Der Buick ist nicht von dieser Welt. Unschuldig und schön steht er in einem alten Schuppen nahe eines Polizeireviers - doch in unregelmäßigen Abständen zeigt er, was in ihm steckt. Genauso verhält es sich mit diesem Buch. Lange Strecken mit toller Erzählung wechseln sich mit kurzen, aktiongeladenen Sequenzen ab.

Eigentlich sind die Worte des erfahrenden Sergeant an den jungen Trooper Ned gerichtet. Doch die Berichte über die Eigenarten des Fahrzeuges zogen mich stellenweise so in den Bann, dass ich mich selber auf der Raucherbank hinter der Wache sitzen und mit den Kollegen plaudern sah. Nach und nach erzählen alle aus ihrer ganz eigenen Sicht von den Merkwürdigkeiten, die einen großen Stellenwert in ihrem Leben eingenommen haben.

Er stand da auf seinen breiten, luxuriösen Weißwandreifen, und drinnen war ein Armaturenbrett voller nicht zu bedienender Armaturenimitate und ein Steuer, das fast groß genug war für ein Kaperschiff. Da drinnen war etwas, das ihren Kasernenhund vor panischer Angst heulen ließ und ihn gleichzeitig unwiderstehlich anzog.

Auch mit dem Buick hat Stephen King eines seiner ruhigeren, aber keineswegs schlechteren Bücher veröffentlich. Horror sucht man vergeblich, Paranormalität und vor allem erstklassiges Schreiberhandwerk sind hingegen seitenweise vorhanden.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Der Buick”, orig. “From a Buick 8″ von Stephen King · Gelesen im November 2008 · Lesezeit: zwei Wochen · Quelle: geliehen von Vatern

QualEr plant den größten Coup seines Lebens: Die Entführung des Babys einer vermögenden Familie soll dem geistig zurückgebliebenen Blaze ein zumindest materiell unbeschwertes Leben ermöglichen und ihm erstmalig eine Gelegenheit bieten, seiner ansonsten chancenlosen Welt zu entkommen.

Durch zahlreiche Rückblicke in die nicht beneidenswerte Kindheit und Jugend des Protagonisten, wird der Leser hier Stück für Stück zum Sympathisanten einer fasziniert charakterisierten, bereits in jungen Jahren schuldfrei gescheiterten Existenz.

Mit Qual hat Stephen King einen ursprünglich 1973 unter dem Pseudonym Richard Bachman geschriebenen Roman der leisen Töne aus der Schublade gezogen, indem er ausnahmsweise gänzlich auf die klassischen Horror- und paranormalen Schock-Elemente verzichtet und sich hierdurch ganz andere Leser-Kreise zu erschließen vermag. Möglicherweise führt das zu Frust und Unbehagen bei dem einen oder anderen Hardcore-Fan, aber - etwas Flexibilität vorausgesetzt - sollte auch dieser sich den Lesespaß nicht entgehen lassen und sich stattdessen am Facettenreichtum seines Lieblingsautors erfreuen. Als Bachmann erschienende Kings sind andere, keinesfalls aber schlechtere Kings.

“Ich bin verrückt, dass ich auch nur versuche, das durchzuziehen”, dachte Blaze. “Ein Doofkopp wie ich.”

Die gut dreihundert spannenden Seiten lesen sich quasi von selbst, denn trotz der einfachen Handlung und der sehr beschränkten Anzahl an Charakteren wird man auf bewährte Weise von Story und Stil gefesselt. Etwas deplatziert finde ich den Titel der deutschsprachigen Ausgabe, der im Original schlicht “Blaze” lautet.
In der Hardcover-Fassung bekommt man neben einem ausführlichen Nachwort übrigens die Kurzgeschichte Memory frei Haus. Sie soll Grundlage für das neue Werk aus Kings Feder sein. Man darf gespannt sein.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Qual”, orig. “Blaze” von Stephen King als Richard Bachman · Gelesen im Oktober 2008 · Lesezeit: eine gute Woche · Quelle: geliehen von Vatern