Sobald Autoren mehr als ein Buch veröffentlichen, sind deutsche Verlage anscheinend besonders scharf darauf, die Werke hinsichtlich Optik und Namensgebung auffallend gleich zu gestalten. Das kennt man beispielsweise von Stephen King, dessen Titel oft absolut nichts mit der Geschichte oder der Originalfassung zu tun haben und das ist auch bei Peter James so.
Nach Stirb ewig, wird nun schön gestorben.
Dieses mal geht es um einen Shuff-Video-Ring, dem Roy Grace das Handwerk zu legen versucht.
Das Buch ist ein solider Krimi, der das vorhandene Potential leider nicht wirklich auszunutzen vermag. Obwohl gut geschrieben, nehmen die häufigen Sprünge zwischen Ermittlungsarbeit und Privatleben des Detectivs unnütz die Spannung aus dem Lesefluss.
Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Stirb schön”, orig. “Looking good dead” von Peter James · Gelesen im März 2010 · Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft
Schweden-Krimis sind ja wohl anscheinend ein Genre für sich. Sind sie mir früher nie aufgefallen, überfluten sie plötzlich Buchhandlungen und Fernsehzeitschriften. Es war also mal an der Zeit ein skandinavisches Produkt auf die Probe zu stellen – immerhin pappt auf dem Buch ein “Spiegel-Bestseller”-Klebchen.
Bei Mensch ohne Hund stellt Håkan Nesser seinen Inspektor Barbarotti erstmalig vor. Mittlerweile sind zwei weitere Bücher der Serie um den Ermittler einer schwedischen Kleinstadt erschienen.
Die Geschichte beginnt schleppend und mit dem Portrait einer sehr heterogenen Familie. Diese kommt nach langer Zeit zu einer Familienfeier zusammen, bei der dann nacheinander zwei Mitglieder von jetzt auf gleich und spurlos verschwinden.
Der Inspektor – den der Leser immerhin ein Jahr lang bei den Ermittlungen und im Privatleben begleitet – bleibt etwas kontrastarm und uninteressant. Langweilig wurde die Geschichte nicht, aber wirklich spannend ist sie auch nicht, zumal das Ende nicht wirklich überraschend und dann auf einmal etwas plötzlich daher kommt.
Bewertung: 2 von 5 Sternchen · “Mensch ohne Hund”, orig. “Människa utan hund” von Håkan Nesser · Gelesen im Februar 2010 · Quelle: geliehen
Schon alleine der Titel lässt eher an eine Folge der Drei ??? oder TKKG als an einen Thriller denken. Entsprechend spannend ist der Krimi dann auch und damit das komplette Gegenteil von Schwesternmord und Scheintot – beides tolle Bücher, die der gleichen Feder entstammen! Aber auch handwerklich wird über einen Groschenroman hinaus nichts geboten und die Handlung ist dermaßen platt und öde, dass man sich freut, wenn nach 200 Seiten Schluss ist. Kitschige Romantikelemente à la “Du musst mich verlassen, das ist sicherer für Dich!” gibt es nach fast jedem Umblättern und ich kann hier getrost verraten, dass es ein Happy-End gibt, denn etwas anderes erwartet nach dem dritten Kapitel eh keiner mehr.
Ich war so enttäuscht, dass ich mir den zweiten Roman, mit dem das Geheimlabor gemeinsam im Band Akte Weiß erschienen ist, schenken und etwas anderes lesen werde. Ein Sternchen gibt es, da es sich um eines der früheren Werke von Tess Gerritsen handelt. Das an dieser Stelle eigentlich obligatorische Buchzitat spar ich mir auch.
Bewertung: 1 von 5 Sternchen · “Das Geheimlabor”, orig. “Whistleblower” von Tess Gerritsen · Gelesen Oktober 2009 · Lesezeit: drei Tage · Quelle: geliehen
Gleich das Erstlingswerk als Stürmer der Verkaufs-Charts und Liebling der Kritiker zu erleben, muss phantastisch sein. Mit Tannöd sackte Andrea Marie Schenkel auch gleich den Deutschen und Schwedischen Krimipreis, sowie den Friedrich-Glauser-Preis ein, und hat somit das erreicht, was vielen etablierten Autoren lange verwehrt bleibt. Wie gerechtfertigt ist dieser Hype? Ausreichend, denke ich.
