Stichwort: Buch

15 Apr

Buch: Obsession

Weltweiten Erfolg kann Simon Beckett seit seiner Serie der David Hunter-Romanen feiern. Bereits Jahre zuvor veröffentlichte er auf seiner britischen Heimatinsel dieses Buch, das nun auch den Weg in deutsche Regale geschafft hat – sinnvoller Schachzug des Verlages, Glück für die Leser.
Einerseits findet man bereits Parallelen im Schreibstil Becketts, andererseits untescheidet sich das Buch doch auch wieder stark von Chemie des Todes und Kalte Asche. Während letztere auch wahre Thriller sind, bin ich mir bei Obsession nicht wirklich sicher. Ich würde es fast eher als Drama einordnen.

Spannend ist die Geschichte um einen Vater, der um seinen autistischen Stiefsohn kämpft allemal. Untermauert wird diese durch tolle Charakterisierungen der Protagonisten, Einblicke in die Welt einer kaum erklärten Krankheit und eher psychologischen und ethnischen Fragestellung, denn mit anthropologischen Schilderungen. Ein Buch voller Obsessionen!

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Obsession”, orig. “Owning Jacob” von Simon Beckett
Gelesen im April 2009 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: neu aus dem Buchladen

03 Apr

Buch: Unverstanden

Für sieben Euro kann man sich entweder eine Kinokarte oder dieses kleine Büchlein von Karin Slaughter kaufen. Mit beidem hat man einen Abend Unterhaltung – nicht länger. Nachdem ich vor geraumer Zeit Belladonna, Vergiss mein nicht und Dreh Dich nicht um verschlungen habe, bin ich nun beim Buchdealer meines Vertrauens über den schwarzen 160-Seiten-Winzling gestolpert.
Erzählt wird die Geschichte des Alltags-Looseres Martin, dessen Höhepunkt seines Lebens voller Schikanen, Sticheleien und Gemeinheiten jener Tag ist, an dem er zum Hauptverdächtigen bei den Ermittlungen zu einem Tötungsdelikt wird.

Wer auf der Suche nach einem kompakten Bahnfahrerbüchlein in sechs Akten ist, dem möchte ich es natürlich nicht ausreden, aber um einen Thriller handelt es sich definitv nicht. Diese Bezeichnung muss jemand auf das Cover gedruckt haben, der ihre Grant-County-Romane kennt. Ich für meinen Teil habe wahrscheinlich nur Jeffrey & Sara vermisst.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
“Unverstanden”, orig. “Martin Misunderstood” von Karin Slaughter
Gelesen im April 2009 · Lesezeit: ein Tag
Quelle: neu aus dem Buchladen

02 Apr

Buch: Der Wächter

Manchmal bekommt man die Katze im Sack. Das ist bei vielen Dingen im Leben so – und bei spontan gekauften Büchern oft nicht anders. Meine aktuelle Beute vom “schwarzen Brett” des Büros war dieser Roman von Dean Koontz. Ein mir zwar bekannter, in meinem Bücherregal jedoch zuvor noch nicht vertretender Autor. Aus der Vorstellung einen spannenden aber weltlichen Kriminalroman erworben zu haben, wurde dann die Erkenntnis eine spannende und leicht übernatürliche Geschichte, quasi einen Fantasykrimi zu lesen. Sei’s drumm – gefallen hat er und unerwartete Handlungen sind ja schließlich erfrischend.

Erzählt wird ein Ausschnitt aus dem Leben des Sicherheitschefs Ethen Truman, dessen Aufgabe es ist, einen erfolgreichen Kino-Star samt Sprösling zu beschützen. Natürlich gibt es da – wie sollte es anders sein – Gegenspieler, Hindernisse und ein Rennen auf Leben und Tod.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Der Wächter”, orig. “The Face” von Dean Koontz
Gelesen im März 2009 · Lesezeit: knapp zwei Wochen
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

26 Mrz

Habt Ihr schon ein eBook?

Stichworte: , 8 Kommentare
Kindle

Technik finde ich spitze. Selbst elektronisches Spielzeug mit eher eingeschränktem Nutzen habe ich nicht selten vor der richtigen Marktdurchdringung (so sie denn überhaupt folgte) überteuert erworben. Alledings lese ich auch gerne und viel. Nachrichten häufig am iPhone, Newsletter und Artikel am Rechner. Aber: Romane, Krimis und Thriller in Buchform.

