Todsicher ein typischer Tarantino

Aus dem US-amerikanischen Action-Horror-Double-Feature "Grindhouse" des genialen Duos Tarantino und Rodriguez wurde im außeramerikanischen Raum leider ein Zweiteiler. Angeblich sei es das europäische Publikum nicht gewöhnt zwei Filme zum Preis von einem zu sehen - möglicherweise möchten deutsche Kinos auch einfach nur doppelt so viele Kinokarten verkaufen. Wie dem auch sei: Mit Death Proof ist der erste Film aus der Reihe in unseren Multiplexen zu sehen. Die Handlung ist dabei sehr überschaubar: Stuntman Mike (toll durch Kurt Russel verkörpert) fährt mit seinem Muskle-Car durch die Gegend und ist auf der Suche nach unfreiwilligen Stunt-Opfern.
Wenn auch von Kritikern unter Beschuss machen viele andere Faktoren den Film für mich zu einem kleinen Kunstwerk. Die typischen alltagsphilosophischen Dialoge, gute Jungschauspieler und brillante Musik finden sich hier wie in jedem Tarantino-Werk wieder. Ebenfalls gewohnt ist man mittlerweile die Arbeit mit dem Filmmaterial: künstliche Kratzer, Tonsprünge, Schnittfehler, Farbverwaschungen und -ausfälle, sowie gewollte Unschärfen sorgen für den besonderen Flair und versetzen den Zuschauer in eine Reise in eine Zeit, in der es sowohl moderne Handys, als auch wunderschöne Coupés und die Jukeboxhits der 60er gibt. Erkenntnis : Schwarzweiß sieht im Kinoformat klasse aus! Überrascht hat das abrupte Ende, welches einige Fragen offen lässt. Am 04. Oktober kommt Planet Terror zur Vollendung des Double-Features auf die Leinwand.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 26. Juli 2007 um 20h15 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 10, Platz D15 · Kostenfaktor: 7,00 Euro

Auf die hard e Tour!

Er konnte es also doch nicht lassen und wollte erneut langsam sterben (lassen). Sichtlich gealtert ist Bruce Willis als zynischer und charismatischer Cop McClane zurück auf der Leinwand - Gerüchten nach hat er sogar Interesse an einer weiteren Fortsetzung bekundet. Stirb langsam 4.0 ist eine ehrenwerte Folge der Reihe, bei der der Einzelkämpfer mit dem bekannten weißen Feinrippunterhemd nicht verheizt, sondern würdevoll präsentiert und samt Story in die Zeit nach dem 11. September überführt wird. Jahre nach den realen Anschlägen traut man sich also wieder explodierende weiße Häuser darzustellen, den Terrorismus zu beleuchten und der westlichen Zivilisation ihre Verwundbarkeit vor Augen zu führen. Obwohl seit dem ersten Einsatz im Wolkenkratzer knapp 20 Jahre vergangen sind, ist Wills stark wie einst und natürlich der einzige, der die übermächtige Gefahr bannen kann. Lediglich mit moderner Technik ist er aus Prinzip unkompatibel - dazu steht er. Da ihm mit einem jungen Hacker jedoch ein unfreiwilliger Sidekick an die Hand gegeben wird, kann das ungleiche Paar die Welt spontan retten. Erkenntnis : Es gibt Kampfjets, die in der Luft stehen können!
Leider erscheint der Widersacher hier etwas blas um die Nase herum und wirkt daher stark auswechselbar. (Timothy Olyphant ist übrigens demnächst als "Hitman" im Kino zu sehen!). Aber was soll’s: Der vierte Teil ist ein klasse Film.

Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 28. Juni 2007 um 20h im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz L22 · Kostenfaktor: 7,50 Euro

Trügerische Landidylle

Warum um alles in der Welt muss ein Film in der deutschen Übersetzung zwangsläufig einen Untertitel bekommen? Und vor allem: Wie kommt man dann auf so eine Scheiße, wie "Zwei abgewichste Profis"? Glücklicherweise ist Hot Fuzz kein ausschließlich billiger Klamaukstreifen und distanziert sich dann doch von dem was der deutsche Titel befürchten lässt. Die britische Komödie um einen aus der Hauptstadt in die ländliche Pampa zwangsversetzten "Wachtmeister" und seinen ungleichen provinziellen Partner macht durchweg Spaß. Im Gegensatz zu anderen Parodien à la Scary-Movie & Co. verfügt sie über eine lustige aber dennoch nicht sinnfreie (teilweise richtig blutrünstige) Story und nimmt das Polizei-Superhelden-Genre stetig aber wohl dosiert mit zahlreichen (running) Gags auf die Schippe, indem mit einer Vielzahl von Klischees gespielt wird.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 14. Juni 2007 um 20h15 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 7, Platz D12 · Kostenfaktor: 7,50 Euro

Mördersuche als Lebensaufgabe

Da es sich bei diesem Film um eine wahre Begebenheit handelt, ist der Story natürlich ein gewisser Rahmen gesetzt. Dennoch bietet sie jenen Spielraum, den die Autoren gut zu nutzen wussten um aus Zodiac einen interessanten Streifen zu machen. Dabei entstand weniger ein Psycho-, denn vielmehr ein "Reporter-Thriller", der die Geschichte über einen Serienmörder im San Francisco der späten 70er Jahre und die ihn jagenden Protagonisten erzählt. Zweifelsohne verlangt er dem Zuschauer eine gewisse Konzentration ab und fordert Durchhaltevermögen ein, aber dafür legt er im Genrevergleich eine irgendwie ernstere, reifere und realistischere Art an den Tag und nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise einer faszinierenden Mord- und Ermittlungsserie.
Erkenntnis : Die 70er waren im Hinblick auf Autos, Kleidung und Stil sicher eine schöne Zeit.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 05. Juni 2007 um 19h30 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Joelle und Alex · Saal 7, Platz E9 · Kostenfaktor: 6,50 Euro

Hoch zur See, Leck geschlagen

Leider bietet Fluch der Karibik 3 nicht die Unterhaltung der Extraklasse, wie man sie nach einem exzellenten ersten und einem immerhin guten zweiten Teil erwartet, sondern bestätigt einmal mehr das Gesetz der Serie. Um das irre komplizierte Handlungsknäuel zu durchdringen, muss man die Story wahrscheinlich zusammenhängend an einem Abend und nicht über Jahre verfolgen. Angesichts der Langatmigkeit wäre ich dabei aber eingenickt und selbst die volle Präsenz der Vorgeschichte ließe die meisten Zuschauer beim Einsortieren der Handlungsstränge ins Rotieren kommen: Aus Freund wird Feind, aus Verbündeter Verräter und umgekehrt. Fast jede Figur macht diesen Seitenwechsel in den knappen drei Stunden das ein oder andere mal durch. Überzeugen kann hingegen auch dieses mal wieder der drollige Jack Sparrow, der - im Einklang mit der phantastischen Filmmusik und den hochwertigen Spezialeffekten - den Piraten-Streifen vor dem Untergang zu bewahren vermag. Sein Solo als latent schwuchteliger Kauz mit multipler Persönlichkeit in einer Art Gummizelle ist genial einfach und trotzdem einfach genial - der Auftritt wirkt merklich erfrischend. Auch Keith Richards Part samt Gitarre bringt den von den Autoren eingeforderten Lacher. Ich würde aber sagen: Fluch der Karibik 4 tut nicht Not.
Erkenntnis : Das Popcorn in Garbsen schmeckt besser, aber die Filmspulenwechsler dort sind Pfeifen!

