Wir schreiben das Jahr 1954 und befinden uns auf Shutter Island, einer weit abgelegenen und nicht gerade einladenden Insel, die duzende geisteskranke Kriminelle, ihre Ärzte und Wärter beheimatet. US-Marschal Edward “Teddy” Daniels hat den Auftrag, gemeinsam mit seinem Partner das Verschwinden einer Patientin zu untersuchen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem regieführenden Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio (Der Mann, der niemals lebte, Blood Diamond) scheint gut zu laufen, denn nach bereits drei gemeinsamen Werken (Gangs of New York, Aviator, Departed), bringen die beiden nun diese Geschichte auf die Leinwand, die auf einem Roman von Dennis Lehane basiert.

Sein überragendes Talent und die Entwicklung vom Teeny-Schwarm zum erstklassigen Schauspieler zeigt DiCaprio dabei erneut und spielt seine Rolle, als wäre sie nur für ihn erschaffen. Mit dem oskar-erfahrenden Ben Kingsley (Schindlers Liste) wird weiteres Gewicht in die Waagschale der Darsteller geworfen und auch die eigentlich ziemlich kleine Rolle des Junior-Ermittlers Chuck wird durch einen gut spielenden Mark Buffalo (Zodiac) stark aufgewertet.

Durchgehend wirkt eine bedrückende, düstere und auch beängstigende Atmosphäre auf den Zuschauer ein, die schon alleine durch den Ort des Geschehens erzeugt, aber durch Wetter, Musik und natürlich die Entwicklung der Geschichte weiter getragen wird. Die Bilder sind durchgehend rau, dreckig – überzeugend.

Statt einer seichten Aufklärung der Ungereimtheiten, sieht sich der Kinobesucher einem zunehmenden Gewirr an Andeutungen und Rätseln gegenüber. Gleich mehrere Dimensionen der Rückblenden machen es ihm dabei nicht gerade leicht, aus Shutter Island jedoch einen meiner Meinung nach grandiosen Film, den man so schnell nicht los wird.

Bewertung: 5 von 5 Sternchen · Gesehen am 16. März um 19:50 · im Cinemaxx Hannover am Raschplatz mit Alex · Saal 1, Platz D16 · Kostenfaktor: 6,00 Euro

Zack: Vorhin noch in Schweden, geht es nun nach Norwegen. Dort geht es auch gleich etwas spannender zu: Ein Serienkiller arbeitet erst an Schneemännern und danach an jungen Müttern. Wo das eine noch zum Winterspaß dazugehört, ist das andere für die Damen dummerweise tödlich und somit wird Kommissar Harry Hole mit der Lösung des Falles betraut.

Schön an dem Buch finde ich schon mal, dass es mich trotz seinem etwas klischeemäßigen Ablauf (Täter geltungssüchtig, Taten medienwirksam, Ermittler Alki) an der einen oder anderen Stelle überrascht und gefesselt hat. Das regelmäßige Auf und Ab zwischen “Täter überführt” und “Ach ne, doch nicht” macht reichlich Spaß, wobei manche Zusammenhänge so banal erscheinen, dass man als Leser weiter sein kann, als der Kommissar.

Auch um Harry Hole gibt es seit 1997 bereits eine ganze Serie, wobei der Schneemann chronologisch ziemlich am Ende der Liste zu finden ist.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Schneemann”, orig. “Snømannen” von Jo Nesbø · Gelesen im März 2010 · Quelle: geliehen

Noch immer gibt es Leichenblässe, den dritten Teil der David Hunter-Reihe, nicht als Taschenbuch und daher wurde jetzt erst mal dieses Werk verinnerlicht. ;)

Wieder einmal geht es um die Tiefen menschlicher Abgründe, eine sehr überschaubare Gruppe an Charakteren und eine Beziehung der besonderen Art. Anders als bei Obsession (später erschienen) gibt es aber mehr Action und Nervenkitzel.

