Ein indisches Märchen
Große Wendungen und Überaschungen bringen Märchen für gewöhnlich nicht mit sich: Mord und Totschlag, eine hübsche Prinzessin und der Tod von Hexe und Wolf sind in der Regel vorprogrammiert. Und so läuft es – da nimmt man nicht wirklich viel vorweg – auch mit diesem modernen Märchen, das Danny Boyle auf die Kinoleinwände gebracht hat.
Es geht um die Geschichte des gerade volljährigen Jamal, der sich in der indischen Fassung von “Wer wird Millionär?” erfolgreich von Frage zu Frage hangelt und letztendlich einem Millionengewinn zum Greifen nahe ist. Seiner Familie gewaltsam beraubt und ohne jemals eine Schule von innen gesehen zu haben, kann er alleine aus seinen in Rückblenden erzählten tragisch-dramatischen Erfahrungen heraus die stets richtigen Antworten geben.
Beeindruckend an dieser Geschichte sind vor allem zwei Dinge. Zum Einen wird die Lizenz des durch Titelmelodie und Kameraführung seit zehn Jahren verinnerlichten TV-Formats tatsächlich eins zu eins in die ganze Welt verkauft, so auch nach Indien. Und zum Anderen – viel erschreckender – zeigt sich die dortige Welt erschütternd anders als die unsere. Der Alltag in Slums und Elend, die Gefahren durch Menschenhandel und Kriminalität stellen einen wahnsinnigen Kontrast zu den so bekannten Studioaufnahmen der Quizsendung dar und werden ungeschönt und authentisch dargestellt.
Slumdog Millionär ist zum Glück weitaus weniger kitschig und bollywoodlastig, als man befürchten könnte und wurde nicht umsonst mit acht Oskars ausgezeichnet.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 21. März um 20:25 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle, Saskia & Sebastian · Saal 8, Platz A20 · Kostenfaktor: 9,00 Euro