Stichwort: Meinung

21 Feb

Buch: Dein Wille geschehe

Auch ohne Blut ist Spannung möglich!
Der Thriller Dein Wille geschehe von Michael Robotham hat zwar mal wieder einen total zusammenhanglosen und schwachsinnigen Titel, ist aber dennoch ein idealer Beweis für meine These. Die Geschichte packt einen gleich von Beginn an und spielt – genauso wie der mörderische Psychopath – mit den ureigenen Ängsten eines Menschen.
Pluspunkte sind durch die stimmigen Ausführungen zum Leben des die Ermittlungen begleitenden Psychologen sowie für die gut eingebauten Perspektivenwechsel zwischen den beiden Kontrahenten zu vergeben. Beweggründe und Motive beider Seiten werden ausführlich aufgezeigt und lassen die Handlung stets glaubwürdig erscheinen.

Nach dem die letzte Seite umgeschlagen wurde bleibt eine beunruhigend Frage in der Luft. Sind Menschen wirklich so weit manipulierbar?
Eltern haben wahrscheinlich eine noch viel dringlichere: Wo ist eigentlich gerade mein Kind?

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Dein Wille geschehe”, orig. “Shatter” von Michael Robotham
Gelesen im Februar 2012
Quelle: zum Geburtstag bekommen

18 Feb

Eine Nacht in der Feng-Shui-Suite

fiFengShui

Nicht selten überkommt einem beim Betreten eines Hotelzimmers ein bedrückendes Gefühl: Möbel, Teppiche und Bäder scheinen einer anderen Epoche zu entstammen, haben ihre beste Zeit längst hinter sich und versuchen dennoch weiterhin krampfhaft irgendwie luxuriös zu wirken. Ein erfreulich anderes Erlebnis war hier unser Aufenthalt in der Feng-Shui-Suite des Loccumer Hofes, der uns freundlicherweise zum Testen zur Verfügung gestellt wurde.
Auf den gemütlichen 50 Quadratmetern fühlt man sich sofort wohl. Wunderschöne Möbel aus dem Hause Sam-Nok sorgen für eine einzigartige und warme Atmosphäre, harmonieren spitzenmäßig miteinander und laden zu einer Entdeckungsreise ein. Neben einer gemütlichen Sitzecke verfügt die Suite nämlich über eine nahezu vollwertige kleine Küche samt Theke, ein tolles Himmelbett und ein geräumiges Badezimmer. Letzteres weist mit einer großen Whirlwanne dann noch ein weiteres Highlight auf.

Das kleine 4-Sterne-Hotel in Hannovers City ist ein Familienbetrieb mit knapp 100 Zimmern, von denen einige thematisch eingerichtet sind. Neben Feng-Shui gibt es beispielsweise die Themen Afrika, Mexiko oder Tibet sowie Zimmer zu den Elementen Erde, Feuer, Luft und Wasser.

Wer gut schläft, der möchte auch gut Frühstücken und auch davon haben wir uns überzeugen können. Obwohl nur wenig Gäste mit uns im Hotel waren, präsentierte sich das Buffet umfangreich und hochwertig. Warme Extras, wie beispielsweise das Rührei mit Speck, blubberten nicht stundenlang auf kleiner Flamme, sondern wurden bei Bedarf frisch zubereitet. Unser Tipp: Gebackene Banane mit Honig – sehr lecker!

Das Personal haben wir als durchgehend freundlich und zuvorkommend kennengelernt. Hier scheint die Arbeit Spaß zu machen.

Gerade in dieser Woche werden die letzten Möbel in unsere neue Wohnung geliefert – und schon träumt die Herzdame von einem Schlafzimmer im ähnlichen Stil! Wahrscheinlich ist es also nur eine Frage der Zeit, bis wir ein Sam-Nok-Bett haben werden. Die Whirlwanne passt nur leider definitiv nicht in unser Badezimmer!

23 Dez

Buch: Ich darf nicht schlafen

Stichworte: , 4 Kommentare

Wenn mal wieder der Beweis zu erbringen wäre, dass geschicktes Marketing nur allzu oft mangelnde Qualität wett zu machen versucht, bietet sich dieses Buch an: Man schreibe “Thriller” auf ein auffallend gestaltetes Cover, klebe – frei von jeglichen Bezug – eine Motte drauf und spart sich dafür den Inhalt. Und damit beim Durchblättern nicht auffällt, dass die meisten Seiten leer sind und um eine Mindestdicke zu erreichen, schreibt man einfach stets den gleichen Text hinein.

Die Grundhandlung hat dabei eigentlich Potential: Christine wacht in einem Ihr fremden Schlafzimmer neben einem Unbekannten auf und erfährt im weiteren Verlauf, dass sie unter einer besonderen Art einer Amnesie leidet, die sie über Nacht sämtliche Erinnerungen vergessen lässt. Verlässlich und seit Jahrzehnten. Mit Hilfe eines Tagebuchs versucht sie die Gewalt über ihr Leben zurück zu gewinnen.

