Lizenz erteilt!
Mit der neusten Verfilmung eines Ian Fleming-Romans aus der James Bond-Reihe, wird nicht einfach das einundzwanzigste Abenteuer des britischen Geheimagenten erzählt, sondern der Protagonist nach der Neubesetzung ziemlich renoviert interpretiert. Wie nach einer Zeitreise erlebt der erfahrene Zuschauer die Geschichte des jungen Commanders auf seinem Weg zu Doppelnull und professioneller Coolness. Interessant ist übrigens, dass man sich die Lizenz zum Töten durch zweifaches Praktizieren erwerben muss. Im weiteren Verlauf wird alles, was uns bisher als üblich und notwendig für einen Teil dieser Reihe vorkommt ignoriert. Kein Q und keine Moneypenny, weder geschüttelt noch gerührt und ein Hauptdarstellung, der nicht als unverwundbarer Supercop, sondern als Mensch dargestellt wird: Er kann bluten (und das sogar ziemlich stark) , lieben (die sehr gut spielende Eva Green) und sogar Fehler machen (damit meine ich jetzt nicht das Fahren eines Fords, sondern seinen ersten Einsatz, den er gründlich verhunzt) . Der gestriegelte Anzug will ihm noch nicht so recht passen, dafür möchte er übermütig (im wahrsten Sinne des Wortes) mit dem Kopf durch die Wand.
Passend zu dieser Neuerung: Bösewicht LeChiffre. Wie üblich hat er zwar ein körperliches Handicap vorzuweisen, allerdings ist er darüber hinaus der perfekte Antagonist für diesen Bond und passt einfach besser als die sonst oft austauschbaren größenwahnsinnigen und in Festungen und Höhlen hausenden Superschurken. Denn auch für den Terroristen-Finanzier geht es um das nackte Überleben. Seine Intention gegen Bond anzutreten liegt nicht im erreichen der Weltherrschaft, sondern im ach so menschlichen Zwang. Das einundzwanzigste Jahrhundert ist endgültig ereicht und der kalte Krieg beendet - komplizierte Verstrickungen und Terrorismus lösen den leicht identifizierbaren 1-Man-Kontrahenten ab.
Mit Ludger Pistor, Jürgen Tarrach und Clemens Schick haben es drei Deutsche in den Film geschafft. Ersterer spielt einen - für das Drehbuch ziemlich unwichtigen - Schweizer Banker. Auch wenn wenig von seinem Serien-Witz zu sehen ist, hatte ich sofort Balko vor Augen, was nicht hätte sein müssen… Leicht negativ ist mir auch das sehr starke product placement aufgefallen. Es wurde so ziemlich mit allem geworben, was Bond cool und die Möchtegern-Bonds dieser Welt zum shoppen veranlassen kann: Autos, Uhren, Laptops, Digicams.
Alles in Allem ist die Verfilmung des ersten Bond-Romans Spitzenklasse und Craig muss den Vergleich mit seinen fünf Vorgängern absolut nicht scheuen - auch wenn zuvor nicht allzu gutes über ihn berichtet wurde. Das liegt zur Hälfte an seinem Können und zum anderen Teil daran, dass ihm mit diesem Buch die Möglichkeit gegeben wurde, sich zu beweisen. Außerdem wird ihm erstmalig weibliche Unterstützung an die Hand gegeben: Das Bondgirl ist nicht (nur) für 007s Spaß da, sondern wirkt maßgebend an seiner Entwicklung mit.
Erst zum Schluß lässt 007 seinen obligatorischen "Bond, James Bond!"-Spruch von der Leine und die altbekannte Melodie ertönt - dann weiß auch der letzte im Kinosaal: Er hat einen echten Teil dieser Reihe gesehen.
Man darf auf weiteres von Bond und Craig gespannt sein!
Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 28. November 2006 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Joelle · Saal 4, Platz A18 · Kostenfaktor: 6,50 Euro