Und genau bei diesem Medium stehen wir – glaubt man Amazon, Sony & Co. – am Rande einer Revolution. Gut, diese eBooks werden bereits seit gefühlten fünf Jahren gefeiert und bei Technik- und Büchermessen als ausgereift vorgestellt, aber jetzt sollen diese Dinger doch tatsächlich den Weg in den Massenmarkt finden.

Wird ja auch Zeit: Endlich kann ich 200 ungelesene Bücher inklusive Netzteil mit mir rumschleppen, darf auf den Akkustand meines kontrastarmen Romans achten, mich ärgern wenn ich ihn aus der Hand fallen lasse und er zerbricht. Endlich kann ich mein Buch nicht mehr mit an den Strand nehmen, sondern muss es vor Sonne, Sand, Salz, Feuchtigkeit und Dieben schützen. Endlich brauche ich mein Buch nicht weiterverschenken oder verkaufen – wofür gibt es DRM? Endlich steht nichts mehr im Regal rum und riecht beim Blättern angenehm nach Druckerschwärze. Endlich spare ich bei Thalia die Versandkosten, wenn ich mir Stephen Kings “Wahn” für 20,95 EUR kaufen kann und brauche nicht nur 9,95 EUR zahlen.
Ihr seht schon, ich freue mich auf dieser Wunder nutzloser Technik wie bekloppt. Während die CD bei ihrer Einführung einige Vorteile gegenüber der Langspielplatte hatte, können Kindle und seine Geschwister kaum etwas besser als das Buch. So lange ich die komplette Bandbreite aktueller Literatur in meiner Buchhandlung um die Ecke auf schönem – gerne auch chlorfrei gebleichten – Papier zu normalen Preisen bekommen kann, werde ich mir kein eBook-Dingsbumms zulegen! Das verspreche ich. Wie sieht das bei Euch aus?

Artikelbild: Amazon

20 Mrz

Buch: Es

Stichworte: , 5 Kommentare

Nachdem man die letzte der elfhundert Seiten umgeschlagen und das Buch aus der Hand gelegt hat, überfällt einem ein seltsames Gefühl. Bezeichnet man dieses als Leere, so ist es sicher etwas übertrieben, immerhin handelt es sich nur um einen Papierstapel. Dennoch geht dieser, für den Moment letzten Berührung mit Stephen Kings Meisterwerk eine in der Regel tagelange Beschäftigung mit dem Städtchen Derry, seinen interessanten Einwohnern und seiner geheimnisvollen Geschichte voraus. In dieser Geschichte geht es um mehr als nur um Horror. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt und Mut.

Die bis ins Detail charakterisierten Protagonisten mit ihren Ecken und Kanten bieten wahrlich jedem Leser die Möglichkeit der Identifikation. Da wären der stotternde Bill, dessen Bruder ermordet wurde und der seither von seinem Eltern vernachlässig wird, sowie der dicke und strebsame Ben. Eddie ist Asthmatiker, Beverly lebt in Armut – er wird von seiner Übermutter erdrückt, sie von ihrem Vater geschlagen. Die Brillenschlange Richie hat eine große Klappe, die ihm oft zum Verhängnis wird. Stan ist Jude, Mike ist schwarz – beide leiden unter Vorurteilen aufgrund von Religion und Hautfarbe.

Die sieben Außenseiter schließen sich in jungen Jahren zum “Club der Verlierer” zusammen und nehmen gemeinsam den Kampf gegen den Alltag, die Straßengang um Henry Bowers und schließlich gegen “Es” auf. Sie wachsen zusammen, erkennen ihr Potential als mächtige Einheit und sind somit in der Lage, sich gegen einen Kontrahenten zu stellen, der einem Einzelnen den Verstand rauben würde und dessen bevorzugte Beute sie als Kinder nun einmal sind. Und in genau diesem Club findet sich der Leser als achtes Mitglied wieder – spätestens, wenn nach 27 Jahre alle erneut aufeinandertreffen, um das, was etwa jedes viertel Jahrhundert über Derry herzieht, endgültig zu bekämpfen.

