Wenn ein Chef nicht selbst den Mut aufbringt seiner Belegschaft höchstpersönlich die Entlassungspapiere zu überreichen, kann er auf die Dienste von Ryan Bingahm (George Clooney, Burn after reading, Ocean’s 11-13) zurückgreifen. Dieser fliegt dann gerne quer über den Kontinent, um das Arbeitsleben der Angestellten auf professionelle Art und Weise zu beenden.
Für viele mag dieses Leben nicht erstrebenswert, ja sogar grausam sein – Ryan selbst findet jedoch eher die Tage schrecklich, die er in seiner kleinen Wohnung in Omaha verbringen muss und nicht in Abfertigungshallen, Flugzeugen und Hotelzimmern lebt. Sein Ziel – als siebter Mensch überhaupt die zehnmillionste Bonusmeile zu sammeln – stets vor Augen begegnet er mit der Geschäftsfrau Alex plötzlich einer Gleichgesinnten. Doch eine weitere Frau droht sein Leben kräftig durcheinander zu bringen: Seine neue Kollegin Natalie hat ein Modell entwickelt, bei dem die Freistellung von Personal per Videokonferenz erfolgen und somit haufenweise Reisebudget eingespart werden kann.
Regisseur Jason Reitman (Juno) setzt das Buch in tolle Bilder um und lässt den Zuschauer die Welt der professionellen Geschäftsreiserei hautnah erleben. Zusammen mit sehr schön pointierten Dialoge und einem hervorragenden Protagonisten entsteht eine überzeugende und unterhaltsame Tragikomödie, die mit ihren zahlreichen gesellschaftlichen Themen eine erstaunliche Aktualität aufweist und trotzdem mit einer gewissen Leichtigkeit daher kommt. Clooney zeigt, dass er gleichzeitig arrogant, charmant und einfühlsam auftreten und somit eine schauspielerische Bandbreite abliefern kann, wie es nur ein kleine Gruppe in Hollywood vermag.
Off topic, aber als Merker an mich: Immer gleich die Kinokarten auf Datum und Uhrzeit überprüfen. Erst als jemand Anspruch auf unsere Sitzplätze im ausverkauften Kinosaal erhob, haben wir bemerkt, dass die Kassen-Pfeife uns Karten für den Folgetag verkauft hat. *grr*
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 19. März um 23:00 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Joelle · Saal 5, Platz K6 · Kostenfaktor: 6,50 Euro
Wenn man mit Vollidiot, Millionär und Resturlaub die ersten drei Bücher von Tommy Jaud gelesen hat, dann kann man nach der Lektüre von Hummeldumm zweifelsohne sagen, dass der Autor sein Thema gefunden hat. Dennoch ist auch das neue Buch keineswegs langweilig und hat mir wieder viel Spaß gemacht. Falsch ist freilich jeder, der auf der Suche nach der großen literarischen Unterhaltung ist – richtig all diejenigen, die gerne mit einem Grinsen im Gesicht lesen und vielleicht noch nach einem Reisebegleiter im Taschenformat für den nächsten Sommerurlaub Ausschau halten.
Während die eine Gruppe Leser sicher etwas traurig ist, dass die bekannten Protagonisten keine Rolle mehr spielen, freuen sich die anderen über die neu eingeführten Figuren. Ob nun Simon, Pitschi oder Matze – ein Kerl zwischen Wahnsinn, Loosertum und Genialität bestimmt mal wieder die Geschichte.
Wir begleiten Matze auf eine Gruppenreise nach Namibia und somit während der schlimmsten zwei Wochen seines Lebens. Denn leider besteht die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe aus sehr extravaganten Charakteren, viel zu wenig Reiseadaptern und einem Haufen Fremdschäm-Potential.