In der ersten Hälfte des Buches lernen wir Kate kennen. Ihr Berufs- und Privatleben ist zwar nicht gerade gewöhnlich, aber auch nicht sonderlich schockierend. Das Erzählte ist keineswegs langweilig, klasse geschrieben und interessant, aber der Thriller befindet sich eindeutig im zweiten Abschnitt – das kennt man von vielen Stephen King-Beispielen. Leider nimmt das Vorwort für meinen Geschmack etwas zu viel vorweg.

Wie man es vom Autor gewohnt ist, legt er auch in Flammenbrut sehr viel Recherche-Wissen und Ernsthaftigkeit. Die häufig zu findenden Kritiken an den Erstlingswerken des späteren Hunter-Autors kann ich nicht nachvollziehen – Entwicklung und Vielseitigkeit von Simon Beckett finde ich vielmehr sehr interessant.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Flammenbrut”, orig. “Where There’s Smoke” von Simon Beckett · Gelesen im Februar 2010 · Quelle: geliehen

Die Überzeugung, in einem vorherigen Leben ein Mörder gewesen zu sein, und deswegen nun einen Anwalt zu benötigen, raubt einem sterbenskranken Jungen den Schlaf und stellt von jetzt auf gleich das Leben des Strafverteidigers Robert Stern ordentlich auf den Kopf.

Bereits der Seelenbrecher beinhaltet den typischen Hauch Mystery – und fordert daher vom Leser etwas Gutwill in dieser Hinsicht. Lässt man sich darauf aber ein und übersinnliche Handlungsstränge zu, so hat man mit beiden Werken sehr gute Thriller von einem nicht umsonst gelobten Autor vor sich und die Möglichkeit in eine andere Welt einzutauchen.

Es sind die indirekten Signale, die ein Tatort aussendet, die für Außenstehende eine morbide Faszination besitzen. Ein abgesperrter Bereich auf einem U-Bahnhof, der ansonsten voller Menschen ist, entfacht eine solche Wirkung, ebenso wie ein unnatürlich hell erleuchteter Platz, auf dem mehrere Polizeifahrzeuge parken.

Obwohl die Charaktere etwas blas und farblos wirken und hier und da etwas mehr Detailverliebtheit und weniger Tempo gut wären, sind Dramaturgie, Sprache und Handlung sehr gut gelungen und verführen erfolgreich zum Weiterlesen.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Das Kind” von Sebastian Fitzek · Gelesen im Oktober 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

Das neuste Buch von Andreas Franz ist meiner Meinung nach eines seiner Bestes. Zu der Ober-Liga der Thriller-Autoren mag ich ihn zwar noch immer nicht zählen, aber eine Steigerung ist auf jeden Fall zu sehen und zu lesen.

Mal wieder ist das Team um Julia Durant mit den Ermittlungen zu einer Mordserie in Frankfurt befasst. Scheinbar zufällig wählt ein Psychopath seine Opfer aus und ebenso abwechslungsreich zeigt er sich bei der Durchführung seiner Taten.

Er war ein großer Künstler, einer der größten aller Zeiten, nein, der größte. Ein Magier, der nicht mit Taschenspielertricks arbeitete, nein, das hatte er nicht nötig, von ihm konnten Copperfield und Co. noch lernen.

Bei Franz sind immer alle Charaktere besonders intelligent, besonders gutaussehend und besonders jung. Oft alles auf einmal. Klischees an allen Ecken und Enden und manche Dialoge könnten einer Sechsklässler-Theater-AG entsprungen sein. Die Ermittlungen nehmen leider etwas unüberzeugende Wendungen und das Ende – allen voran der finale Tippgeber – sind schon fast albern. Aber dennoch – und wo ich diese Zeilen hier gerade tippe wundert es mich auch -, war es an manchen Stellen so spannend, dass ich es nicht beiseite legen wollte.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Mörderische Tage” von Andreas Franz · Gelesen im Oktober 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: geliehen

