Stichwort: Krimi

26 Mai

Buch: Tiere

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Als Sohn eines Wirt-Ehepaares lebt Nigel nach dem Tod seiner Eltern auch weiterhin in einem mittlerweile konzessionslosen und vereinsamten Pub und bestreitet seinen Lebensunterhalt als Aushilfskraft. In seiner Freizeit befasst sich der gute Nigel intensiv mit Comics, Fernsehserien und Zeichentrickfilmen. Der weniger gute Nigel hingegen hat weitere Verpflichtungen: Er muss sich um die eingefangenen Tiere in seinem Keller kümmern.

Wer die Bücher von Simon Beckett kennt weiß, dass Spannung auch ohne den ganz großen Knalleffekt funktionieren kann. Mit dem Exemplar Tiere und der Geschichte über einen einsamen, verwirrten und nicht so ganz hellen jungen Mann bliebt der Autor dieser Tradition treu. Wie gewohnt, zeichnet Beckett seine Hauptfigur deutlich und tiefgründig und nutzt Schreibstil und Sprache als ein die Geschichte verdeutlichendes Mittel. Verglichen mit seinen weiteren Werken merkt man Tiere den Status als Erstlingsstück zwar deutlich an, aber das dünne Büchlein ist dennoch die Lektüre wert.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Tiere”, orig. “Animals” von Simon Beckett
Gelesen im Mai 2011 · Lesezeit: vier Tage
Quelle: Osternest

20 Apr

Buch: Die Handschrift des Todes

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Wie mittlerweile üblich lassen sich aufkommende Autoren auf dem Cover Ihrer neuen Werke immer gerne von etablierten und angesehenen Kollegen in den höchsten Tönen loben und preisen, und diese Kollegen machen da gerne mit – wahrscheinlich kennt man sich oder schreibt für den gleichen Verlag. Anders kann ich mir nicht erklären, warum Die Handschrift des Todes mit solchen Lorbeeren versehen und weiterhin in der Bestsellerliste ist.

Gut, den Erwartungen entsprechend ist es ein handwerklich ansprechend aufgebauter und gut geschriebener, relativ blutarmer Krimi. Das Cover ist verkaufswirksam hochwertig und der Titel reißerisch (hat aber wenig mit dem Inhalt zu tun).
Leider vergibt der Autor John Verdon das Potential der Geschichte sehr fahrlässig. Der große Aufhänger und das scheinbar Mysteriöse des Buchs ist eine ziemliche Luftnummer und wird in einer gefühlten halben Seite lieblos aufgelöst, bevor dann trotz offensichtlicher Täterenttarnung fleißig weiter ermittelt wird.

Die Geschichte hätte ohne größere Verluste auf bedeutend weniger Papier gepasst, ließt sich an vielen Stellen dann aber so, dass der Ermittler als Serienheld eingeführt werden soll. Müsste ich dann aber nicht weiter verfolgen.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
“Die Handschrift des Todes”, orig “Think of a Number” von John Verdon
Gelesen im April 2011 · Lesezeit: vier Wochen
Quelle: Geburtstagsgeschenk

01 Okt

Buch: Mittsommermord

In das beschauliche Schweden passen für mich irgendwie weder Mord noch Totschlag. Und dennoch ist es natürlich das tägliche Geschäft von Kurt Wallander und seine zahlreichen realen Kollegen. Auf stolzen 600 Seiten verfolgt der Lieblingsprotagonist von Henning Mankell einen scheinbar unkontrolliert agierenden Serienmörder und kann dabei auch vor seinen eigenen Reihen nicht halt machen.

Ohne übertrieben blutrünstig zu sein, wird mit anhaltender Spannung und sehr viel Tiefe erzählt. Kurze Exkursionen in des Kommissars Privatleben lockern dabei auf, ohne dass das eigentliche Thema aus den Augen verloren geht. Selbst Randcharaktere werden stets überzeugend gezeichnet und beim Leser wechseln sich Phasen der absoluten Ratlosigkeit mit jenen ab, bei denen man den Ermittlern ein ganzes Stück voraus ist. Abschnitte aus der Täterperspektive machen das Lesen noch einmal interessanter.

Mittsommermord ist ein handwerklich überzeugender Kriminalroman – ohne sich dabei besonders stark aus der Masse abzuheben.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Mittsommermord”, orig “Steget efter” von Henning Mankell
Gelesen im September 2010 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: geliehen

30 Aug

Buch: Samenspende

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Um das schweizerische Bern herum sprechen die Eingeborenen ja schon etwas gewöhnungsbedürftig. Lustig finde ich aber, dass auch das Schriftdeutsch dort ein etwas anderes ist, als im hohen Norden Deutschlands gewöhnt. Das fällt ja schon bei der Tageszeitung auf und macht sich somit auch bei Romanen aus der Region bemerkbar.

