Man stelle sich vor, dass niemand mehr in natura am öffentlichen Leben teilnimmt, sondern diese Aufgabe einem ferngesteuerten Roboter überlässt. Die Straßen sind menschenleer und nur noch von makellosen und faltenfreien Ersatzkörpern bevölkert. Ihre Besitzer und Lenker liegen derweil auf einer kuscheligen Ganzkörperfernbedieung in den sicheren eigenen vier Wänden – zu grenzenlosen, virtuellen und folgenlosen Risiken bereit und fern jeder Verantwortungspflicht.
Klingt nach einem spannenden Filmstoff? Richtig. Im Kino thematisiert diese Zukunftsvision gerade der aktuelle Streifen mit Bruce Willis.

Technisch ist Surrogates – Mein zweites Ich ziemlich beeindruckend, denn das Roboter-Feeling wird den Darstellern durch leichte Modifikationen an Bewegungs- und Gangart, sowie großzügiges Pickelausdrücken gegeben. Die Gesichter sind glatt wie ein Babypopo.
Auch Aktionszenen sind gut gelungen, jedoch leider nicht sonderlich häufig anzutreffen. Das mag schon alleine an der Laufzeit liegen, denn nach keinen eineinhalb Stunden ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Die Konsequenz sind kaum vorhandener Tiefgang von Geschichte und Charakteren und das Gefühl, alles schon mal irgendwo gesehen zu haben, denn das durch die Rahmenhandlung gegebene Potential schöpft der Film leider nicht aus. Ohne aus der Masse der Genre-Filme hervorzustechen ist er, nicht zuletzt durch Willis (Stirb langsam eins bis vier, The Sixth Sense) und Rosamund Pike (Miranda Frost in Stirb an einem anderen Tag), durchaus sehenswert.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 26. Januar um 20:15 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 3, Platz A14 · Kostenfaktor: 6,50 Euro

Mit seinem neusten Streich 2012 tobt sich Roland Emmerich mal wieder so richtig aus. Wie ein Kind, dem man Bauklötze in die Hand gibt, lässt er Türme einstürzen, Autos durch die Gegend fliegen und ganze Städte von der Bildfläche verschwinden. Dabei sind die Bilder stärker, die Effekte überzeugender, als alles was man bisher in diesem Genre vor die Augen bekam.

Erdbeben, Vulkane und Tsunamis wirken gemeinsam auf unseren Heimatplaneten ein und drohen ihn ausgerechneten an meinem Geburtstag zu zerstören. In einer geheimen Aktion versuchen Regierungen (selbstverständlich unter Führung der USA) und Wissenschaftler zu retten, was zu retten ist – Tiere, Kunstwerke aber in erster Linie sich selbst. Natürlich braucht eine solche Story ihre Helden: Wichtig sind da immer Wissenschaftler – hier wird ihnen erstaunlicherweise von Anfang an geglaubt – und selbstlose Staatsoberhäupter, die, einem Kapitän gleich, erst alle anderen vom sinkenden Schiff gerettet wissen wollen. Desweiteren geht auch nichts ohne einen Dady, der seine Familie rettet. Diese Rolle übernimmt in 2012 John Cusack (Zimmer 1408, Identität).

Die beste Leistung liefert Woody Harrelson (No country for old men, Sieben Leben), der als leicht verschrobener aber hochtechnisierter Einsiedler im Yellowstone-Nationalpark als erster Zivilist von den Geschehnissen Kenntnis erlangt. Am lustigsten von allen ist ein russischer Ex-Boxer, der gern Bentley fährt, ein Paris Hilton-Double als Freundin und einen tollen Synchronisator hat. Überhaupt zwinkert das 158-Minuten-Werk dem Katastrophen-Genre immer wieder lächelnd zu: Die Sixtinische Kapelle reißt ausgerechnet zwischen den Fingern Gottes und Adams auseinander, Gräben tun sich im übertragenden Sinne in Beziehungen und Supermärkten zur gleichen Zeit auf. Ein schöner, langer Kinoabend.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 25. November um 20:00 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle und Alex · Saal 3, Platz C6 · Kostenfaktor: 8,50 Euro

In diesem berliner Episodenfilm lassen sich fünf männliche Großstädter mit ganz unterschiedlichsten Lebensmodellen auf der Suche nach der großen Liebe beobachten. Während dabei für den einen bereits ein paar Treueherzen das ganz große Glück bedeuten, weiß der andere seinen beruflichen und privaten Erfolg nicht ansatzweise zu schätzen. Für den einen sind Partys und Frauen der Sinn des Lebens und für den nächsten muss es die Umsetzung des eigenen Businessplanes sein.