Ich drücke meine Nase ans Busfenster und blicke hinaus ins weite Land. Die Namibier winken uns und lachen. Klar lachen sie, sie sind ja frei. Wir nicht. Wir sind die in Blech gepackte Rache für die deutsche Kolonialzeit.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Hummeldumm” von Tommy Jaud · Gelesen im März 2010 · Quelle: neu aus dem Buchladen
In diesem berliner Episodenfilm lassen sich fünf männliche Großstädter mit ganz unterschiedlichsten Lebensmodellen auf der Suche nach der großen Liebe beobachten. Während dabei für den einen bereits ein paar Treueherzen das ganz große Glück bedeuten, weiß der andere seinen beruflichen und privaten Erfolg nicht ansatzweise zu schätzen. Für den einen sind Partys und Frauen der Sinn des Lebens und für den nächsten muss es die Umsetzung des eigenen Businessplanes sein.
Mit Til Schweiger (Inglourious Basterds, Keinohrhasen), Christian Ulmen (Der Fischer und seine Frau) und einigen weiteren bekannten Gesichtern ist der Streifen super besetzt und ein erfolgreicher Angriff auf das Zwerchfell. Auf den größten Gelächter-Fang geht der von Justus von Dohnányi (Das Experiment) gespielte Schlager-Spinner Bruce, der mit seinem naiven Essen-für-alle- und rettet-die-Welt-Liedchen ganz groß raus kommen möchte.
Simon Verhoevens zweite Regiearbeit ist etwas Tatsächlich… Liebe, ein wenig Resturlaub und ganz viel Spaß mit einem Spritzer Tragik. Was Frauen vor dem Kinobesuch nicht konnten, lernen sie auch durch Männerherzen nicht: Das andere Geschlecht verstehen. Aber vielleicht haben sie, sobald der schöne Schweiger ausgeblendet ist, ein wenig mehr Verständnis für uns.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 09. Oktober um 20:20 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle · Saal 7, Platz G18 · Kostenfaktor: 8,00 Euro
Pitschi ist mit sich, seinem Leben und allem um sich herum unzufrieden: Der Job füllt ihn nicht aus, die Freundin möchte Familie und Kiesauffahrt, seine Kumpel werden einfach weggeheiratet. Was macht ein so bedrängter Mitdreißiger? Er ergreift die Flucht und (er)findet sich neu.
Ja, ich hatte Angst. Angst davor, mich früher oder später fügsam einzureihen in den bereihenhausten Stillstand provinzieller Zufriedenheit, Vater eines leicht übergewichtigen Sohnes zu werden und schließlich leicht übergewichtig exakt dort zu sterben, wo ich geboren wurde: in einer oberfränkischen Kleinstadt, in der ein Bierfest mit dem Namen Sandkerwa der absolute Höhepunkt des Jahres ist und den meisten das nur sechzig Kilometer entfernte Nürnberg schon zu groß oder zu weit weg ist.
Erst war ich etwas enttäuscht, dass sich die Geschichte nicht um den lieb gewonnene Simon aus den Büchern Vollidiot und Millionär dreht, aber Pitschi ist auch lustig und das Buch die ideale Lektüre für den Strandurlaub gewesen. Leicht und locker gelesen, oft gelacht. Wie für die Bücher von Tommy Jaud üblich, ertappt man sich an zahlreichen Stellen bei einem bestätigen Nicken, um kurz darauf perplex zu denken “das kann der ja nun nicht wirklich bringen”.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Resturlaub” von Tommy Jaud · Gelesen im Sommerurlaub, September 2009 · Lesezeit: vier Tage · Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft
Meine Nacht der Museen
Neue Hologramme sollen den Besuchern fortan Geschichte greifbar und die klassischen Exponate des New Yorker Naturkundemuseums überflüssig machen. Diese werden sicher verpackt ins Archiv geschickt. Da unter ihnen auch die magische Tafel von Ahkmenrah ist, erwacht somit der ganze Komplex zum Leben, und erneut liegt es in den Händen des Nachtwächter-Pechvogels Larry (Ben Stiller, Tropic Thunder, Meine Braut, ihr Vater und ich) alles in den Griff zu kriegen. Parallel dazu versucht der ägyptische Pharao Kahmunrah nun nachzuholen, was ihm zu Lebzeiten nicht gelang – lispelnd die Weltherrschaft zu erlangen.