Auf nur rund 150 Seiten erzählt die Autorin ihre Kriminalgeschichte, die trotz der nicht weltbewegenden Handlung doch so ganz anders ist, als der gewöhnliche Krimi. Eine ganze Reihe von einzelnen Monologen erweckt den Eindruck einer Dokumentation und wechselt sich mit Einschüben aus der Perspektive des Täters ab. In die Nachkriegszeit verlegt und mit fiktiven Elementen umschmückt basiert die Geschichte auf einem realen Vorfall der oberbayerischen Einöde aus dem Jahr 1922 – einen sechsfachen Mord. Durch die Verwendung der ungeschönten, einfachen Sprache der Bewohner wird der Leser unmittelbar in die damalige Zeit, ein abgeschiedenes Dorf und eine Atmosphäre, in der niemand dem anderen traut, versetzt. Gerüchte, Tratsch und Ängste prägen die Berichte der Interviewpartner und lassen somit anfänglich mehrere Verdächtige und tiefe Einblicke in das Landleben unserer Großeltern zu.
Ich sag’s noch mal, und immer wieder sag ich’s, der Teufel hat die Sippschaft geholt. Gewittert hat’s doch auch in der Nacht vom Freitag auf den Samstag. Der Freitag ist ein guter Tag für die schwarzen Leit und für die Trud und des ganze Volk. So mancher ist schon am Freitag verschwunden, noch dazu in einem solchen Haus, in dem sich schon einer umbracht hat.
Tannöd ist mal etwas neues und hat mir wohl auch deshalb viel Spaß gemacht. Auf die zwischendurch eingestreuten Gebet-Texte könnte man gut und gerne verzichten – deren Sinn hat sich mir nicht erschlossen. Obwohl, oder gerade weil der eigentliche Roman nicht gerade umfangreich und somit die Phantasie des Lesers mehr als bei 400-Seiten-Werken gefragt ist, kommen weder Handlung noch Atmosphäre zu kurz.
Bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt, als Grundlage für Theaterinszenierungen verwendet und mit der Aussicht auf eine Kinoverfilmung, wäre das doch mal die ideale Alternative für zeitgenössische Literatur im Schulunterricht.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Tannöd” von Andrea Marie Schenkel · Gelesen im September 2009 · Lesezeit: zwei Stunden · Quelle: geliehen
Ha, mein erster Pferde-Roman. Nein, Quatsch. Die Handlung des Krimis von Andreas Franz spielt zwar viel auf einem Reiterhof, beleuchtet dort aber eher einen Mordfall, als die Reiteridylle. Leider knickt die Spannung nach den ersten Kapiteln sehr stark weg.
Die Unruhe hatte wieder von ihm Besitz ergriffen. Eine Unruhe, die er nicht beschreiben konnte, die aber in ihm war, äußerlich nicht sichtbar, er zitterte nicht, er hatte keine Schweißausbrüche, nein, nichts von dem. Es war ein inneres Zittern und Vibrieren, aber nicht unangenehm.
Nach dem vierten Buch von Franz wird es ein wenig eintönig. Die Motive, Tathergänge und Verdächtigen sind irgendwie gleich, die Ermittler entwickeln sich nicht wirklich, menschliche Abgründe erschrecken nicht mehr so, wie bei den ersten Büchern. Liest man pro Jahr einen Krimi dieser Art, fällt das sicher nicht störend auf, aber hintereinander weg konsumiert, offenbart sich da eine gewisse Einheitlichkeit, über die ein Frankfurter aufgrund der hohen Dosis Lokalkolorit dennoch sicher hinweg sehen könnte.
Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Kaltes Blut” von Andreas Franz · Gelesen im August 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: geliehen
Heile Familien, Statussymbole und schicke Wohngegenden – alles nur Fassade. Zumindest, wenn es nach Andreas Franz geht.
Auch in seinem Werk Tod eines Lehrers ist nach dem Mord an den Studienrat Schirner mal wieder nichts so wie es scheint.