Mit Til Schweiger (Inglourious Basterds, Keinohrhasen), Christian Ulmen (Der Fischer und seine Frau) und einigen weiteren bekannten Gesichtern ist der Streifen super besetzt und ein erfolgreicher Angriff auf das Zwerchfell. Auf den größten Gelächter-Fang geht der von Justus von Dohnányi (Das Experiment) gespielte Schlager-Spinner Bruce, der mit seinem naiven Essen-für-alle- und rettet-die-Welt-Liedchen ganz groß raus kommen möchte.

Simon Verhoevens zweite Regiearbeit ist etwas Tatsächlich… Liebe, ein wenig Resturlaub und ganz viel Spaß mit einem Spritzer Tragik. Was Frauen vor dem Kinobesuch nicht konnten, lernen sie auch durch Männerherzen nicht: Das andere Geschlecht verstehen. Aber vielleicht haben sie, sobald der schöne Schweiger ausgeblendet ist, ein wenig mehr Verständnis für uns.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 09. Oktober um 20:20 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle · Saal 7, Platz G18 · Kostenfaktor: 8,00 Euro

Das Alien-Ghetto

Nachdem über dem südafrikanischen Johannesburg ein Raumschiff strandet, entsteht für die knapp zwei Millionen Aliens ein großes Auffanglager unter der Verwaltung einer Privatarmee: District 9. Doch die steigende Zahl der außerirdischen in Schaben-Gestalt und wachsender Unmut der Bevölkerung zwingen die Verantwortlichen zu einer Umsiedlungs-Aktion.

Peter Jackson lässt seine Geschichte mit Elementen einer Dokumentation beginnen: Freunde des Protagonisten werden interviewt, die Kameraführung ist ruckelig, Sprecher aus dem Off. Obwohl die Regieführung im weiteren Verlauf konventioneller wird, bleibt dem ganzen Geschehen ein erstaunlicher Realismus erhalten und trotz der teilweise haarsträubenden Sci-Fi-Elementen und der unglaublichen Hässlichkeit der Aliens glaubt man fast, was man sieht. Da ausschließlich auf unbekannte Darsteller gesetzt wurde, kommt das Reportage-Feeling noch besser beim Zuschauer an. Die Atmosphäre und die Bilder sind dreckig und rau. Effekte und Animationen wirken gut (und sehen besser aus, als beispielsweise bei Transformers 2).

Anders als bei klassischen Alien- und Sci-Fi-Filmen schwingt während des ganzen Streifens eine unbehagliche Stimmung im Kinosaal. Fremdenhass, Ghettos, Ausbeutung, illegale Einwanderung, Armut und Gewalt – gibt es das nicht wirklich alles? Sind die Aliens nur Stellvertreter für jede beliebige, reale unterdrückte Bevölkerungsgruppe? Der gesellschafts- und sozialsatirische Anteil ist bei wohl kaum einem Film dieses Genres so stark und macht ihn sicher zum Unikat. Aber dennoch sind viele Kritiker zu euphorisch, wenn sie in ihm ein zukunftsweisendes Genre-Meisterwerk sehen. Die Welt wird er nicht verändern, sehenswert ist er.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 15. September um 20:10 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 10, Platz D16 · Kostenfaktor: 7,50 Euro