Das spannendste an Krimis und Thrillern ist es für mich, zusammen mit den Kommissaren zu ermitteln und Täter, Motiv und weiteren Verlauf der Geschichte zu enträtseln. Oft laufen die Handlungsstränge von Mördern und Fahndern eine ganze Zeit über nebeneinander her und zum Schluss zusammen – manchmal staunt der Leser, manchmal wusste er schon vorher Bescheid. Auch bei diesem Franz hätte es sich angeboten so zu verfahren, indem etwas weniger über den Täter erzählt und die Spannung gehalten wird. Leider wird aber sehr schnell klar, wer und wie dicht der Übeltäter der Protagonistin Julia Durant ist. Viel Spaß geht so verloren und der Leser ist irgendwie außen vor.

Sie hatte die Augen geschlossen und merkte nicht, wie er aus seiner Jacke, die neben dem Bett über einem Stuhl hing, ein Paar Lederhandschuhe zog und sie neben sich legte. Seine Kiefer mahlten aufeinander, seine Augen hatte einen unnatürlichen Ausdruck.

Ansonsten gibts halt wieder viel “maliziöses Lächeln” sowie eine Menge Schwarz und Weiß. Die Handlung ist nicht schlecht, gibt aber nicht viel mehr her als ein gewöhnlicher Tatort, ist aber spannender und blutiger als bei anderen Büchern dieser Reihe.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Tödliches Lachen” von Andreas Franz · Gelesen im Oktober 2009 · Lesezeit: knapp eine Woche · Quelle: geliehen

Anders als sonst wird der Killer in diesem Franz zur Abwechslung mal durch Norddeutschland gejagt. Außerdem ist mit dem Duo Henning/Santos ein anderes Team auf der Seite der Guten. Aber eigentlich geht es mal wieder um einen Killer, der aus dem Dunklen nach seinen Opfern greift – wenn nun auch besonders häufig und wahllos.
Die Story ist die beste aller Franz-Bücher, die ich bisher gelesen habe. Spannende, gar tragische Situationen sind gut beschrieben. Allerdings gingen mir die langweiligen Dialoge der durchweg extrem unsympathischen Kripo-Menschen mit der Zeit auf die Nerven und die regelmäßig gebetsmühlenartig heruntergeschriebene Möchtegern-Psychoanalsyse, die mehr auf Klischees, denn auf einem stabilen Fundament ruht ist alles andere als großes Kino.

Sie stand allein auf dem Bürgersteig, als würde sie auf jemanden warten. Er blickte in den Rückspiegel, vor und hinter ihm war kein Auto zu sehen. Er hielt, ließ das Fenster herunter und sagte ausgesprochen freundlich: “Darf ich Sie mitnehmen, Frau Kaiser? Oder warten Sie noch auf jemanden?”

Etwas mehr Geschwindigkeit, zwei Morde weniger und dafür mehr Realismus – dann wäre das Buch klasse.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Unsichtbare Spuren” von Andreas Franz · Gelesen im September 2009 · Lesezeit: gut eine Woche · Quelle: geliehen

Lebendig begraben zu werden, ist sicher eine der gruseligsten Vorstellungen der Menschheit. Nicht umsonst soll es sogar mittlerweile die Möglichkeit geben, Funkverbindungen oder Notruftasten in Särge einbauen zu lassen. Aber das würde dem Protagonisten Michael hier auch nichts nützen, der wird nämlich absichtlich verbuddelt und zwar von seinen besten Freuden am Junggesellenabschied. Ist das mal ne baknackte Idee?

Michael zitterte. Etwas krabbelte durch seine Haare, arbeitete sich in Richtung Stirn vor. Es fühlte sich wie eine Spinne an. Voller Panik ließ er die Gürtelschnalle los und fuhr sich wie wild durchs Haar. Seine Finger waren ganz wund vom Kratzen am Deckel. Dann lief es ihm übers Gesicht, huschte über die Wange, Mund, Kinn.

