Stichwort: Krimi

01 Okt

Buch: Tannöd

Stichworte: , , 1 Kommentar

Gleich das Erstlingswerk als Stürmer der Verkaufs-Charts und Liebling der Kritiker zu erleben, muss phantastisch sein. Mit Tannöd sackte Andrea Marie Schenkel auch gleich den Deutschen und Schwedischen Krimipreis, sowie den Friedrich-Glauser-Preis ein, und hat somit das erreicht, was vielen etablierten Autoren lange verwehrt bleibt. Wie gerechtfertigt ist dieser Hype? Ausreichend, denke ich.

Auf nur rund 150 Seiten erzählt die Autorin ihre Kriminalgeschichte, die trotz der nicht weltbewegenden Handlung doch so ganz anders ist, als der gewöhnliche Krimi. Eine ganze Reihe von einzelnen Monologen erweckt den Eindruck einer Dokumentation und wechselt sich mit Einschüben aus der Perspektive des Täters ab. In die Nachkriegszeit verlegt und mit fiktiven Elementen umschmückt basiert die Geschichte auf einem realen Vorfall der oberbayerischen Einöde aus dem Jahr 1922 – einen sechsfachen Mord. Durch die Verwendung der ungeschönten, einfachen Sprache der Bewohner wird der Leser unmittelbar in die damalige Zeit, ein abgeschiedenes Dorf und eine Atmosphäre, in der niemand dem anderen traut, versetzt. Gerüchte, Tratsch und Ängste prägen die Berichte der Interviewpartner und lassen somit anfänglich mehrere Verdächtige und tiefe Einblicke in das Landleben unserer Großeltern zu.

Tannöd ist mal etwas neues und hat mir wohl auch deshalb viel Spaß gemacht. Auf die zwischendurch eingestreuten Gebet-Texte könnte man gut und gerne verzichten – deren Sinn hat sich mir nicht erschlossen. Obwohl, oder gerade weil der eigentliche Roman nicht gerade umfangreich und somit die Phantasie des Lesers mehr als bei 400-Seiten-Werken gefragt ist, kommen weder Handlung noch Atmosphäre zu kurz.

Bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt, als Grundlage für Theaterinszenierungen verwendet und mit der Aussicht auf eine Kinoverfilmung, wäre das doch mal die ideale Alternative für zeitgenössische Literatur im Schulunterricht.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Tannöd” von Andrea Marie Schenkel
Gelesen im September 2009 · Lesezeit: zwei Stunden
Quelle: geliehen

29 Sep

Buch: Unsichtbare Spuren

Anders als sonst wird der Killer in diesem Franz zur Abwechslung mal durch Norddeutschland gejagt. Außerdem ist mit dem Duo Henning/Santos ein anderes Team auf der Seite der Guten. Aber eigentlich geht es mal wieder um einen Killer, der aus dem Dunklen nach seinen Opfern greift – wenn nun auch besonders häufig und wahllos.
Die Story ist die beste aller Franz-Bücher, die ich bisher gelesen habe. Spannende, gar tragische Situationen sind gut beschrieben. Allerdings gingen mir die langweiligen Dialoge der durchweg extrem unsympathischen Kripo-Menschen mit der Zeit auf die Nerven und die regelmäßig gebetsmühlenartig heruntergeschriebene Möchtegern-Psychoanalsyse, die mehr auf Klischees, denn auf einem stabilen Fundament ruht ist alles andere als großes Kino.

Etwas mehr Geschwindigkeit, zwei Morde weniger und dafür mehr Realismus – dann wäre das Buch klasse.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Unsichtbare Spuren” von Andreas Franz
Gelesen im September 2009 · Lesezeit: gut eine Woche
Quelle: geliehen

15 Sep

Buch: Kaltes Blut

Ha, mein erster Pferde-Roman. Nein, Quatsch. Die Handlung des Krimis von Andreas Franz spielt zwar viel auf einem Reiterhof, beleuchtet dort aber eher einen Mordfall, als die Reiteridylle. Leider knickt die Spannung nach den ersten Kapiteln sehr stark weg.

Nach dem vierten Buch von Franz wird es ein wenig eintönig. Die Motive, Tathergänge und Verdächtigen sind irgendwie gleich, die Ermittler entwickeln sich nicht wirklich, menschliche Abgründe erschrecken nicht mehr so, wie bei den ersten Büchern. Liest man pro Jahr einen Krimi dieser Art, fällt das sicher nicht störend auf, aber hintereinander weg konsumiert, offenbart sich da eine gewisse Einheitlichkeit, über die ein Frankfurter aufgrund der hohen Dosis Lokalkolorit dennoch sicher hinweg sehen könnte.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Kaltes Blut” von Andreas Franz
Gelesen im August 2009 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: geliehen

24 Aug

Buch: Tod eines Lehrers

Heile Familien, Statussymbole und schicke Wohngegenden – alles nur Fassade. Zumindest, wenn es nach Andreas Franz geht.
Auch in seinem Werk Tod eines Lehrers ist nach dem Mord an den Studienrat Schirner mal wieder nichts so wie es scheint.