Sowohl Kommissar Brandt, als auch seine Kollegin Julia Durant ermitteln im Rhein-Main-Gebiet. Durch die unterschiedlichen Krimi-Reihen wird für etwas Abwechslung gesorgt. Dennoch setzt anscheinend nach dem dritten gelesenen Buch eine leichte Routine ein – die Themen sind ähnlich, die Motive etwas austauschbar. Dennoch: Eine solide und spannende, schnell gelesene Geschichte. Vor meinem nächsten Franz-Buch (ich habe da einen ganze Stapel geliehen bekommen), werde ich erst mal etwas anderes lesen.
Sie hoffe inständig, der böse Traum von eben würde nicht das bedeuten, was sie in ihrem tiefsten Innern vermutete, nein, eigentlich wusste sie es, denn ihre Träume hatten noch nie gelogen.
Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Tod eines Lehrers” von Andreas Franz · Gelesen im August 2009 · Lesezeit: vier Tage · Quelle: geliehen
Der achtzigjährige Morey Gilbert wird tot und mit einem 9mm-Loch im Kopf in seiner Gärtnerei gefunden. Wer hat den allseits beliebten Senior auf dem Gewissen, warum werden weitere nette, alte Leute hingerichtet und was verbindet die Taten?
Aber bei dieser Leiche war es schlimmer als sonst. Erst ein Tag war mit Ermittlungen vergangen, und er empfand nicht nur Mitleid mit dem Opfer. Langsam empfand er bereits Mitleid mit sich selbst, weil er den Mann nicht gekannt hatte. Das war ihm noch nie passiert.
Trotz des tiefgründigen und tragisch-ernsten Hintergrundes der Handlung, schreibt des Autorenduo erneut stets mit unterschwelligen Humor und Witz. Zusammen mit den sympathischen Cops Leo und Gino tappt der Leser sehr lange im Dunkeln, bevor sich Kreise schließen und Abgründe öffnen.
Der Abspann erscheint mir etwas lang geraten, aber wer das Spiel unter Freunden mochte, wird auch den Köder gut finden. Es empfiehlt sich, die Reihenfolge beim Lesen einzuhalten – wenn auch eher auf privater Ebene, ist eine Entwicklung der Charaktere stark erkennbar.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Der Köder”, orig. “Live Bait” von P. J. Tracy · Gelesen im August 2009 · Lesezeit: zwei Wochen · Quelle: neu aus dem Buchladen
Der Spitzenreiter sämtlicher Kriminalitätsstatistiken verteidigt seinen Platz auch im zweiten Roman von Andreas Franz. Erneut zieht ein Unbekannter durch die Stadt am Main und hinterlässt eine blutige Spur. Vorgehensweise, Opfergruppe und Intention des Täters unterscheiden sich, das Ermittlungsteam hingegen kaum. Julia Durant führt die Sonderkommission ein weiteres Mal an und somit von einem Tatort zum nächsten.
Das achte Opfer thematisiert zahlreiche brisante gesellschaftliche Themen, zeigt die starke Grauzone zwischen Recht und Unrecht und greift die Aspekte Selbstjustiz und Todesstrafe auf, ohne dabei wirklich Position zu beziehen. Es bleibt dem Leser überlassen, wie viel Verständnis den Extremen gegenüber aufgebracht wird – das hat mir sehr gut gefallen.
Er kennt seine Opfer persönlich, wobei diese niemals auf die in Ihren Augen absurde Idee kommen würden, dass ausgerechnet er sie im nächsten Moment umbringen würde.
Alle bereits in Jung, blond, tot erwähnten Charaktere kamen mir sehr vertraut vor. Aber auch der Schreibstil ist unverwechselbar der gleiche, manche Formulierung lässt sich gar in beiden Büchern finden. Passivrauch-Husten stellt sich erneut ein, gesoffen wird eigentlich den ganzen Tag. Franz steht auf lakonisches Lächeln! Ich wüsste zwar gerade nicht, wie man das tut, aber in seinen Büchern machen das alle. Und ja, sein Unterwäschefetisch ist pathologisch.
