Buch: Ausgebrannt
Es gibt Bücher – und darunter sind durchaus auch jene, die man positiv bewertet -, die interessiert zur Kenntnis genommen, dann aber ebenso schnell wieder vergessen werden. Und dann gibt es andererseits welche, die einen aufgrund von Thematik, die beschriebenen Personen oder ihre Aktualität so ansprechen, dass sie einem auch präsent bleiben nachdem sie wieder im Bücherregal verschwinden. Ausgebrannt zählt für mich definitiv zur zweiten Kategorie. Der Autor Andreas Eschbach erzählt nicht einfach die Geschichte einiger Individuen aus Deutschland, den USA und aus Saudi Arabien, sondern bringt zahlreiche Fakten und wissenschaftliche Tatsachen rund um die Themengebiete Erdölindustrie, Wirtschaft und Politik ein. Gute Recherche, Fiktion und Roman, die Kombination hat beispielsweise bei Der Schwarm bereits klasse funktioniert und auch dort wurde ein für Ottonormalverbraucher fachlich weitestgehend unbekanntes Terrain betreten.
Hat er es vor der Lektüre vielleicht schon geahnt, so wird dem Leser von Seite zu Seite stärker bewusst, wie abhängig die westliche Zivilisation vom Erdöl und somit von den das schwarze Gold exportierenden Ländern ist. Das Zeug wird nicht nur für Verbrennungsmotoren benötigt – da kommt jeder drauf. Nein, auch Kleidung und Kunststoffe, Düngemittel und Pestizide sind ölbasierend. Reinigungsmittel und selbst Medikamente gibt es ohne Erdöl fast nicht mehr. Kurzum: Das Versiegen sämtlicher Quellen würde uns von jetzt auf gleich zurück ins achtzehnte Jahrhundert beamen, Börsenmakler und Informatiker würden verhungern und die Menschheit unterscheidet nur noch zwischen Jägern und Sammlern. Unschön also.
Somit ist es nicht irgendein unrealistisches Monster, das in dem Buch lauert, sondern eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis uns der “Öl-Peak” ereilt (sofern er noch nicht unbemerkt eingetreten ist) und dadurch ein wirklich nachdenklich stimmender Wirtschaftskrimi. Thriller, wie es auf dem Cover gedruckt steht, würde ich ihn übrigens trotz aller Dramatik und Tragweite nicht nennen wollen.
Obwohl es zahlreiche räumliche und zeitliche Sprünge und einen guten Stapel an Einzelschicksale gibt, bleibt der Ablauf strukturiert und wird an keiner Stelle unübersichtlich. Die Spannung kann weitestgehend auf einem hohen Niveau gehalten werden und die dichte Atmosphäre leidet lediglich zum Ende hin ein wenig unter sehr turbulenten und nicht immer nachvollziehbaren Wendungen. Sollte man lesen!
Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Ausgebrannt” von Andreas Eschbach
Gelesen im Januar 2011 · Lesezeit: zwei Wochen
Quelle: geliehen
Bewertung: 3 von 5 Sternchen
Bewertung: 5 von 5 Sternchen
Bewertung: 2 von 5 Sternchen