Viele schicke Effekte und zahlreiche Gags machen auch den zweiten Teil sehenswert, wenngleich es sich natürlich eher um einen Aufguss handelt und die Story kaum Neues bietet. Schön ist, dass alle Nebenfiguren von Bedeutung auch im zweiten Teil zu finden sind und darüber hinaus neue, interessante Ausstellungsstücke hinzukommen. An so manche bekannte Situation wird nett angeknüpft und dem Protagonisten nun eine Partnerin an die Seite gestellt.
Die hannoversche Nacht der Museen (das war Zufall) lässt sich sicher langweiliger erleben.
Bewertung: 3 von 5 Sternchen · Gesehen am 12. Juni um 23:00 · im Cinemaxx Hannover Nikolaistraße mit Joelle, Bettina und Mathias · Saal 6, Platz B09 · Kostenfaktor: 8,50 Euro
Nachdem ich das Erstlingswerk von Tommy Jaud mit viel Spaß gelesen habe, musste ich mir auch gleich dieses Buch besorgen. Anknüpfend an die Handlung im ersten Teil, wird der Werdegang des ehemaligen T-Punkt-Mitarbeiters Simon Peters auch hier äußerst unterhaltsam und mit viel derben Sprachwitz geschildert.
Ich beginne mit einer Mail an Sony Ericsson, in der ich darauf hinweise, dass das Handywörterbuch des K610i weder »Arschkrapfen« noch »Schnellfickerschuhe« kennt. An Vittel schicke ich eine Mail, weil ihre scheiß Plastikflaschen stundenlang nachknacksen, wenn man sie mal eingedellt hat. Mehrfach bin ich schon vor Schreck aus dem Bett geschossen wegen des Geräusches, Einbrecher hab ich gedacht und bin mit Taschenlampe wirr durch die Wohnung gestolpert, dabei war’s nur ’ne billige Franzeckenflasche.
Wacker und unermüdlich kämpft Simon gegen die Ungerechtigkeiten seiner kleinen Welt, die “Königin der Unterschicht” und um eine Möglichkeit seiner prekären Lage zu entfliehen.
Leider werden viele liebenswerte Nebencharaktere des ersten Teils nur kurz erwähnt und spielen für die Geschichte keine große Rolle, während sich die neu geschaffenen eher im Hintergrund aufhalten.
Dennoch: Dir hat der Vollidiot gefallen? Dann mach mit dem Millionär weiter!
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Millionär” von Tommy Jaud · Gelesen im Juni 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: neu aus dem Buchladen
Vom Vollidioten habe ich eigentlich erstmals gehört, als die Romanvorlage verfilmt wurde und Oliver Pocher die Titelrolle zugesprochen bekam. Auch den Film habe ich nie gesehen, damals aufgrund des Titels aber gedacht, dass Pocher da ja klasse reinpassen muss – ich mag den nicht.
Jetzt bin ich aber durch Zufall an den Tommy Jaud-Roman gekommen und habe den leicht prolligen Kölner Simon und seine flapsig und mit einem großen Spritzer Sprachwitz geschriebene Geschichte voller Pleiten, Pannen und Selbstüberschätzung kennen gelernt.
Ich muss sie ansprechen. Weil jeder Mann die Frau ansprechen muss, bei der es schon aus hundert Meter Entfernung im Magen kribbelt. Das hat die Natur nicht aus Spaß so eingerichtet. Die Natur hat nämlich keinen Humor, das sieht man an den ganzen Erdrutschen und Gewittern.
Leider wird Simons “Loosertum” im Verlauf des Buches zur Routine, die Fettnäpfchen nehmen unrealistische Ausmaße an und die Identifikation mit dem Protagonisten fällt zusehends schwerer. Dennoch habe ich mich prächtig amüsiert und an nicht wenigen Stellen fast laut los gelacht. Vieles ist einfach typisch Mann und ein klein wenig Simon ist wohl in jedem von uns.