Unrühmliche Mistkerle in Frankreich

Als historische Dokumentation kann man Tarantinos Werk sicher nicht verstehen, denn leichte Änderungen an der Weltgeschichte zugunsten eines Drehbuches sind hier doch auffallend. Die Kriegssatire erzählt in fünf Kapitel von einer erbarmungslosen Guerilla-Einheit unter Führung von Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt), deren Ziel es schlicht ist, Nazis zu Töten und die deutsche Wehrmacht dadurch zu demoralisieren. Erstaunlich ist, dass dabei für Tarantino-Verhältnisse gar nicht sooo viel Blut über die Leinwand fließt. Klar, Mord und Totschlag kommen vor, sind aber nicht arg so handlungsbestimmend. Weiter »

Der Staatsfeind der 30er

Es ist schon erstaunlich, dass genau der Michael Mann, der vor drei Jahren mit Miami Vice noch einen der meiner Meinung nach schlechtesten Filme der Saison fabriziert hat nun mit einem solchen Highlight aufwartet.

Und ein Highlight ist dieser Gangsterfilm auf alle Fälle. Warum? Die Handlung ist spannend, die Bilder sind Klasse und vor allem sind meine beiden Lieblingsschauspieler zur gleichen Zeit sichtbar: Sowohl Johnny Depp (Fluch der Karibik, Blow), als auch Christian Bale (Terminator, Dark Knight, American Psycho) spielen spitzenmäßig.

Public Enemies erzählt (leicht hollywoodisiert) die Geschichte des als Medienstar gefeierten Bandenchefs John Dillinger, nimmt den Zuschauer mit auf Bankraubzüge der Zeit um 1933 – das FBI befand sich noch in der Findungsphase – und liefert als Dreingabe eine nette Liebesgeschichte. Manns und Depps Dillinger ist Lebemann und Charmeur, gefeiert und gesucht, unsichtbar und dreist.

Diese Autos, die Kleidung, die Musik – wäre da nicht die Große Depression, gäbe das Amerika der 30er die ideale Zielzeit für eine Reise mit der Zeitmaschine.

Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 11. August um 19:30 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz J13 · Kostenfaktor: 8,50 Euro

Die Welt unter’m Eis

Frühlingsgefühle in der Eiszeit: Scrat ist bis über beide Ohren verknallt, Manni und Ellies Liebe trägt Früchte und auch Faultier Sid zeigt sich von der Idee einer kleinen Familie schwer begeistert. So ist es – auch angesichts der Jahreszeit, zu der dieser Streifen in die Kinos kommt – nur logisch, dass auch mal gemäßigtes Klima in die prähistorische Dokumentation Einzug erhält: Im neusten Werk der Trilogie sind die Mammuts nicht mehr die größten, denn Dinosaurier werden entdeckt!

Besonders gefallen haben mir das Einzelkämpfer-Wiesel Buck, die Lachgasszene und die beiden eicheljagenden Hörnchen. Aber auch ansonsten kann man sich bei Ice Age 3 – die Dinosaurier sind los prima amüsieren. Die Handlung ist nicht wirklich neu, aber das Ergebnis besser als der zweite Teil.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · Gesehen am 29. Juli um 20:00 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Joelle, Bettina und Mathias · Saal 3, Platz C14 · Kostenfaktor: 8,00 Euro

Travoltas Bimmelbahn

Nachdem bereits 1974 eine Verfilmung des Romans von John Godey (mit Walter Matthau in der Hauptrolle) in die Kinos gekommen ist, und vor elf Jahren eine Neuauflage fürs Fernsehen produziert wurde, ist das Thema nun zum dritten mal guckbar. Erstaunlich, angesichts der eigentlich kompakten Handlung: Ein kleiner Trupp von Kriminellen kapert unter der Führung von Gangster Ryder (John Travolta) eine New Yorker U-Bahn und möchte die Stadt so um einen Millionenbetrag erleichtern. Die Verhandlungen führt – in Form eines Duells Mann-gegen-Mann – der Fahrdienstleiter Garber (Denzel Washington).

Gesehen habe ich jetzt nur den 2009er-Streifen von Regisseur Tony Scott, aber warum hier ein Remake sein musste, bleibt mir ein Rätsel. Verbreitete das New York der 70er Jahre sicher noch ein interessantes Flair, ist der Schauplatz in der heutigen Zeit beliebig und austauschbar. Ob es nun um ein Flugzeug in Chicago, einen Bus in LA oder eben eine U-Bahn geht – irgendwie hat man das Gefühl, das ganze schon einmal gesehen zu haben.