Bewertung: 2 von 5 Sternchen · Gesehen am 29. Mai 2007 um 20h15 im Cinestar Garbsen mit Joelle, Birgit und Dirk · Saal 6, Platz H7 · Kostenfaktor: 5,70 Euro

Der Spinner ist wieder da

Nachdem man Teil 1 und 2 dieser Comicverfilmung gesehen hat, muss man sich selbstredend auch den neusten Streifen um den netzespinnenden und an amerikanischen Flaggen vorbeisausenden Superhelden anschauen. Der Pubertät entwachsen wird nun gleich gegen drei Bösewichte und sein eigenes Ekel gekämpft. Letzteres entsteht durch schwarzen Weltraumschleim, der vom Himmel plumpst und unseren Helden erst äußerlich und später innerlich verdunkeln lässt. Aber keine Angst: Richtig böse ist eigentlich nichts: Die Antihelden handeln nicht aus Überzeugung heraus, sondern sind selber Opfer äußerer Umstände (Tochter krank, Vater tot, Freundin weg, Job verloren) und Spidy wird natürlich auch wieder Herr seiner selbst und darf sein treudoofes Dauerlächeln behalten. Erkenntnisse : Ich hätte nicht aus der Kirche austreten sollen, da Glockenklang selbst außerirdischen Wutschleim vertreiben kann! Mit Spiderman 3 erlebt der Kinobesucher sicher nicht die langweiligsten 140 Kinominuten in seinem Leben. Die tiefstsinnigsten wird er gar nicht erst erwarten. Das Konzept der Unterhaltung geht also auf.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · Gesehen am 22. Mai 2007 um 19h45 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Joelle · Saal 1, Platz G19 · Kostenfaktor: 6,50 Euro

Im wahrsten Sinne des Wortes ein Himmelsfahrtskommando

Die Sonne verliert Ihre Kraft und lässt die Erde samt Bevölkerung in der bitteren Kälte des Jahres 2057 erstarren. Das ist die Ausgangslage, in der sich eine bunt zusammengewürfelte Raumschiff-Besatzung mit Selbstmordauftrag gleich in der ersten Minute dieses Danny Boyle-Films wieder findet. Ihr Ziel ist es, eine monströse Atombombe in der Nähe des Sterns zu zünden, um - einem Gasherd gleich – dort eine Neuentzündung zu verursachen und die Menschheit dadurch retten. Nein, wir schauen nicht Armageddon - Sunshine läuft im Kino.
Selten ist die Projektionsfläche einer Kinoleinwand so ausgefüllt, wie bei diesem Film mit seinen weiten und beeindruckenden Bildern und den sich stets wiederholenden sonnenwarmen Farbtönen. Die Unscheinbarkeit des Individuums angesichts der allgegenwärtigen Präsenz des Zentrums unseres Sonnensystems wird durch faszinierende Bildkompositionen deutlich, an deren Rändern sich ab und an ein Männchen im goldenen Anzug zeigen darf. Extrem gut gesetzte musikalische Untermalung sorgt dabei für das ihre, unterstreicht die Stimmung und lässt auch die Soundanlage des Filmtheaters zur Geltung kommen.
Die Mannschaft kämpft. Um das Überleben der Menschheit und den dadurch entstehenden Druck. Mit dem eigenen Verstand und gegen das Ich und die Moral. Die die Besatzung betörende Wirkung der Sonne ergreift auch den Zuschauer: Man schwitzt, man friert - je nach Sonnenstand.
Trotz des eindruckstarken Beginns leidet Sunshine an Schizophrenie: Im letzten Drittel nähert sich die philosophische Sci-Fi-Psycho-Studie mit spirituellem Touch mit großen und stetig schnelleren Schritten dem Horror-Genre. Das polarisiert. Das ist gewollt. Und das gefällt! Danny Boyle, der auch für "28 Days Later" Hand angelegt hat, weiß, wie er an den Nerven des Publikums kitzeln muss. Na klar ist da was auf dem anderen Schiff. Man spürt es förmlich! Die Toten zeigen sich - wenn auch nur für mehrere Singleframes.
Sunshine ist ein visuelles Meisterwerk und ist garantiert bald im Klassikerregal neben "2001 - Odysee im Weltraum" der Videothek um die Ecke zu finden!

Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 24. April 2007 um 20h im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Joelle und Alex · Saal 8, Platz E8 · Kostenfaktor: 5,50 Euro

Seichte Unterhaltung zur britisch-französichen Freundschaft

Wieder einmal verreist Mr. Bean (Rowan Atkinson) und lässt uns via Kino an seiner Fettnäpfchen- und Slapstick-Tour teilhaben. Auch wenn 90 Minuten für die Serien-Liebhaber etwas lang erscheinen und die Joke Dichte ein wenig höher sein könnte, macht dieser Film durchweg Spaß und gute Laune. Vielleicht auch deshalb, weil viele Situationen in die der wortkarge Grimassenkünstler gerät uns direkt eine ähnliche Szene aus einer Serienfolgen wieder ins Gedächtnis ruft.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · Gesehen am 17. April 2007 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Joelle und Hartmut · Saal 3, Platz E12 · Kostenfaktor: 5,50 Euro

Eine ganz und gar nicht spartanische Schlacht!

Um’s kurz zu machen: In dieser Verfilmung einer weiteren Frank Miller-Vorlage nach "Sin City" wird zwei Stunden lang getötet und gestorben. In erster Linie auf persischer, wie nicht anders zu erwarten zu späterer Stunde auch auf spartanischer Seite. Dargestellt wird das Ganze auf eine sterile und teilweise comicähnliche Art, bei der auch die Dialoge irgendetwas von Sprechblasen zu haben schein.

Nachdem der Zuschauer kurz in die Gepflogenheiten der Aufzucht junger Spatiaten eingeführt wurde, lässt sich lernen, wie die Kommunikation zwischen Völkern vor dem Jahre 0 funktionierte: Als Gesandter reitet man beim Feind vor, unterstreicht sein Anliegen durch das freundliche schwenken einiger Totenköpfe und landet dann in einem seeeehr tiefen Loch. Über die Erfolgsaussichten dieser Verhandlungsmethode lässt sich streiten.

Um die nun erwartete Versklavung Spartas abzuwenden - oder zumindest erst einmal aufzuhalten - plant König Leonidas das, was in der heutigen Friedenszeit wahrscheinlich als Sitzblockade bezeichnet werden würde. Nur das damals eben keiner saß. Der latent schwuchtelig anmutende Piercing-Halbgott Xerxes hingegen schickt Welle für Welle seiner Truppen gegen das 300-Mann Himmelfahrtskommando. Dabei fährt er eine lustige Truppe auf, die dem Anschein nach direkt in Mittelerde rekrutiert wurde. Groteske Riesen, stylische Orks, Ninjas mit Sidomasken, unfreundliche Nashörner, trötende Elefanten, dicke Scheren-Hände-Heinis - durch die Bank weg eine Menge Freaks. Apropos Mittelerde und Freaks: Gollums Schwager spielt auch mit. Er ist es dann auch, der den Persern die Möglichkeit offenbart, wie der verlustreichen Gewaltorgie ein Ende gemacht werden kann.

Mit "300" haben wir also einen "Männerfilm" vor uns, wie meine Freundin meint. Recht hat sie.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 11. April 2007 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 2, Platz D17 · Kostenfaktor: 7,00 Euro

Schwere Kindheit entschuldigt nicht alles - auch kein filmisches Mittelmaß

Wer Das Schweigen der Lämmer und eine Folge der Supernanny gesehen hat, der weiß: Hannibal Lecter hat eine schwere Kindheit gehabt. Eigentlich bedarf es da keiner weiteren Ausführung. Aber dennoch wurde mit Hannibal Raising ein Prequel zur Erläuterung eben dieser Jugendjahre gedreht. Der kleine Hannibal muss den gewaltsamen Tod seiner Eltern und den kanibalistischen Mord an seiner Schwester mit ansehen. Jahre später beginnt er seinen Rachefeldzug, der ihn quer durch Europa treibt.
Auch die schweigenden Lämmer glänzten nicht durch enormen Tiefgang in der Story. Aber durch Anthony Hopkins gab es einen charismatischen und mitreißenden Killer, der den Film zu einem Meisterwerk werden lies. Leider trifft im Raising nun eine viel schwächerer Story auf um Welten schlechtere Schauspieler, was das ganze floppen lässt und dem Zuschauer eine gehörige Portion Hannibal-Faszination nimmt.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen · Gesehen am 20. Februar 2007 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz G19 · Kostenfaktor: 6,00 Euro