Ich denke, ich sollte mir den Film jetzt doch mal antun…
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Vollidiot” von Tommy Jaud · Gelesen im Mai 2009 · Lesezeit: drei Tage · Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft
Dummer Donner
Um einen möglichst realistischen Kriegsfilm zu drehen, schmeißt ein Regisseur seinen Schaupsieler-Tross kurzerhand in den Dschungel von Vietnam – und sich auf eine Tretmine. Dummerweise lauern dort nicht nur pyrotechnische Gefahren, sondern gleich ein ganzer Drogenring auf sie.
Leider greift der Film trotz zahlreicher guter Lacher und einer kräftigen Portion Branchen-Kritik und Selbstironie humortechnisch für mich ziemlich oft daneben und wartet mit Furz-Witz und Behindertenverarsche auf. Somit reißt der Streifen mit dem Hintern wieder ein, was gerade aufgebaut wurde und ich lasse ihm nur zwei Sterne da.
An richtigen Stars mangelt es ihm jedoch nicht: Die durch Ben Stiller erstellte Liste an prominenten Darstellern kann sich durchaus sehen lassen und die Szenen mit Tom Hanks waren zugegebenermaßen ein Knaller.
Bewertung: 2 von 5 Sternchen · Gesehen am 30. September um 20:00 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 3, Platz C13 · Kostenfaktor: 5,50 Euro
Superheld mit Mundgeruch
Superheldenfilme nehmen sich trotz ihrer Comic-Herkunft selbst häufig ziemlich ernst und wichtig. Anders ist das bei Hancock. Der Film startet locker, lebendig, agil. Hankock ist hier der Superheld – ein zynischer Kerl, den man nicht gerade als Gewinner der Gesellschaft bezeichnen würde. Er ist meist besoffen, flucht und pöbelt sich durchs Leben und seine soziale Kompetenz hat die Größe von Spidermans Nasenloch. Doch er macht seinen Job – vereitelt Straftaten, verhindert Unfälle und rettet Menschen. Das Ganze meist mit Kollateralschäden in Millionenhöhe und zum zunehmenden Leidwesen der Bürger und ihrer weltlichen Ordnungshüter. Ändern soll sich dieser Zustand durch die Unterstützung eines PR-Beraters, zahlreiche Gruppentherapiesitzungen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Schade eigentlich, dass aus diesem herrlich unkonventionellen Freak mit Mundgeruch so langsam ein 0815-Held im Gummieinteiler werden soll und die Story mit tragisch-dramatischen Elementen belastet wird. Ich hätte mir die Genreparodie auch ohne diese Entwicklung gerne angesehen und dann möglicherweise auch einen weiteren Stern spendiert. Aber dennoch ist der Film durchaus gelungen, weitestgehend gut gespielt und technisch ansprechend umgesetzt.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 02. Juli um 20:00 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 4, Platz G6 · Kostenfaktor: 7,00 Euro
Trügerische Landidylle
Warum um alles in der Welt muss ein Film in der deutschen Übersetzung zwangsläufig einen Untertitel bekommen? Und vor allem: Wie kommt man dann auf so eine Scheiße, wie "Zwei abgewichste Profis"? Glücklicherweise ist Hot Fuzz kein ausschließlich billiger Klamaukstreifen und distanziert sich dann doch von dem was der deutsche Titel befürchten lässt. Die britische Komödie um einen aus der Hauptstadt in die ländliche Pampa zwangsversetzten "Wachtmeister" und seinen ungleichen provinziellen Partner macht durchweg Spaß. Im Gegensatz zu anderen Parodien à la Scary-Movie & Co. verfügt sie über eine lustige aber dennoch nicht sinnfreie (teilweise richtig blutrünstige) Story und nimmt das Polizei-Superhelden-Genre stetig aber wohl dosiert mit zahlreichen (running) Gags auf die Schippe, indem mit einer Vielzahl von Klischees gespielt wird.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · Gesehen am 14. Juni 2007 um 20:15 im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 7, Platz D12 · Kostenfaktor: 7,50 Euro