Stephen Kings Werk aus dem Jahr 1986 ist kein Lesen-und-Vergessen-Buch, sondern bleibt vermutlich lange in Erinnerung. Sehr empfehlenswert!

Bewertung: 5 von 5 Sternchen
“Es”, orig. “It” von Stephen King
Gelesen im Februar 2009 · Lesezeit: fünf Wochen
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

16 Feb

Buch: Sunset

Kurzgeschichten-Bände haben einen besonderen Reiz. So sind die einzelnen Erzählungen abgeschlossen, experimentell und meist in einer Straßenbahnfahrt zu lesen. Auch der ansonsten eher für ausschweifende Erzählungen und seinen hohen Holzverbrauch bekannte King muss bei Kurzgeschichten auf den Punkt kommen. Allerdings heftet solchen Büchern oft auch der Ruf an, schnell und lieblos zusammengeschustert zu sein und das letzte aus den Werken bekannter Autoren heraussaugen zu wollen, wenn die einzelnen Geschichten nicht wirklich neu, sondern bereits anderswo erschienen sind.

Gehört man aber nicht gerade zu den Abonnenten amerikanischer Blätter wie Playboy oder Esquire, so hat man mit Sunset Neues vor sich und ist gut unterhalten – jedoch wenig gegruselt. Die Mischung der Themen und Stile ist gut gelungen, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen Epochen liegt: Während “Die Höllenkatze” bereits aus dem Jahr 1977 ist, sind andere Geschichten erst ein, zwei Jahre alt. Einflüsse rund um die Geschehnisse des 11. Septembers 2001 werden an mehreren Stellen deutlich.
Entgegen vieler anderer Meinungen finde ich “N.” übrigens nicht so wahnsinnig klasse, sondern war vom “Pfefferkuchen-Mädchen” mehr angetan.
Im Anhang finden sich ein paar Seiten mit interessanten Anmerkungen von King.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Sunset”, orig. “Just After Sunset” von Stephen King
Gelesen im Januar 2009 · Lesezeit: zwei Wochen
Quelle: Weihnachtsmann

15 Jan

Buch: Vater unser

Hm, also aufmerksam wurde ich auf dieses Buch durch die ziemlich hohe Platzierung auf der Bestsellerliste meiner Buchhandlung und der Suche nach der Antwort, was man mir zu Weihnachten schenken könnte. Somit habe ich mich auf den Klappentext und irgendein zitiertes Lob verlassen und einen spannenden Thriller erwartet. Das ist “Vater unser” nicht.
Wahrscheinlich ist das Werk wahnsinnig fesselnd, wenn man plant, zukünftig bei der Staatsanwaltschaft in Lohn und Brot zu stehen oder auf andere Gerichtsromane abfährt. Mich interessieren unnötig detailliert beschriebene Verhandlungsstrategien jedoch relativ wenig und somit hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

Neben der unoriginellen Handlung bleiben die Charaktere, trotz spürbarer Bemühungen von Jilliane Hoffman, stumpf und unnahbar und Erzählweise und Schreibrhythmus sind stellenweise irgendwie seltsam. Letzteres mag auch an der Übersetzung liegen, der Handlungsverlauf jedoch liegt in der Verantwortung des Autors, ist hier leider zu sehr vorhersehbar und findet dann doch ein zu plötzliches Ende.
Das riecht deutlich nach dem Versuch einen Fortsetzungsroman anschließen zu lassen – ich bin da dann aber nicht mehr bei.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
“Vater unser”, orig. “Plea of Insanity” von Jilliane Hoffman
Gelesen im Januar 2009 · Lesezeit: zwei Wochen
Quelle: Weihnachtsmann

05 Jan

Buch: Der Schwarm

Seltsame Vorkommnisse auf und in den Weltmeeren wachsen zu einer ernsten Bedrohung für die Menschheit heran. Wale, Krebse und Tiefseewürmer legen ein geheimnisvolles Verhalten an den Tag, das Wissenschaftler und Geheimdienste Rätsel aufgibt.

