Stichwort: Drama

16 Mai

Film: Wasser für die Elefanten

Hinterhältig grinsen und dann mit irgendeiner Gemeinheit daher kommen – Christoph Waltz (Inglourious Basterds) in seinem Element. Auch in Wasser für die Elefanten spielt er einen machtbesessenen Bösewicht und die Rolle des Zirkusdirektors, der herrisch über seine kleine Welt samt Frau bestimmt, passt wie Faust auf Auge. Auch zwei weitere Darsteller können in dieser Dreißigerjahre-Geschichte überzeugen: Robert Pattinson (Twilight) und Reese Witherspoon (Walk the line, Natürlich Blond) in verbotener Liebe und Wanderzirkus-Romantik.

Der Film, dessen Drehbuch aus der Feder von Genre-Kenner Richard LaGravenese (Pferdeflüsterer, P.S. Ich liebe Dich) stammt, ist aber alles andere als eine langweilige Heile-Welt-Geschichte und bleibt kontinuierlich spannend. Schöne Bilder werden mit intelligenten Dialogen kombiniert und mit der richtigen Portion Rührseligkeit vermengt. Doch, der Film ist durchaus empfehlenswert.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
Gesehen am 13. Mai um 20:15
im CineStar Garbsen · Saal 5, Platz B12
Kostenfaktor: 9,00 Euro

13 Mrz

Film: Der Plan

Nachdem der Trailer irgendwann mal im Kino lief, hatte der Film Der Plan von George Nolfi mein zwiegespaltenes Interesse geweckt: Einerseits suggeriert er einen spannenden und intelligenten Verschwörungs-Thriller und andererseits klaut er meine Lieblingsfilmmusik aus John Murphys Sunshine, um sie mit sehr billig anmutenden Schriftschnitten zu kombinieren.
Um nun zu wissen, was sich dahinter verbirgt, und weil Matt Damon seit True Grit einen Stein bei mir im Brett hat, haben wir uns das dann mal aus der Nähe angeschaut:

Damon spielt den erfolgreichen Kongressabgeordneten David Norris, der bei einer Wahlkampfveranstaltung die geheimnisvolle Elise (Emily Blunt, Der Teufel trägt Prada) kennen und spontan lieben lernt. Der vorgefertigte und von übermenschlichen Kräften regulierte Plan für Davids Leben sieht diesen Ausreißer jedoch nicht vor, so dass eine Kurskorrektur durch Wesen mit Hut erforderlich wird.

Erwartet habe ich jetzt, wie ja schon geschrieben, so einen Hauch von Matrix oder eine erwachsene Version dieses Kinderfilms, auf dessen Namen ich partout nicht mehr komme (kleines Mädchen, viele gruselige, rauchende und schwarz gekleidete Männer mit Hüten, wer kann helfen?). Bekommen habe ich eine Romanze, deren Spannungsbogen eher durch Beziehungsprobleme, denn durch übersinnliche Kräfte bestimmt ist und bei der Glaubwürdigkeit und Handlungstiefe auf gleich schwachem Niveau hängen. Als lose Grundlage wird die 1954 von Philip K. Dicks veröffentlichte Kurzgeschichte Adjustment Team genannt, das meiste Füllwerk kommt aber wohl aus Nolfis (Ocean’s Twelve) Feder.

Was bleibt? Nun, ein wenig Spekulation über Schicksal, Selbstbestimmung und Zufall, ein neues – und der aktuellen Axe-Kampagne nicht entsprechendes – Bild von engelsgleichen Wesen und der Beweis, dass Matt Damon doch zu keinem Garant für gute Filme geworden ist.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
Gesehen am 09. März um 20:00
im Cinemaxx Hannover Raschplatz · Saal 10, Platz D13
Kostenfaktor: 9,00 Euro

02 Mrz

Film: The King’s Speech

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Albert stottert seit jüngster Kindheit und Reden vor größerem Publikum sind für ihn der blanke Horror. Dumm nur, dass gerade das zu den Hauptaufgaben eines repräsentativen Monarchenhauses gehört und Albert der Zweitgebohrene von Georg V., dem König Großbrittaniens ist. Noch dummer ist es, wenn der als eigentlicher Nachfolger des Vaters vorgesehene Bruder vor seiner Aufgabe wegläuft, der Rundfunk im Lande gerade modern wird und durch Hitlers Aktivitäten erhöhter Redebedarf besteht.
Unterstützung findet der leidende zukünftige König (Colin Firth, A single man, Mamma Mia!, Bridget Jones) lediglich in seiner Ehefrau und dem unkonventionellen australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush, Fluch der Karibik).

