So, nachdem Leichenblässe jetzt auch als Taschenbuch erschienen ist, hab’ ich nun alle Bücher von Simon Beckett durch.
Thema ist der dritte Fall des forensischen Anthropologen David Hunter, der erstmalig nicht in Großbritannien, sondern in Tennessee spielt. Hinsichtlich Stil und Ablauf bleibt hingegen vieles beim Alten, denn erneut ist Hunter nicht nur beratend unterwegs, sondern ehe er es sich versieht mitten in das Geschehen involviert und wiedereinmal ist nicht alles so, wie es scheint.
Nicht ganz mit den Vorgängern mithalten kann jedoch das “Buch nicht weglegen wollen”-Gefühl. Gerade zu Anfang zieht sich die Story ein wenig und steht bei den Punkten Spannung und Komplexität verglichen mit der Chemie des Todes hinten an. Zahlreiche Figuren bleiben verhältnismäßig farblos und entziehen sich somit Interesse und Mitgefühl und die Beschreibung der instabilen psychischen Situation, in der sich der Protagonist infolge seines letzten Einsatzes befindet, ist mir schon etwas zu viel des Guten. Auf der anderen Seite hätte ich mir eine stärkere Verknüpfung zur Handlung des Vorgänger-Buches gewünscht.
Wie nicht anders zu erwarten, ist Leichenbläse natürlich ein handwerklich überzeugender Thriller, den zu lesen es durchaus lohnt. Dem Autor wird leider sein eigenes hohes Niveau zum Verhängnis. Denn dem starken Anspruch an alles weitere aus seiner Feder wird er meiner Meinung nach dieses Mal nicht ganz gerecht.
Das Bild zum Artikel sieht etwas morbide aus, ich weiß. Ist aber das Cover.
Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Leichenblässe”, orig. “Whispers of the Dead” von Simon Beckett · Gelesen im August 2010 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: neu aus dem Buchladen
Am väterlichen Küchentisch bricht die junge Physikerin Emma mit Nasenbluten zusammen. Das Krankenhaus erreichen die zwei nicht mehr, denn noch an der Haustür wird sie zur Zielscheibe einer Shotgun und stirbt in den Armen von Mel Gibson (Signs, Der Patriot, Payback).
Wir schreiben das Jahr 1954 und befinden uns auf Shutter Island, einer weit abgelegenen und nicht gerade einladenden Insel, die duzende geisteskranke Kriminelle, ihre Ärzte und Wärter beheimatet. US-Marschal Edward “Teddy” Daniels hat den Auftrag, gemeinsam mit seinem Partner das Verschwinden einer Patientin zu untersuchen.
Zack: Vorhin noch in
Noch immer gibt es Leichenblässe, den dritten Teil der David Hunter-Reihe, nicht als Taschenbuch und daher wurde jetzt erst mal dieses Werk verinnerlicht.
Die Überzeugung, in einem vorherigen Leben ein Mörder gewesen zu sein, und deswegen nun einen Anwalt zu benötigen, raubt einem sterbenskranken Jungen den Schlaf und stellt von jetzt auf gleich das Leben des Strafverteidigers Robert Stern ordentlich auf den Kopf.
Das neuste Buch von Andreas Franz ist meiner Meinung nach eines seiner Bestes. Zu der Ober-Liga der Thriller-Autoren mag ich ihn zwar noch immer nicht zählen, aber eine Steigerung ist auf jeden Fall zu sehen und zu lesen.
Das spannendste an Krimis und Thrillern ist es für mich, zusammen mit den Kommissaren zu ermitteln und Täter, Motiv und weiteren Verlauf der Geschichte zu enträtseln. Oft laufen die Handlungsstränge von Mördern und Fahndern eine ganze Zeit über nebeneinander her und zum Schluss zusammen – manchmal staunt der Leser, manchmal wusste er schon vorher Bescheid. Auch bei diesem Franz hätte es sich angeboten so zu verfahren, indem etwas weniger über den Täter erzählt und die Spannung gehalten wird. Leider wird aber sehr schnell klar, wer und wie dicht der Übeltäter der Protagonistin Julia Durant ist. Viel Spaß geht so verloren und der Leser ist irgendwie außen vor.
Anders als sonst wird der Killer in diesem Franz zur Abwechslung mal durch Norddeutschland gejagt. Außerdem ist mit dem Duo Henning/Santos ein anderes Team auf der Seite der Guten. Aber eigentlich geht es mal wieder um einen Killer, der aus dem Dunklen nach seinen Opfern greift – wenn nun auch besonders häufig und wahllos.
Lebendig begraben zu werden, ist sicher eine der gruseligsten Vorstellungen der Menschheit. Nicht umsonst soll es sogar mittlerweile die Möglichkeit geben, Funkverbindungen oder Notruftasten in Särge einbauen zu lassen. Aber das würde dem Protagonisten Michael hier auch nichts nützen, der wird nämlich absichtlich verbuddelt und zwar von seinen besten Freuden am Junggesellenabschied. Ist das mal ne baknackte Idee?