Steve Watson verdeutlicht diesen Sachverhalt nun auf etwa die gleiche Weise, wie Bill Murray vor fast 20 Jahren in Und täglich grüßt das Murmeltier. Nur nicht mit lustig. Wenn man beim Lesen dann so hartnäckig bleibt wie ich, da man sich fragt, wann denn nun der Thriller-Teil des Romans anfängt, stellt man fest, dass die Auflösung der Geschichte leider genauso fade ist wie ihr Rest und das Genre-Label hier wieder einmal nur missbräuchlich als Kaufhilfe eingesetzt wurde. Ärgerlich und nicht empfehlenswert.

Bewertung: 1 von 5 Sternchen
“Ich. Darf. Nicht. Schlafen.”, orig. “Before I go to sleep” von S. J. Watson
Gelesen im Dezember 2011
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

29 Nov

Buch: Erbarmen

Das dänische Sonderdezernat Q wurde neu eingerichtet und gleich spektakulär besetzt: Da ist zum einen der zwar talentierte, aber nicht immer motivierte Ermittler Carl und zum anderen sein “Assistent” Assad, der eigentlich als Putzkraft eingestellt wurde. Ihre Aufgabe besteht darin, bereits seit langem geschlossene Aktendeckel zu öffnen und nie geklärte Fälle neu aufzuarbeiten.
In Erbarmen setzt Jussi Henry Adler-Olsen sein ungleiches Duo auf das Verschwinden der jungen Parlamentsabgeordneten Merete Lynggard an, deren hoffnungsvolle Karriere von einem Moment auf den anderen auf der Fähre zwischen Deutschland und Dänemark beendet wurde. Welchen Grund hätte sie für einen Freitod gehabt? Hatte sie politische Gegner? Welche Rolle spielt ihr Bruder?

Auf zwei zeitlich versetzten Ebenen wird die Geschichte auf sehr spannende Weise erzählt und ist schnell gelesen. Die Figuren werden detailliert beschrieben und der Leser auf eine längere Reihe um das Ermittler-Team vorbereitet. Da werde ich am Ball bleiben.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen
“Erbarmen”, orig. “Kvinden i buret” von Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen
Gelesen im November 2011
Quelle: geliehen

19 Okt

Buch: Der Fledermausmann

Harry Hole habe ich schon einmal auf einer Ermittlung begleitet – nun war ich mit ihm in Australien. In seinem chronologisch ersten Fall hat er dort am anderen der Welt einen Mord an einer Landsfrau aufzuklären.
Die eigentliche Kriminalgeschichte hebt sich nicht wirklich aus der Masse ab, aber überaus gefallen haben mir die Einblicke in den fernen Kontinent und die Welt der Aboriginies. Kommissar Hole wird sympathisch in die Serie eingeführt und ich habe mir sagen lassen, dass Nesbø von Buch zu Buch besser werden soll. Das werde ich sicher noch überprüfen.

Der Fledermausmann liest sich ziemlich schnell, hat dabei einen sehr unausgeglichenen Spannungsbogen, macht in Summe aber durchaus Spaß. Drei Sterne.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Der Fledermausmann”, orig. “Snømannen” von Jo Nesbø
Gelesen im Oktober 2011
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

29 Sep

Film: Hell

Nach all den apokalyptischen Filmen setzt jetzt auch aus deutscher Perspektive Endzeitstimmung ein und Tim Fehlbaum bringt sein Regiedebüt Hell auf die Leinwände. Sobald man sich der deutschen Herkunft bewusst ist, erkennt man, dass der Titel mindestens doppeldeutig, wahrscheinlich aber eher das Gegenteil von dunkel gemeint ist – passt auch ganz gut, denn zum Thema wird hier die Sonne und ihre vernichtende, weil durch Sonnenstürme aus dem Takt geratene Kraft.

Die Menschheit ist in kurzer Zeit – wir befinden uns im Jahre 2016 – stark dezimiert. Einerseits durch die direkte Gefahr der Sonnenstrahlen, andererseits durch die indirekten Folgen in Form von Dürren, Hungersnöten und Wasserknappheit. Durch dieses trostlose Szenario begleiten wir Marie (Hannah Herzsprung), ihre kleine Schwester Leonie und Phillip auf den Weg in die sicher erscheinenden Berge.

Nun, irgendwie war ich beim Schauen hin und her gerissen. Es gibt die wirklich guten, stimmigen und spannenden Szenen, aus der perfekten Perspektive gefilmt. Und und es gibt die 08/15-Momente, bei denen man auch einem Tatort oder der Lindenstraße gegenüber sitzen könnte. Dass das Genre durch eine deutsche Adaption nicht neu erfunden werden kann ist klar, aber ein paar eigene Ideen wären irgendwie schön gewesen und ein wenig mehr Logik und Kontinuität hätte ich mir auch gewünscht. Irgendwann ist dann auch die Sonne nicht mehr so wichtig und der Fokus, die Gefahr für das Trio, verrutscht komplett. Und dann – nach nicht einmal 1,5 Stunden – ist der Film auch ziemlich plötzlich wieder vorbei.