Firth spielt den gleichzeitig stotternd und cholerischen, zwischen Hof-Protokoll und Familienleben schwankenden Adel unbestritten großartig. Sehr gut gefallen haben mir aber auch Helena Bonham Carter (Harry Potter, Alice im Wunderland) als zukünftige Königin und der kein Blatt vor den Mund nehmende Rush. Die beiden Herren sind so grundverschieden, dass fast jeder Dialog zwischen ihnen wie ein kleines Kammerspiel-Feuerwerk voller Wortwitz erscheint.

The King’s Speech bietet einen interessanten Blick hinter die Fassade eines Könighauses, ist dennoch kein staubiger Adels-Epos und zeigt uns gleichzeitig, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird.
Wir sehen einen großen König und gleichsam einen gehetzten Mann, bekommen herzliches, berührendes und witziges – guter Film!

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
Gesehen am 27. Februar um 20:10
im CineStar Garbsen · Saal 7, Platz D7
Kostenfaktor: 7,50 Euro

15 Apr

Buch: Obsession

Weltweiten Erfolg kann Simon Beckett seit seiner Serie der David Hunter-Romanen feiern. Bereits Jahre zuvor veröffentlichte er auf seiner britischen Heimatinsel dieses Buch, das nun auch den Weg in deutsche Regale geschafft hat – sinnvoller Schachzug des Verlages, Glück für die Leser.
Einerseits findet man bereits Parallelen im Schreibstil Becketts, andererseits untescheidet sich das Buch doch auch wieder stark von Chemie des Todes und Kalte Asche. Während letztere auch wahre Thriller sind, bin ich mir bei Obsession nicht wirklich sicher. Ich würde es fast eher als Drama einordnen.

Spannend ist die Geschichte um einen Vater, der um seinen autistischen Stiefsohn kämpft allemal. Untermauert wird diese durch tolle Charakterisierungen der Protagonisten, Einblicke in die Welt einer kaum erklärten Krankheit und eher psychologischen und ethnischen Fragestellung, denn mit anthropologischen Schilderungen. Ein Buch voller Obsessionen!

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Obsession”, orig. “Owning Jacob” von Simon Beckett
Gelesen im April 2009 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: neu aus dem Buchladen

22 Mrz

Film: Slumdog Millionär

Große Wendungen und Überaschungen bringen Märchen für gewöhnlich nicht mit sich: Mord und Totschlag, eine hübsche Prinzessin und der Tod von Hexe und Wolf sind in der Regel vorprogrammiert. Und so läuft es – da nimmt man nicht wirklich viel vorweg – auch mit diesem modernen Märchen, das Danny Boyle auf die Kinoleinwände gebracht hat.
Es geht um die Geschichte des gerade volljährigen Jamal, der sich in der indischen Fassung von “Wer wird Millionär?” erfolgreich von Frage zu Frage hangelt und letztendlich einem Millionengewinn zum Greifen nahe ist. Seiner Familie gewaltsam beraubt und ohne jemals eine Schule von innen gesehen zu haben, kann er alleine aus seinen in Rückblenden erzählten tragisch-dramatischen Erfahrungen heraus die stets richtigen Antworten geben.

Beeindruckend an dieser Geschichte sind vor allem zwei Dinge. Zum Einen wird die Lizenz des durch Titelmelodie und Kameraführung seit zehn Jahren verinnerlichten TV-Formats tatsächlich eins zu eins in die ganze Welt verkauft, so auch nach Indien. Und zum Anderen – viel erschreckender – zeigt sich die dortige Welt erschütternd anders als die unsere. Der Alltag in Slums und Elend, die Gefahren durch Menschenhandel und Kriminalität stellen einen wahnsinnigen Kontrast zu den so bekannten Studioaufnahmen der Quizsendung dar und werden ungeschönt und authentisch dargestellt.

Slumdog Millionär ist zum Glück weitaus weniger kitschig und bollywoodlastig, als man befürchten könnte und wurde nicht umsonst mit acht Oskars ausgezeichnet.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
Gesehen am 21. März um 20:25
im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße · Saal 8, Platz A20
Kostenfaktor: 9,00 Euro