Mein Testobjekt war der Kriminalroman Samenspende von Peter Hänni, der einen zweifachen Giftmord thematisiert. Souverän wird die Geschichte erzählt und immer mal wieder Bezug auf Bern, sowie schweizer Begrifflichkeiten und Sitten genommen. Somit eine klasse, kurzweilige Urlaubslektüre, wenn man schon mal da ist.

In diesem Zusammenhang ist mir übrigens aufgefallen, wie günstig Bücher hier im direkten Vergleich zur Schweiz sind!

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Samenspende” von Peter Hänni
Gelesen im August 2010 · Lesezeit: eine knappe Woche
Quelle: geliehen

22 Apr

Buch: Voyeur

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Wie schon Obsession und Flammenbrut gehört auch der Voyeur zu einer Gruppe sehr psychologisch ausgerichteten Krimis.

Der Hauptberufliche Einzelgänger und nebenberufliche Galerist Donald begehrt nicht nur erotische Kunst, sondern nach einem zufälligen Schlüsselereignis zusehends auch seine junge Assistentin Anna. Anders als der sprunghafte Frauenheld Zeppo ist er jedoch nicht an kurzfristigen Abenteuern und rein körperliche Nähe interessiert – er möchte die schöne Anna ganz und gar vereinnahmen, sie besitzen. Ein Plan, dem Annas Freund natürlich im Wege steht, so dass sich Donald und Zeppo zusammentun, das glückliche Paar zu trennen.

Der Voyeur ist das erste von Simon Beckett geschriebene Buch und wurde bereits 1994 unter dem Titel Galerie der Verführung in Deutschland veröffentlicht. Nach dem nun aufgekommenen Hype um den Autor und den Erfolg der beiden Bücher außerhalb der Hunter-Reihe war die Neuauflage unter einheitlicher Flagge sicher schon alleine ein wirtschaftlicher Selbstläufer.

Seine Vielseitigkeit stellt der Autor mit diesem Buch erneut deutlich unter Beweis. Wieder einmal ist ungewöhnliche Besessenheit das bestimmende Thema, aber durch die ganz andere Perspektive – der Voyeur ist selbst der Erzähler – und durch die abweichende Intention des Protagonisten unterscheidet es sich dennoch gleichzeitig stark von Becketts anderen Büchern. Stil und Sprache sind, verglichen mit den späteren Erscheinungen, auf bekannt hohen Niveau.

Die spannende und kurzweilige Geschichte macht Spaß und ist schnell gelesen. Auf der Suche nach Kritikpunkten könnte man das schnelle und nicht arg überraschende Ende anführen. Aber meine Güte, nicht immer muss es auf den letzten Seiten eine Hunderachtziggraddrehung geben – das wäre ja auch wieder langweilig.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Voyeur”, orig. “Fine Lines” von Simon Beckett
Gelesen im April 2010 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: neu aus dem Buchladen

14 Mrz

Buch: Stirb schön

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Sobald Autoren mehr als ein Buch veröffentlichen, sind deutsche Verlage anscheinend besonders scharf darauf, die Werke hinsichtlich Optik und Namensgebung auffallend gleich zu gestalten. Das kennt man beispielsweise von Stephen King, dessen Titel oft absolut nichts mit der Geschichte oder der Originalfassung zu tun haben und das ist auch bei Peter James so.

Nach Stirb ewig, wird nun schön gestorben.
Dieses mal geht es um einen Shuff-Video-Ring, dem Roy Grace das Handwerk zu legen versucht.

Das Buch ist ein solider Krimi, der das vorhandene Potential leider nicht wirklich auszunutzen vermag. Obwohl gut geschrieben, nehmen die häufigen Sprünge zwischen Ermittlungsarbeit und Privatleben des Detectivs unnütz die Spannung aus dem Lesefluss.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Stirb schön”, orig. “Looking good dead” von Peter James
Gelesen im März 2010
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

26 Feb

Buch: Mensch ohne Hund

Schweden-Krimis sind ja wohl anscheinend ein Genre für sich. Sind sie mir früher nie aufgefallen, überfluten sie plötzlich Buchhandlungen und Fernsehzeitschriften. Es war also mal an der Zeit ein skandinavisches Produkt auf die Probe zu stellen – immerhin pappt auf dem Buch ein “Spiegel-Bestseller”-Klebchen.

Bei Mensch ohne Hund stellt Håkan Nesser seinen Inspektor Barbarotti erstmalig vor. Mittlerweile sind zwei weitere Bücher der Serie um den Ermittler einer schwedischen Kleinstadt erschienen.