Sowohl Kommissar Brandt, als auch seine Kollegin Julia Durant ermitteln im Rhein-Main-Gebiet. Durch die unterschiedlichen Krimi-Reihen wird für etwas Abwechslung gesorgt. Dennoch setzt anscheinend nach dem dritten gelesenen Buch eine leichte Routine ein – die Themen sind ähnlich, die Motive etwas austauschbar. Dennoch: Eine solide und spannende, schnell gelesene Geschichte. Vor meinem nächsten Franz-Buch (ich habe da einen ganze Stapel geliehen bekommen), werde ich erst mal etwas anderes lesen.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Tod eines Lehrers” von Andreas Franz
Gelesen im August 2009 · Lesezeit: vier Tage
Quelle: geliehen

17 Aug

Buch: Der Köder

Der achtzigjährige Morey Gilbert wird tot und mit einem 9mm-Loch im Kopf in seiner Gärtnerei gefunden. Wer hat den allseits beliebten Senior auf dem Gewissen, warum werden weitere nette, alte Leute hingerichtet und was verbindet die Taten?

Trotz des tiefgründigen und tragisch-ernsten Hintergrundes der Handlung, schreibt des Autorenduo erneut stets mit unterschwelligen Humor und Witz. Zusammen mit den sympathischen Cops Leo und Gino tappt der Leser sehr lange im Dunkeln, bevor sich Kreise schließen und Abgründe öffnen.

Der Abspann erscheint mir etwas lang geraten, aber wer das Spiel unter Freunden mochte, wird auch den Köder gut finden. Es empfiehlt sich, die Reihenfolge beim Lesen einzuhalten – wenn auch eher auf privater Ebene, ist eine Entwicklung der Charaktere stark erkennbar.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Der Köder”, orig. “Live Bait” von P. J. Tracy
Gelesen im August 2009 · Lesezeit: zwei Wochen
Quelle: neu aus dem Buchladen

04 Aug

Buch: Das achte Opfer

Stichworte: , , 2 Kommentare

Der Spitzenreiter sämtlicher Kriminalitätsstatistiken verteidigt seinen Platz auch im zweiten Roman von Andreas Franz. Erneut zieht ein Unbekannter durch die Stadt am Main und hinterlässt eine blutige Spur. Vorgehensweise, Opfergruppe und Intention des Täters unterscheiden sich, das Ermittlungsteam hingegen kaum. Julia Durant führt die Sonderkommission ein weiteres Mal an und somit von einem Tatort zum nächsten.

Das achte Opfer thematisiert zahlreiche brisante gesellschaftliche Themen, zeigt die starke Grauzone zwischen Recht und Unrecht und greift die Aspekte Selbstjustiz und Todesstrafe auf, ohne dabei wirklich Position zu beziehen. Es bleibt dem Leser überlassen, wie viel Verständnis den Extremen gegenüber aufgebracht wird – das hat mir sehr gut gefallen.

Alle bereits in Jung, blond, tot erwähnten Charaktere kamen mir sehr vertraut vor. Aber auch der Schreibstil ist unverwechselbar der gleiche, manche Formulierung lässt sich gar in beiden Büchern finden. Passivrauch-Husten stellt sich erneut ein, gesoffen wird eigentlich den ganzen Tag. Franz steht auf lakonisches Lächeln! Ich wüsste zwar gerade nicht, wie man das tut, aber in seinen Büchern machen das alle. Und ja, sein Unterwäschefetisch ist pathologisch. ;)

Wenn man sich mal ein paar Rezensionen zu Krimis durchliest, behaupten ja immer sehr viele von Anfang an gewusst zu haben, wer der Täter ist. Manchmal mag das ja stimmen, aber bei diesem Buch ist es sicher meist großschnauziger Blödsinn. Von den Genies und Möchtegern-Profilern unter uns einmal abgesehen, wird man mit dem achten Opfer ziemlich lange einen ziemlich spannenden Lesespaß haben.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Das achte Opfer” von Andreas Franz
Gelesen im August 2009 · Lesezeit: drei Tage
Quelle: geliehen

01 Aug

Buch: Jung, blond, tot

Stichworte: , , 2 Kommentare

In der Main-Metropole Frankfurt geht ein Serienmörder um. Seine Opfer sind ausschließlich jung, blond – und dann eben tot. Die Ermittlerin Julia Durant hat nur wage Spuren und diese führen ausgerechnet zur umkooperativen Highsociety der Stadt.

Der solide Krimi hat schon so manches Jahr auf dem Buckel, das ist nicht störend, verleiht ihm eher das besondere Etwas – Mobilfunk und Internet stecken in den Kinderschuhen. Leider wird mit Kripo-Klischees nur so um sich geworfen: Ohne ein kaputtes Privatleben, Kettenrauchen und jede Menge Alkohol – was die Kommissarin da sich da alles rein schüttet! – geht so eine Geschichte allem Anschein nach nicht. Dennoch ist diese gut geschrieben und bietet einen abstoßenden Einblick in das Leben der Oberschicht.