Der beklemmende und bedrückende Sachverhalt wird von Peter James gut beschrieben, nimmt dann jedoch nicht den Hauptteil des Thrillers ein. Außerdem habe ich nach der Klappentext-Lektüre noch mehr literarische Klaustrophobie erwartet. An manchen Stellen wird es etwas fad und dem lahmarschigen Detective, der lieber durch die Gegend Flirtet und Pokert, würde man gerne mal in den Hintern treten. Dennoch ist Stirb ewig ein solider Thriller mit den hierfür erforderlichen Irrungen, Wendungen und Wirrungen.

Bewertung: 3 von 5 Sternchen · “Stirb ewig”, orig. “Dead Simple” von Peter James · Gelesen im Sommerurlaub, September 2009 · Lesezeit: eine Woche · Quelle: gebraucht vom schwarzen Brett gekauft

Nachdem er sie auf mittelalterliche Weise gefoltert und getötet hat, verbuddelt ein Serienkiller seine Opfer systematisch angeordnet auf einem Acker. Was steckt dahinter, wie sucht er seine Opfer aus und wann wird er erneut zuschlagen?

Karen Rose hat mit dem Todesschrei einen handwerklich guten Thriller geschrieben. Sympathische Charaktere – vom Killer einmal abgesehen – werden ausgiebig beleuchtet, die Handlung ist glaubhaft und stabil. Aus der Masse der Serientäter-Ermittlungsduo-Romane hebt sich dieses Buch eher aus dem Grunde ab, als dass die stellenweise kitschige Liebesgeschichte der beiden Protagonisten einen großen Stellenwert einnimmt. Für das Genre eher untypisch, durch den Klappentext nicht vorhersehbar und dennoch nicht richtig störend. Erinnert hat mich das etwas an die Serie von Karin Slaughter – auch dort spielen Familien und Beziehungen eine große Rolle.

Sein Atem stockte, als er den Gestank unter dem Desinfektionsmittel erkannte. Etwas Totes. Verwesendes. Er schloss die Augen und zwang die Panik nieder. Das kann nicht sein. Ich träume bloß. Das ist ein furchtbarer Alptraum, und gleich wache ich auf.

Blutige Details sind meist der Leserphantasie überlassen und nicht durchgängig beschrieben, angenehm für zart besaitete. Lustig ist, dass durch Zufall erneut die Entwicklung eines Computerspiels handlungsbestimmend ist – das hatte ich doch neulich erst.

Zwei Nebencharaktere nehmen im Folgeroman Todesbräute das Ruder in die Hand. Da bin ich sicher dabei.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Spiel unter Freunden”, orig. “Die for me” von Karen Rose · Gelesen im Juli 2009 · Lesezeit: zwei Wochen · Quelle: neu aus dem Buchladen

Nachdem fünf Freunde in ihrer kleinen Hinterhof-Softwareschmiede Monkeewrench das Online-Spiel Serial Killer Detective entwickelt und dann als Testversion ins Netz gestellt haben, müssen sie mitansehen, wie die dort beschriebenen und illustrierten Mordszenen nacheinander in die reale Welt überführt werden. Obwohl die schnell hinzugezogene Polizei somit stets weiß, was als nächstes kommt, scheint der Täter immer einen Schritt voraus zu sein…

Mit viel Spannung und erstaunlich viel Humor erzählt das aus Mutter und Tochter bestehende Autoren-Duo einen interessanten und gar nicht mal so abwegigen Fall, bei dem Atmosphäre und Handlung gleichsam ein dichtes Netz bieten. Nicht zuletzt aufgrund der sehr guten Übersetzung dieses Erstlingswerkes macht die gemeinsame Ermittlung mit den beiden Fander-Teams – und somit das Lesen – durchgehend Spaß. Das zweite Buch der beiden Schriftstellerinnen liegt bereits in meiner Warteschleife.

Bewertung: 4 von 5 Sternchen · “Spiel unter Freunden”, orig. “Monkeewrench” von P. J. Tracy · Gelesen im Juni 2009 · Lesezeit: zwei Wochen · Quelle: neu aus dem Buchladen