Die Geschichte beginnt schleppend und mit dem Portrait einer sehr heterogenen Familie. Diese kommt nach langer Zeit zu einer Familienfeier zusammen, bei der dann nacheinander zwei Mitglieder von jetzt auf gleich und spurlos verschwinden.

Der Inspektor – den der Leser immerhin ein Jahr lang bei den Ermittlungen und im Privatleben begleitet – bleibt etwas kontrastarm und uninteressant. Langweilig wurde die Geschichte nicht, aber wirklich spannend ist sie auch nicht, zumal das Ende nicht wirklich überraschend und dann auf einmal etwas plötzlich daher kommt.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
“Mensch ohne Hund”, orig. “Människa utan hund” von Håkan Nesser
Gelesen im Februar 2010
Quelle: geliehen

29 Okt

Buch: Das Geheimlabor

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Schon alleine der Titel lässt eher an eine Folge der Drei ??? oder TKKG als an einen Thriller denken. Entsprechend spannend ist der Krimi dann auch und damit das komplette Gegenteil von Schwesternmord und Scheintot – beides tolle Bücher, die der gleichen Feder entstammen! Aber auch handwerklich wird über einen Groschenroman hinaus nichts geboten und die Handlung ist dermaßen platt und öde, dass man sich freut, wenn nach 200 Seiten Schluss ist. Kitschige Romantikelemente à la “Du musst mich verlassen, das ist sicherer für Dich!” gibt es nach fast jedem Umblättern und ich kann hier getrost verraten, dass es ein Happy-End gibt, denn etwas anderes erwartet nach dem dritten Kapitel eh keiner mehr.

Ich war so enttäuscht, dass ich mir den zweiten Roman, mit dem das Geheimlabor gemeinsam im Band Akte Weiß erschienen ist, schenken und etwas anderes lesen werde. Ein Sternchen gibt es, da es sich um eines der früheren Werke von Tess Gerritsen handelt. Das an dieser Stelle eigentlich obligatorische Buchzitat spar ich mir auch.

Bewertung: 1 von 5 Sternchen
“Das Geheimlabor”, orig. “Whistleblower” von Tess Gerritsen
Gelesen Oktober 2009 · Lesezeit: drei Tage
Quelle: geliehen

16 Okt

Buch: Mörderische Tage

Das neuste Buch von Andreas Franz ist meiner Meinung nach eines seiner Bestes. Zu der Ober-Liga der Thriller-Autoren mag ich ihn zwar noch immer nicht zählen, aber eine Steigerung ist auf jeden Fall zu sehen und zu lesen.

Mal wieder ist das Team um Julia Durant mit den Ermittlungen zu einer Mordserie in Frankfurt befasst. Scheinbar zufällig wählt ein Psychopath seine Opfer aus und ebenso abwechslungsreich zeigt er sich bei der Durchführung seiner Taten.

Bei Franz sind immer alle Charaktere besonders intelligent, besonders gutaussehend und besonders jung. Oft alles auf einmal. Klischees an allen Ecken und Enden und manche Dialoge könnten einer Sechsklässler-Theater-AG entsprungen sein. Die Ermittlungen nehmen leider etwas unüberzeugende Wendungen und das Ende – allen voran der finale Tippgeber – sind schon fast albern. Aber dennoch – und wo ich diese Zeilen hier gerade tippe wundert es mich auch -, war es an manchen Stellen so spannend, dass ich es nicht beiseite legen wollte.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Mörderische Tage” von Andreas Franz
Gelesen im Oktober 2009 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: geliehen

08 Okt

Buch: Tödliches Lachen

Das spannendste an Krimis und Thrillern ist es für mich, zusammen mit den Kommissaren zu ermitteln und Täter, Motiv und weiteren Verlauf der Geschichte zu enträtseln. Oft laufen die Handlungsstränge von Mördern und Fahndern eine ganze Zeit über nebeneinander her und zum Schluss zusammen – manchmal staunt der Leser, manchmal wusste er schon vorher Bescheid. Auch bei diesem Franz hätte es sich angeboten so zu verfahren, indem etwas weniger über den Täter erzählt und die Spannung gehalten wird. Leider wird aber sehr schnell klar, wer und wie dicht der Übeltäter der Protagonistin Julia Durant ist. Viel Spaß geht so verloren und der Leser ist irgendwie außen vor.

Ansonsten gibts halt wieder viel “maliziöses Lächeln” sowie eine Menge Schwarz und Weiß. Die Handlung ist nicht schlecht, gibt aber nicht viel mehr her als ein gewöhnlicher Tatort, ist aber spannender und blutiger als bei anderen Büchern dieser Reihe.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Tödliches Lachen” von Andreas Franz
Gelesen im Oktober 2009 · Lesezeit: knapp eine Woche
Quelle: geliehen

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