Knapp eintausend eher klein, als groß bedruckte Seiten sind eigentlich immer erst einmal eine starke Barriere für mich. Normalerweise scheue ich die Kontaktaufnahme mit solchen Schinken, die erfahrungsgemäß zu detailverliebt oder gänzlich langweilig daher kommen. Aus diesem Grund hatte ich bisher auch einen Bogen um “Der Schwarm” von Frank Schätzing gemacht. Zu Unrecht, wie ich jetzt eingestehen muss. Denn, obwohl sich auch hier an vielen Stellen stark kürzen ließe, verbindet der Autor wissenschaftliche Fakten, gängige Theorien und eine fiktive Story so gelungen, dass der Umfang relativ gerechtfertigt ist. Obgleich die Rahmenhandlung ziemlich schnell erkennbar wird, sorgen teilweise skurile Wendungen für fortwehrende Spannung und lassen somit etwas stockende Phasen vergessen machen.

Dem Werk müssen eine wahnsinnige Recherchearbeit und ein ausgeprägter maritimer Faible zugrunde liegen. Bringt der Leser nur ein wenig Interesse für das Thema auf, wird ihm die Lektüre Spaß machen. Wenn ihm dann nebenbei noch die Augen für die Schönheit und Verwundbarkeit unserer Umwelt geöffnet werden, ist der Gewinn noch bedeutender.

Umso mehr sich das Buch dem Ende neigt, desto mehr Hollywood-Elemente schleichen sich in die ansonsten weitestgehend beschaulich beschriebene Handlung. Aber auch das tut der Unterhaltung keinen Abbruch und gab Schätzing letzten Endes wahrscheinlich die Möglichkeit, das Werk an Paramount zwecks Verfilmung zu vertreiben. Ende 2010 soll der Streifen dann in die Kinos kommen. Die Lektüre sei also eindringlich vor dem Kinobesuch empfohlen – Ihr habt ja noch Zeit.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Der Schwarm” von Frank Schätzing
Gelesen im Dezember 2008 · Lesezeit: fünf Wochen
Quelle: geliehen

26 Nov

Buch: Schuss ins Schwarze

Was ist die Ursache dafür, dass ein Schwarzer im Rahmen eines nächtlichen Polizeieinsatzes ums Leben kommt? Steckten Fremdenhass und Vorurteil, gar eine Verschwörung dahinter, oder war es lediglich eine Verstrickung ungünstiger Umstände, ein Unfall? Dieser Frage gehen der toughe Privatermittler Strange und der nicht minder ruppige, aber nach besagten Einsatz dienstmüde Ex-Cop Quinn nach.

Spannend und mit wenigen Schwachstellen erzählt der Autor Pelecanos seine im muffigen, dreckigen und feindlichen Washington D. C. spielende Kriminalgeschichte und thematisiert dabei sehr stark und vielschichtig den vorherrschenden Rassismus des Landes.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Schuss ins Schwarze”, orig. “Right as Rain” von George P. Pelecanos
Gelesen im November 2008 · Lesezeit: eine gute Woche
Quelle: geliehen

17 Nov

Buch: Der Buick

Der Buick ist nicht von dieser Welt. Unschuldig und schön steht er in einem alten Schuppen nahe eines Polizeireviers – doch in unregelmäßigen Abständen zeigt er, was in ihm steckt. Genauso verhält es sich mit diesem Buch. Lange Strecken mit toller Erzählung wechseln sich mit kurzen, aktiongeladenen Sequenzen ab.

Eigentlich sind die Worte des erfahrenden Sergeant an den jungen Trooper Ned gerichtet. Doch die Berichte über die Eigenarten des Fahrzeuges zogen mich stellenweise so in den Bann, dass ich mich selber auf der Raucherbank hinter der Wache sitzen und mit den Kollegen plaudern sah. Nach und nach erzählen alle aus ihrer ganz eigenen Sicht von den Merkwürdigkeiten, die einen großen Stellenwert in ihrem Leben eingenommen haben.

Auch mit dem Buick hat Stephen King eines seiner ruhigeren, aber keineswegs schlechteren Bücher veröffentlich. Horror sucht man vergeblich, Paranormalität und vor allem erstklassiges Schreiberhandwerk sind hingegen seitenweise vorhanden.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Der Buick”, orig. “From a Buick 8″ von Stephen King
Gelesen im November 2008 · Lesezeit: zwei Wochen
Quelle: geliehen

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