Obwohl der Täter duzende von Seiten vor Ende des Buches benannt wird, bleibt die Lektüre durchgehend spannend und ist ziemlich frei von unnützen Längen. Andreas Franz scheint einen ausgeprägten Komma-Kettensatz- und Unterwäschefetisch zu haben – das werde ich in einem weiteren Krimi aus seiner Feder überprüfen müssen!

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Jung, blond, tot” von Andreas Franz
Gelesen im Juli 2009 · Lesezeit: zwei Wochen
Quelle: geliehen

20 Jun

Buch: Logoland

Wenn man so durch die Buchhandlung schlendert, greift man nach manchen Büchern aufgrund der guten Platzierung in irgendwelchen Bestellerlisten, manchmal ist man wegen des Autors aufmerksam und ab und zu liegt es schlicht am auffallenen Cover. So war das auch bei Logoland. Und während diese Vorgehensweise sonst nicht immer zu einer guten Geschichte führt, war das hier ausnahmsweise mal nicht so.

Man stelle sich eine Welt vor, die ausschließlich durch Wettbewerb, Marktwirtschaft und Globalisierung definiert ist. Die haben wir doch schon? Denkste! In der von Max Barry geschaffenen satirischen Welt sind Straßen und Schulen ebenso privatisiert wie die Polizei, die Beauftragung eines Krankenwagens kann nur nach Nennung der Kreditkartennummer erfolgen und den eigenen Nachnamen bekommt man von seinem Arbeitgeber. Alle großen Konzerne sind in einem der beiden konkurrierenden großen Bonusprogrammen organisiert – McDonalds, Nike und Appple auf der einen, Burger King, Reebok und IBM auf der anderen Seite. Die Regierung ist – gut, ein weniger utopischer Aspekt – pleite und machtlos.

Wie kurbelt man den Absatz eines für 85 Cent produzierten und für stolze 2.500 Dollar angepriesenden Sportschuhs an? Hier ist neue und bahnbrechende Form des Guerilla-Marketings erforderlich: Man erschieße einige Kunden und lasse es so ausschauen, als würden diese nur für den Besitz der künstlich verknappten Ware töten.

Max Barry beschreibt sein bedrückendes Logoland plastisch und beklemmend, dabei machen die realen Markennamen seine Vision erschreckend realisitisch. Schmunzler und Kopfschüttler wechseln sich beim Lesen ab und machen die Lektüre wertvoll.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Logoland”, orig. “Jennifer Government” von Max Barry
Gelesen im Juni 2009 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: neu aus dem Buchladen

04 Jun

Buch: Der Poet

Nach dem vermeintlichen Selbstmord seines Bruders stellt der Journalist Jack McEvoy auf eigene Faust Nachforschungen an und findet sich plötzlich mitten in FBI-Ermittlungen und der Story seines Lebens wieder.

Der Poet konnte mich mehr begeistern, als es der Kalte Tod vermochte. Anders als das erste Buch, dass ich von Michael Connelly gelesen habe, geht es hier auch nicht um den Protagonisten einer Reihe, sondern um einen ganz unabhängigen Plot. Und dieser ist ziemlich geschickt geschrieben, denn neben dem in der Ich-Perspektive verfassten Hauptteil, gibt es immer wieder Einschübe eines Erzählers, mit Momentaufnahmen aus dem Tun des Gejagten. Wirklich innovativ ist die Handlung zwar nicht, allerdings muss man dem Autor nachsehen das die Veröffentlichung bereits im Jahr 1996 erfolgte. Zu erkennen ist das ganz amüsant am Stand der Technik: Laptops sind etwas besonderes, Handys nicht die Regel und Internetverbindungen gähnend langsam.

Schön ist einmal mehr die Wendung zum so nicht Erwarteten, wenngleich es hier zum Ende hin etwas an der Auflösung hapert.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Der Poet”, orig. “The Poet” von Michael Connelly
Gelesen im Juni 2009 · Lesezeit: eine knappe Woche
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

22 Apr

Buch: Kalter Tod

Gut zu lesen, aber irgendwie etwas oberflächlich. So könnte man meine Meinung zu meinem ersten Roman von Michael Connelly zusammenfassen. Die Geschichte um den Detective Harry Bosch, einen mysteriösen Mord und der schwerfälligen Ermittlungsarbeit in Los Angeles hätte Potential, aber hört zu plötzlich, zu banal auf, als dass sie mich richtig begeistert hätte.

Einige Anspielungen auf vergangene Einsätze und dann spätestens das umfangreiche Werkverzeichnis der deutschen Ausgabe weisen darauf hin, dass dem Protagonisten bereits eine ganze Serie gewidmet wurde. Vorwissen ist allerdings nicht erforderlich.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Kalter Tod”, orig. “The Overlook” von Michael Connelly
Gelesen im April 2009 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

Page 2 of 3«123»