Die Leitstelle der U-Bahn kann es mit der Kommandozentrale eines mittleren Raumschiffes der Galaxy-Klasse aufnehmen, etwas fraglicher Börsenblödsinn soll an die aktuellen Finanzmarktthemen und Spekulationsgeschäfte um den 11. September erinnern.

Travolta und Washington können da noch stark am Ruder reißen, sind sie doch die einzigen Charaktere, denen so etwas wie latente Tiefe ins Drehbuch geschrieben wurde. Wobei auch diese beiden nicht gerade um ihr Leben spielen und in besseren Rollen gesehen wurden. An andere Darsteller erinnert man sich zwei Minuten nach dem Film nicht mehr, weil sie schlicht Pappkameraden hätten sein können und für die Geschichte irrelevant sind.

Hinsichtlich Action und Optik kann man natürlich nicht meckern: Schnelle Schnitte, nette Effekte – alles an Bord. Leider etwas sauber, glatt, ohne Kanten. Poppkornkino für einen HaFa-Abend: Hirn aus, Film ab.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen · Gesehen am 15. Juli um 20:00 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 4, Platz G8 · Kostenfaktor: 9,00 Euro

Überdosis Spielzeug-Action

Wenn es hoch kommt waren es zehn. Also jetzt nicht nur die Minuten mit Handlung, sondern die Damen im gut besuchten Kinosaal – und die haben sich den zweiten Teil der Transformers-Serie wahrscheinlich auch nicht freiwillig angeschaut, sondern keine Ahnung gehabt, auf was sie sich einlassen.

Wie beim letzten Mal, geht es um gute Metallmonster, die an der Seite der Menschheit – äh, also der US Army – kämpft und um böse Metallmonster. Tja, und die kloppen sich eigentlich die ganze Zeit. Fertisch…

…aber trotzdem unterhaltsam. Während des Films hat man den Eindruck, dass Terminator, Star Wars und American Pie gleichzeitig ablaufen und das Drehbuch dem Autorenstreik zum Opfer gefallen ist. Action, Witz und Selbstironie sind aber in Hülle und Fülle vorhanden, und springen rettend ein. Kommen dann noch Autos, Frauen und Nockenwellen hinzu, haben wir einen akzeptablen, coolen “Männerfilm”, dessen Konsum einen nicht schlauer, dafür aber jede Menge Spaß macht.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · Gesehen am 25. Juni um 19:30 · im Maxx Hameln mit Daniel · Saal 2, Platz 15/13 · Kostenfaktor: 8,80 Euro

Meine Nacht der Museen

Neue Hologramme sollen den Besuchern fortan Geschichte greifbar und die klassischen Exponate des New Yorker Naturkundemuseums überflüssig machen. Diese werden sicher verpackt ins Archiv geschickt. Da unter ihnen auch die magische Tafel von Ahkmenrah ist, erwacht somit der ganze Komplex zum Leben, und erneut liegt es in den Händen des Nachtwächter-Pechvogels Larry (Ben Stiller, Tropic Thunder, Meine Braut, ihr Vater und ich) alles in den Griff zu kriegen. Parallel dazu versucht der ägyptische Pharao Kahmunrah nun nachzuholen, was ihm zu Lebzeiten nicht gelang – lispelnd die Weltherrschaft zu erlangen.

Viele schicke Effekte und zahlreiche Gags machen auch den zweiten Teil sehenswert, wenngleich es sich natürlich eher um einen Aufguss handelt und die Story kaum Neues bietet. Schön ist, dass alle Nebenfiguren von Bedeutung auch im zweiten Teil zu finden sind und darüber hinaus neue, interessante Ausstellungsstücke hinzukommen. An so manche bekannte Situation wird nett angeknüpft und dem Protagonisten nun eine Partnerin an die Seite gestellt.

Die hannoversche Nacht der Museen (das war Zufall) lässt sich sicher langweiliger erleben.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · Gesehen am 12. Juni um 23:00 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle, Bettina und Mathias · Saal 6, Platz B09 · Kostenfaktor: 8,50 Euro