Wenn man sich mal ein paar Rezensionen zu Krimis durchliest, behaupten ja immer sehr viele von Anfang an gewusst zu haben, wer der Täter ist. Manchmal mag das ja stimmen, aber bei diesem Buch ist es sicher meist großschnauziger Blödsinn. Von den Genies und Möchtegern-Profilern unter uns einmal abgesehen, wird man mit dem achten Opfer ziemlich lange einen ziemlich spannenden Lesespaß haben.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Das achte Opfer” von Andreas Franz · Gelesen im August 2009 · Lesezeit: drei Tage · Quelle: geliehen
In der Main-Metropole Frankfurt geht ein Serienmörder um. Seine Opfer sind ausschließlich jung, blond – und dann eben tot. Die Ermittlerin Julia Durant hat nur wage Spuren und diese führen ausgerechnet zur umkooperativen Highsociety der Stadt.
Der solide Krimi hat schon so manches Jahr auf dem Buckel, das ist nicht störend, verleiht ihm eher das besondere Etwas – Mobilfunk und Internet stecken in den Kinderschuhen. Leider wird mit Kripo-Klischees nur so um sich geworfen: Ohne ein kaputtes Privatleben, Kettenrauchen und jede Menge Alkohol – was die Kommissarin da sich da alles rein schüttet! – geht so eine Geschichte allem Anschein nach nicht. Dennoch ist diese gut geschrieben und bietet einen abstoßenden Einblick in das Leben der Oberschicht.
Der Dämon hatte sich an die Stelle seines Verstandes gesetzt. Es war, als hätte der Dämon ihm befohlen, heute herzukommen, heute würde er sie treffen, obgleich es bald Nacht war und blonde Mädchen um diese Zeit und zu diesen Zeiten in der Regel nicht mehr allein aus dem Haus gingen.
Obwohl der Täter duzende von Seiten vor Ende des Buches benannt wird, bleibt die Lektüre durchgehend spannend und ist ziemlich frei von unnützen Längen. Andreas Franz scheint einen ausgeprägten Komma-Kettensatz- und Unterwäschefetisch zu haben – das werde ich in einem weiteren Krimi aus seiner Feder überprüfen müssen!
Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Jung, blond, tot” von Andreas Franz · Gelesen im Juli 2009 · Lesezeit: zwei Wochen · Quelle: geliehen
Wenn man so durch die Buchhandlung schlendert, greift man nach manchen Büchern aufgrund der guten Platzierung in irgendwelchen Bestellerlisten, manchmal ist man wegen des Autors aufmerksam und ab und zu liegt es schlicht am auffallenen Cover. So war das auch bei Logoland. Und während diese Vorgehensweise sonst nicht immer zu einer guten Geschichte führt, war das hier ausnahmsweise mal nicht so.
Man stelle sich eine Welt vor, die ausschließlich durch Wettbewerb, Marktwirtschaft und Globalisierung definiert ist. Die haben wir doch schon? Denkste! In der von Max Barry geschaffenen satirischen Welt sind Straßen und Schulen ebenso privatisiert wie die Polizei, die Beauftragung eines Krankenwagens kann nur nach Nennung der Kreditkartennummer erfolgen und den eigenen Nachnamen bekommt man von seinem Arbeitgeber. Alle großen Konzerne sind in einem der beiden konkurrierenden großen Bonusprogrammen organisiert – McDonalds, Nike und Appple auf der einen, Burger King, Reebok und IBM auf der anderen Seite. Die Regierung ist – gut, ein weniger utopischer Aspekt – pleite und machtlos.
Wie kurbelt man den Absatz eines für 85 Cent produzierten und für stolze 2.500 Dollar angepriesenden Sportschuhs an? Hier ist neue und bahnbrechende Form des Guerilla-Marketings erforderlich: Man erschieße einige Kunden und lasse es so ausschauen, als würden diese nur für den Besitz der künstlich verknappten Ware töten.
Hören Sie, es geht mir hier um mehr als um eine neue Werbekampagne. Es geht mir darum, die Regierung loszuwerden – das größte Hindernis in der Geschichte der Wirtschaft. Natürlich hat die Sache eine Kehrseite – anders ist es eben nicht möglich. Ja, es sind ein paar Menschen dabei umgekommen. Aber betrachten Sie einmal den Vorteil!
Max Barry beschreibt sein bedrückendes Logoland plastisch und beklemmend, dabei machen die realen Markennamen seine Vision erschreckend realisitisch. Schmunzler und Kopfschüttler wechseln sich beim Lesen ab und machen die Lektüre wertvoll.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Logoland”, orig. “Jennifer Government” von Max Barry · Gelesen im Juni 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: neu aus dem Buchladen