidende zukünftige König (Colin Firth, A single man, Mamma Mia!, Bridget Jones) lediglich in seiner Ehefrau und dem unkonventionellen australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush, Fluch der Karibik).

Firth spielt den gleichzeitig stotternd und cholerischen, zwischen Hof-Protokoll und Familienleben schwankenden Adel unbestritten großartig. Sehr gut gefallen haben mir aber auch Helena Bonham Carter (Harry Potter, Alice im Wunderland) als zukünftige Königin und der kein Blatt vor den Mund nehmende Rush. Die beiden Herren sind so grundverschieden, dass fast jeder Dialog zwischen ihnen wie ein kleines Kammerspiel-Feuerwerk voller Wortwitz erscheint.

The King’s Speech bietet einen interessanten Blick hinter die Fassade eines Könighauses, ist dennoch kein staubiger Adels-Epos und zeigt uns gleichzeitig, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird.
Wir sehen einen großen König und gleichsam einen gehetzten Mann, bekommen herzliches, berührendes und witziges – guter Film!

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
Gesehen am 27. Februar um 20:10
im CineStar Garbsen · Saal 7, Platz D7
Kostenfaktor: 7,50 Euro

26 Feb

Film: True Grit

Stichworte: , 18 Kommentare

Auf den ersten Blick passt ein 14jähriges Mädchen so überhaupt nicht in die staubige, brutale und raue Kulisse eines Westerns. Aber eigentlich passe ich auch nicht zu den Verfechtern des Film-Genres. Bei True Grit ist irgendwie so manches anders.

Bei dem Mädchen handelt es sich um Mattie Ross, deren Vater bei einem Überfall feige ermordet wurde. Fest entschlossen, den Täter hängen sehen zu wollen, setzte sie ein Kopfgeld aus und engagiert den whiskey-verliebten und selbst nicht ganz gesetztreuen U.S.-Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges, Tron: Legacy, Männer, die auf Ziegen starren) – die Jagt durch die Weite der Prärie beginnt.

Es scheint, als ob die burschikose Mattie irgendwann ihre Milchzähne verloren und gleich darauf mit Haaren versehenden Ersatz bekommen hat. Zwischen den harten Jungs wirkt sie nur selten zerbrechlich und in der Regel gibt sie gar den Ton an. Insgesamt erinnert das ungleiche Duo mich immer wieder leicht an Léon der Profi und Neuentdeckung Hailee Steinfeld könnte hier, wie einst Natalie Portman, den Grundstein einer erfolgreichen Karriere gelegt haben.

Für Matt Damon (Departed, Bourne) muss ich an dieser Stelle über meinen Schatten springen: Gehört er doch nicht gerade zu meinen Lieblingsschauspielern, gibt er den blasierten harten Texas-Ranger mit dem weichen Kern grandios.

Mit The Big Lebowski, No Country for Old Men und Burn After Reading haben die Coen-Brüder schon so manches Meisterwerk voller Exzentriker und schräger Typen auf die Leinwand gebracht. Die Neuauflage des John-Wayne-Klassikers Der Marschall (1969) reiht sich hier blendend ein, scheint aber gleichzeitig der bisher massentauglichste und somit finanziell erfolgreichste Film von ihnen zu werden. Das Vabanquespiel zwischen vergilbter Klassik von gestern und albernen Marlboro-Kitsch entscheiden die für Regie und Buch verantwortlichen Brüder für sich und somit für das Publikum.

Auf den zweiten Blick dann passen sowohl das Mädchen in die Kulisse als auch ich in den Kinosaal.

Bewertung: 5 von 5 Sternchen
Gesehen am 25. Februar um 19:30
im Cinemaxx Hannover Raschplatz · Saal 3, Platz F4
Kostenfaktor: 9,00 Euro

25 Feb

Killing in the rain

Böser Mann.

21 Feb

Buch: Der Todeskünstler

Doller, härter, roter. Das scheint aktuell das Motto vieler Thriller-Autoren zu sein. Über den Amerikaner Cody McFadyen hatte ich bisher nur gehört, dass seine Bücher eine Schippe brutaler und blutiger sind als bei so manchem britischen oder deutschen Kollegen. Der Selbstversuch mit dem Todeskünstler beweist es aber.

Erzählt wird knapp gesagt die Geschichte eines Mädchens, dessen Leben ein Psychopath systematisch zu zerstören versucht, indem alle von ihr liebgewonnenen Menschen tötet. Als Gegenspieler auf der Seite der Guten tritt die körperlich und psychisch selber von einem vorangegangenen Fall schwer gezeichnete Ermittlern Smoky Barrett (klingt sehr nach einer Zigarettenmarke, oder?!) samt Team an.

Haben Derrick und Columbo früher einen Fall lösen und dann zur Seite legen können, sind die Ermittler zeitgemäßer Thriller stets tief in Handlung und Tätermotivation verwickelt und nicht selten selber in unmittelbarer Gefahr. So – da verrät man nicht zu viel – läuft es auch hier. Der Spannung ist es zweifelsohne zuträglich, allerdings verläuft diese sehr kurvenförmig: Packende Kapitel aus dem Tagebuch des Mädchens wechseln sich mit weniger interessanten und teilweise nicht ganz logisch erscheinenden Abschnitten aus dem Leben der FBI-Leute ab.

Insgesamt ist der Thriller etwas lang(atmig) geraten und lässt dennoch viele im Verlauf aufgeworfene Fragen unbeantwortet und wie erwähnt, hätten für meinen Geschmack einige Szenen weniger bildlich beschrieben werden müssen

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Der Todeskünstler”, orig “The Face of Death” von Cody McFadyen
Gelesen im Februar 2011 · Lesezeit: zwei Wochen
Quelle: geliehen

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