Die Kernidee finde ich gut und die Umsetzung, das ganze Farbschema, passt. Immerhin ist Mut dabei, ein Regiedebüt in diesem, für den deutschen Film gänzlich jungfräulichem, Genre zu platzieren. So manche Leistung der Beteiligten vor und hinter der Kamera kann man leider nur als “stets bemüht” bewertet. Das ist nicht immer genug.

Bewertung: 2 von 5 Sternchen
Gesehen am 27. September um 20:15
im Cinemaxx Hannover Raschplatz · Saal 9, Platz A7
Kostenfaktor: 7,50 Euro

28 Sep

Film: Sommer in Orange

Für mich als Nach-1980er mutet es irgendwie sehr seltsam an, wenn sich orangegekleidete Freaks in Kommunen zusammenrotten, ihren Guru Bhagwan verehren und täglich den Bettgenossen tauschen. Die Reaktion der bayerischen Dorfgemeinschaft, in die dieser wilde Haufen einfällt, kann ich somit leicht nachvollziehen. Mit ihrer Liebe zu FKK, ihrer Begeisterung für ewige Diskussionen und ihrer Verachtung gegenüber spießigen, fleischfressenden Trachtenträgern fallen sie hier natürlich auf und bringen das Dorfleben somit kräftig durcheinander.

Nach Der Name der Leute ist Sommer in Orange schon der zweite Film, den wir dieses Jahr im eher für Streifen abseits des Mainstreams bekannten Kino am Raschplatz geschaut haben. Und sicher ist es nicht der letzte.
Sehr spaßig wird hier mit unterschiedlichen Klischees gespielt und mit viel Augenzwinkern auf die sicherlich stark überzeichneten Eigenarten der kontroversen Gruppen eingegangen. Die kleine Amber Bongard empfiehlt sich mit ihrem Spiel zwischen den Fronten und als Tochter einer Guru-Anhängerin auf Selbstfindungstrip für weitere Hauptrollen.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
Gesehen am 16. September um 21:00
im Kino am Raschplatz · Colosseum
Kostenfaktor: 8,00 Euro

12 Jul

Buch: Die Therapie

Nach dem Motto “Das Beste kommt zum Schluss” habe ich jetzt auch endlich mal das erste Buch von Fitzek gelesen. Jeder der eines der späteren Werke aus seiner Feder mag, sollte die Therapie nicht verpassen.
Gänzlich ohne Blut und Ekel wird die bedrückende Geschichte eines verzweifelten Vaters auf der Suche nach Kind und Wahrheit erzählt. Wie gewohnt ist diese zwar stark konstruiert und spielt dabei auf mehr als einer Ebene gleichzeitig, aber Erzählstil und Spannung lassen meine Bewertung für den wahrscheinlich besten deutschen Thriller-Autor wie immer gut ausfallen.

Bewertung: 5 von 5 Sternchen
“Die Therapie” von Sebastian Fitzek
Gelesen im Juli 2011 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

28 Jun

Fototuning am iPhone

Halftone

Foto-Apps für’s iPhone gibt es ja wie Sand am Meer. Meine zwei aktuellen Lieblinge für das schnelle Bildtuning stell ich mal fix vor.

Mit Halftone ist es möglich, aus einem Bild durch nur wenige Klicks ein Comic-Element zu machen. Zur Verfügung stehen hierfür verschiedene Papiersorten, Rahmenlayouts, Sprechblasen und Stempel und das fertige Bild kann natürlich nicht nur im iPhone-Album abgelegt, sondern auch gleich per eMail, Facebook oder Twitter verbreitet werden. Für kleine Grüße als Postkartenersatz oder einfach mal ein besonderes Foto finde ich Halftone ziemlich cool. (weiterlesen …)

22 Jun

Buch: Amokspiel

In Filmen und Büchern werden Psychologen und Psychiater ja meist selber als ihre besten Kunden dargestellt. So ist es auch beim Amokspiel, bei dem gleich zwei Vertreter dieser Zunft um den Titel der kaputtesten seelischen Verfassung zu ringen scheinen. Während der eine im Kampf um seine große Liebe zum Terroristen wird, ist die andere zwischen Selbstmordplänen und der Verhandlungsführung hin und her gerissen. Ort des Schauspiels ist dabei weitestgehend ein kleiner Radiosender, über den der Amokläufer sich Gehör verschafft

Da dem Buch nicht nur die Grusel- und Paranormal-Nuance fehlt, die ich an Fitzek ansonsten so schätze, sondern auch nicht wirklich viel Thrill zwischen den Buchdeckeln ist, muss ich einen Stern abziehen. Ein weiterer Stern geht flöten, weil die Geschichte zwar nett ausgedacht, aber so dermaßen konstruiert und verrückt ist, dass man auch über einen weißen Löwen, der plötzlich irgendwo durch einen brennenden Reifen springt, nicht weiter überrascht wäre. Wegen dem kontinuierlich hohen Spannungsbogen und der gewohnt guten Schreibe bleiben also drei Sternchen.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen
“Amokspiel” von Sebastian Fitzek
Gelesen im Juni 2011 · Lesezeit: eine Woche
Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

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